Review Trinidad Vigia Reserva Cosecha 2022: Tiefe, die bleibt
Review Trinidad Vigia Reserva Cosecha 2022 / Schon beim ersten Zug steigt mir ein sehr dichter Rauch entgegen. Er hüllt mich für einen kurzen Augenblick vollkommen ein, bevor er sich überraschend schnell wieder in der Luft auflöst. Auf der Zunge entfaltet sich auf Anhieb eine prägnante, herzhafte Umami-Note, die von einer spürbaren Portion Bitterkeit und einer leichten Pfeffrigkeit begleitet wird. Die Säure hält sich dabei fast vollständig im Hintergrund. Für diese Verkostung habe ich ein Exemplar der Trinidad Vigía Reserva Cosecha 22 vor mir liegen, das ich breit angeschnitten habe. Die Zigarre macht durch eine tiefe, retronasale Wahrnehmung und eine sich verändernde Aschestruktur auf sich aufmerksam.
In diesem Review
Weltpremiere in Montreux

Am 19. September 2026 feierte das Format seine Weltpremiere direkt am Ufer von Montreux. Es war ein rundum gelungener Event voller faszinierender Momente und Eindrücke. Ich habe das Geschehen vor Ort in einem kurzen Dokufilm eingefangen. / Photo: Studio Harcourt.

Ein wunderbarer Event mit vielen schönen Momenten. Foto: Oh Anna Photographe

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Beobachtet bei der Verkostung
- Rauchstruktur: Sehr dicht zu Beginn, löst sich schnell auf.
- Balance: Anfangs viel Umami, kaum Säure, gute Portion Bitterkeit und etwas pfeffrig; in der 1. Hälfte sehr gute Balance.
- Entwicklung: Sehr langer Umami-Abgang zu Beginn. In der 1. Hälfte wird das Profil tiefer, bitterer, mit sehr wenig Säure, etwas weniger Umami und nachlassender Pfeffrigkeit.
- Stärke: Zunahme von 3/5 auf 4/5 im Verlauf.
- Konstruktion: Leichter Zug (breit geschnitten). Asche anfangs normal und nicht zu kompakt, in der 2. Hälfte flockig. Retronasal viel Tiefe.
- Abbrand: Anfangs fast gerade. In der 1. Hälfte leicht wellig glimmend, korrigiert sich selbst (glimmt etwa 2 Minuten in Ruhe). In der 2. Hälfte verglimmt sie beim Zug nach etwa 1 cm, glimmt danach stabil weiter. 2. Hälfte Abbrand insgesamt wellig und musste korrigiert werden.
- Reifepotenzial: Meine persönlich Einschätzung: zwei bis drei Jahre reifen lassen nach dem Kauf.
Auf einen Blick
- Marke: Trinidad
- Edition: Vigía Reserva Cosecha 2022
- Vitola (Format): Torres
- Länge und Durchmesser: Ringmass 54; Länge 111 mm
- Herkunft und Tabak: Kuba
- Box Date: Unbekannt
- Verkostung am: 22.09.2026
- Geschätztes Alter: schwierig, entweder frisch ca. 2 Monate, oder älter ca. 12 Monate
- Stärke: 3/5 → 4/5
- Preis: Ist zwar bekannt, aber öffentlich noch nicht veröffentlich, da sich der Preis im Jahr 2027 noch ändern könnte
- Erhältlich: 3er Set vielleicht noch Ende 2026, hoffentlich Anfang 2027. Die 20er Kiste: noch unbekannt.
Rauchstruktur – Wie verhält sich der Rauch?

In der Ruhephase steigen feine Rauchfahnen empor.
Wenn ich den ersten Zug nehme, strömt ein überraschend dichter und schwerer Rauchschwall in den Mundraum. Er hat eine Greifbarkeit, die den Gaumen sofort ausfüllt. Doch so massiv er sich im ersten Moment zeigt, so flüchtig verhält er sich nach dem Ausblasen: Die weisse Wolke löst sich im Raum ausserordentlich rasch auf und hinterlässt keine stehenden Rauchsäulen.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Wie dicht ein Rauch wahrgenommen wird und wie schnell er sich nach dem Ausblasen verflüchtigt, hängt von allgemeinen Faktoren wie dem gewählten Anschnitt des Kopfes, der Packungsdichte der Tabakblätter, dem Feuchtigkeitsgehalt sowie der Umgebungsluft ab.
Balance – Wie harmonisch arbeitet der Blend?
Gleich nach dem Anzünden wird mein Gaumen von einem intensiven Umami-Eindruck dominiert – eine herzhafte Grundnote, die sehr lange im Nachgeschmack verweilt. Dazugefügt gesellt sich eine deutliche Bitterkeit, während Säure kaum wahrnehmbar ist. Ein leichter, pfeffriger Eindruck schärft die Wahrnehmung.
Sowie ich mich durch die erste Hälfte rauche, fügen sich diese Eindrücke zu einer sehr ausgewogenen Balance zusammen. Nichts wirkt störend oder deplatziert; die Elemente greifen harmonisch ineinander. Retronasal zeigt sich dabei eine erstaunliche Tiefe, die den Rauchzug intensiv begleitet.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Die wahrgenommene Balance zwischen Umami, Bitterkeit und Schärfereizen durch die Zusammensetzung der Einlagetabake, deren Fermentationsgrad sowie das Zusammenspiel von Umblatt und Deckblatt geprägt.
Was ist Umami?
In Tasting Notes wird der Begriff Umami verwendet, um eine feine, herzhafte und mundwässernde Tiefe im Rauch zu beschreiben. Anders als prägnante Noten wie Schärfe oder Süße sorgt Umami auf der Zunge und im Abgang für ein ausbalanciertes, dichtes und langanhaltendes Geschmacksgefühl.
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Entwicklung – Verändert sich die Zigarre?
Der Übergang von den ersten Zügen hinein in die erste Hälfte vollzieht sich nicht sprunghaft, sondern als spürbare Vertiefung. Der anfänglich sehr lange Umami-Abgang tritt ein Stück zurück, bleibt aber als Fundament erhalten.
Die Bitterkeit nimmt im Verlauf der ersten Hälfte zu und verleiht dem Profil mehr Dunkelheit und Tiefe. Die Säure bleibt weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau, während das pfeffrige Empfinden spürbar nachlässt. Der Rauch verliert etwas von seiner anfänglichen Schärfe und gewinnt stattdessen an geschmacklicher Substanz.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Geschmackliche Veränderungen während des Rauchens entstehen durch das Fortschreiten der Glutzone, die Erwärmung des verbleibenden Tabakkörpers sowie das Ansammeln von Kondensaten im hinteren Drittel.
Stärke – Wie entwickelt sich die Kraft?
Zu Beginn ordne ich die gefühlte Nikotinstärke im mittleren Bereich bei etwa 3/5 ein. Während ich die Zigarre weiter genieße, baut sich die Kraft langsam, aber stetig auf. Im weiteren Verlauf erreicht die gefühlte Stärke ein Niveau von 4/5 und zeigt eine deutliche, aber nicht überrollende Präsenz.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Die Nikotinwirkung hängt von den verwendeten Tabaksorten (wie Ligero-Anteilen), deren Platzierung im Blend sowie der individuellen Tagesform und Zugfrequenz des Rauchers ab.

Ein dichter Rauchschwall steigt von der Glut auf.
Konstruktion und Abbrand – Wie sauber arbeitet die Zigarre?
Nachdem ich die Zigarre breit angeschnitten habe, zeigt sie einen leichten Zugwiderstand. Die Asche präsentiert sich zu Beginn in gewohnter Festigkeit und normaler Kompaktheit. In der zweiten Hälfte verändert sich ihr Bild: Sie wird deutlich flockiger.
Der Abbrand zeigt ein wechselhaftes Verhalten. Nach einem fast geraden Start glimmt die Glut in der ersten Hälfte leicht wellig, korrigiert sich aber zeitweise von selbst. Ich kann die Zigarre etwa zwei Minuten ruhen lassen (das ist nicht sehr lang), ohne dass sie erlischt. In der zweiten Hälfte verglimmt sie jedoch beim Rauchen über eine Länge von etwa einem Zentimeter hinweg vollkommen – mehrmals –, sodass ich sie ständig nachzünden muss. Nach diesem fehlerhaften Abschnitt glimmt sie wieder stabil wie zuvor weiter. Insgesamt bleibt der Abbrand in der zweiten Hälfte wellig und machte manuelle Korrekturen erforderlich.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Dass eine Zigarre stellenweise verglimmt, ständig nachgezündet werden muss oder eine flockige Asche zeigt, kann allgemein durch lokale Feuchtigkeitsnester im Tabak, ungleichmässig verarbeitete Blätter oder Luftkanäle in der Einlage verursacht werden. Hier vermute ich noch eine ungleiche Verteilung der Feuchte im Tabak. Eine Reifezeit wird ihr gut tun.
Wirkung von Fermentation und Reife
Angaben zum genauen Box Date, zum Herstellungsjahr oder zu spezifischen Lagerbedingungen liegen mir nicht vor. Das geschätzte Alter lässt sich schwer festlegen: Sie wirkt entweder frisch mit ca. 2 Monaten oder bereits älter mit etwa 12 Monaten.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Reifeprozesse können die Schärfe im Rauch mindern und die Grundgeschmäcker harmonisieren. Welche konkreten geschmacklichen Auswirkungen die Lagerung auf dieses spezielle Exemplar hatte, lässt sich ohne eine Angabe des Herstellers nicht feststellen.
Fazit
Während meiner Verkostung zeigte die Trinidad Vigía Reserva Cosecha 22 ein vielschichtiges Bild. Sie bot dichten Rauch, der sich schnell verflüchtigte, sowie eine hervorragende Balance aus Umami und Bitterkeit mit ansteigender Stärke von 3/5 auf 4/5. Nach meinem breiten Anschnitt war der Zug leicht, doch die Konstruktion schwächelte durch flockige Asche und einstellenweises Verglimmen beim Rauchen. Das ist kein Fehler der Zigarre! Das Alter ist für mich schwer einzuschätzen – entweder frisch mit etwa 2 Monaten oder älter mit circa 12 Monaten. Meine persönliche Einschätzung zum Reifepotenzial: Ich empfehle, die Zigarre nach dem Kauf zwei bis drei Jahre reifen zu lassen.
Häufige Fragen
Wie stark ist die Trinidad Vigía Reserva Cosecha 22 während dieser Verkostung?
Die gefühlte Nikotinstärke beginnt bei einem mittleren Wert von 3/5 und steigert sich im weiteren Rauchverlauf auf ein intensiveres Niveau von 4/5.
Wie verhält sich der Abbrand der Trinidad Vigía Reserva Cosecha 22?
Der Abbrand startete nahezu gerade, entwickelte in der ersten Hälfte jedoch ein leicht welliges Bild, das sich zunächst selbst korrigierte. In der zweiten Hälfte verglomm die Zigarre beim Rauchen über etwa einen Zentimeter hinweg, musste ständig nachgezündet werden und glimmte danach wieder normal weiter. Das ist kein Fehler der Zigarre, sondern liegt daran, dass sie noch reifen muss.
Welche Grundgeschmäcker prägen den Beginn der Verkostung?
Zu Beginn dominierte viel Umami mit einem sehr langen Nachgeschmack, begleitet von einer guten Portion Bitterkeit und etwas Pfeffer. Säure war kaum vorhanden.
Weiterführender Artikel
Quellen und Grundlagen
Dieser Artikel basiert auf der Verkostung der beschriebenen Zigarre aufgrund von eigener Erfahrung als Zigarren Geniesser seit 1996, sowie auf Fachliteratur zu Tabak, Fermentation, Reifung und den physikalischen Vorgängen während des Rauchens. Ergänzend wurden aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Tabakfermentation und zum Wärme- und Stofftransport in Tabak berücksichtigt.
- Hu, W. et al. (2022): Study on the chemical compositions and microbial communities of cigar tobacco leaves fermented with exogenous additive. Scientific Reports. → Fermentation, chemische Veränderungen und mikrobielle Prozesse bei Zigarrentabak.
- (2023) Study on the correlation between the dominant microflora and the main flavor substances in the fermentation process of cigar tobacco leaves → Untersucht Zusammenhänge zwischen dominanten Mikroorganismen und chemischen Leitsubstanzen.
Fotos
- Vasilij Ratej
Hinweis zu den Fotos: Sämtliche Fotos wurden von mir aufgenommen und in Affinity Photo bearbeitet. Für den abschliessenden Filmlook erfolgte zusätzlich ein digitales Color Grading mit Unterstützung von KI. Motiv, Komposition und Bildinhalt blieben unverändert.
- Artistin: Oh Anna Photographe
- Vasilij mit Kamera: Studio Harcourt
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