Review Joya de Nicaragua Numero Uno L’Ambassadeur

Es gibt Verkostungen, die beginnen nicht mit einem lauten Knall, sondern mit leisen, hocheleganten Nuancen. Als ich die Joya de Nicaragua Número Uno L’Ambassadeur anzünde, legt sich ab dem ersten Zug eine sanfte, feingliedrige Balance auf den Gaumen. Kein schweres Geschütz, sondern ein fein kalkulierter Auftakt, der mich innehalten lässt. Der Rauch steigt leicht auf und besitzt eine schöne Präsenz. Während ich die ersten Minuten am Vormittag um 11:25 Uhr geniesse, entfaltet sich am Gaumen ein feines Wechselspiel aus einer dezenten Salzigkeit und einer ganz leichten Säure. Es ist genau diese Kombination, die meine Aufmerksamkeit fesselt.

Diplomatische Vergangenheit & Weltklasse-Ansehen

Dass dieser Blend eine ganz besondere Aura ausstrahlt, kommt nicht von ungefähr: Ursprünglich war die Número Uno ein wohlgehütetes Staatsgeheimnis. Executive President Juan-Ignacio Martinez enthüllte einst die Geschichte hinter dem Namen L’Ambassadeur: Die Zigarre wurde exklusiv von nicaraguanischen Botschaftern bei offiziellen Staatsbesuchen weltweit an Diplomaten als hochkarätiges Präsente überreicht.

Número Uno gehört zu Joya de Nicaraguas „Obras Maestras“. Ihre Geschichte begann ungewöhnlich: Ursprünglich wurde die Zigarre von nicaraguanischen Botschaftern bei offiziellen Besuchen als diplomatisches Geschenk überreicht.

Número Uno gehört zu Joya de Nicaraguas „Obras Maestras“. Ihre Geschichte begann ungewöhnlich: Ursprünglich wurde die Zigarre von nicaraguanischen Botschaftern bei offiziellen Besuchen als diplomatisches Geschenk überreicht.

Erst im Jahr 2018 verschenkte Joya de Nicaragua einige dieser edlen Exemplare an ausgewählte Medien und ein Fachpublikum – und ergatterte auf Anhieb die höchste Bewertung seit 50 Jahren Unternehmensgeschichte! Gekrönt wurde dieser Triumph schließlich mit dem Titel Cigar of the Year 2019 (Halfwheel, 2019). Die Zigarre ist das Juwel der renommierten Obras Maestras-Linie – der absoluten Spitzenklasse des Hauses . In der Schweiz ist sie immer wieder in limitierten Batches verfügbar.

Beobachtet bei der Verkostung

  • Rauchstruktur: Nicht sehr dicht, löst sich schnell auf, wird mit der jedoch Zeit dichter.
  • Balance: Ein „Mü“ salzig und sofort weg, wenig Säure, sanft bitter bleibt angenehm bemerkbar. Langer Abgang, später dichter und noch länger. Retronasal viel mehr Tiefe. Umami spielt eine wichtige Rolle.
  • Entwicklung: Beginn mit sanfter Balance. Ab ca. 2. Hälfte und letztem Drittel deutlich mehr Tiefe in der Balance.
  • Stärke: Erste Zigarre am Morgen: 1. Hälfte 1/5 → 2. Hälfte 2/5 → 3. Drittel max. 3/5. // 2. Zigarre am Nachmittag, interessant: 1. Hälfte 2/5 → 2. Hälfte 3/5 → 3. Drittel max 4/5.
  • Konstruktion: Regelmässige Rollung, Blend hervorragend komponiert.
  • Abbrand: Gleichmässig, stabile Asche. Glimmt lange nach Zug (7 Minuten, geht aus). Zug ca. alle 1,5–2 Minuten (2x daran gezogen).
Die Joya de Nicaragua Número Uno L’Ambassadeur im schlanken "Lonsdale"-Format 6 5/8 × 44. Eine Zigarre, die bei meiner Verkostung ausgesprochen sanft beginnt – und sich wunderbar nach und nach öffnet.

Die Joya de Nicaragua Número Uno L’Ambassadeur im schlanken „Lonsdale“-Format 6 5/8 × 44. Eine Zigarre, die bei meiner Verkostung ausgesprochen sanft beginnt – und sich wunderbar nach und nach öffnet.

Auf einen Blick

  • Marke: Joya de Nicaragua
  • Genaue Linie: Número Uno (Obras Maestras)
  • Vitola (Format): L’Ambassadeur (6 5/8 x 44)
  • Länge und Durchmesser: Länge 6 5/8 Zoll (168 mm), Ringmass 44 (17,4 mm)
  • Herkunft: Nicaragua
  • Deckblatt: Ecuador (Connecticut)
  • Umblatt: Nicaragua
  • Einlage: Nicaragua
  • Box Date: Keine Angaben
  • Verkostung am: 2 Exemplare, 18.08.2026, 08:30 Uhr und 13:30 Uhr
  • Geschätztes Alter: unbekannt
  • Stärke: 1/5 → 2/5 → max. 3/5
  • Preis: CHF 16.– pro Zigarre (Kiste à 13 Zigarren für CHF 208.–)
Ich lasse der L’Ambassadeur bewusst Zeit. Etwa alle eineinhalb bis zwei Minuten ziehe ich zweimal – dazwischen darf die Glut in Ruhe weiterarbeiten.

Ich lasse der L’Ambassadeur bewusst Zeit. Etwa alle eineinhalb bis zwei Minuten ziehe ich zweimal – dazwischen darf die Glut in Ruhe weiterarbeiten.

Rauchstruktur – Wie verhält sich der Rauch?

Der Rauch beginnt zurückhaltend. Er ist zunächst nicht sehr dicht und löst sich relativ schnell auf. Das bleibt jedoch nicht so. Mit fortschreitender Rauchdauer bekommt der Rauch sichtbar mehr Substanz. Er steht dichter und länger, ohne dass dieser Wandel plötzlich erfolgt. Es ist vielmehr eine langsame Verdichtung. Das passt zum gesamten Verlauf meiner Verkostung: Die L’Ambassadeur zeigt nicht sofort alles, sondern legt nach und nach zu.

Warum verhält sich die Zigarre so?

Wie dicht Rauch erscheint und wie schnell er sich auflöst, kann von mehreren Faktoren beeinflusst werden: von der Tabakdichte und Feuchtigkeit ebenso wie von Rollung, Luftwegen, Verbrennungstemperatur und Zugrhythmus.

Gerade der Zugrhythmus spielt bei Zigarren eine wichtige Rolle, weil jeder Zug der Glut neuen Sauerstoff zuführt und damit die Verbrennung beeinflusst. Bei dieser Verkostung habe ich der L’Ambassadeur viel Zeit gelassen und ungefähr alle eineinhalb bis zwei Minuten zweimal gezogen.

Die Konstruktion zeigt sich während der Verkostung zuverlässig: gleichmässiger Abbrand, stabile Asche und eine Glut, die auch längere Pausen erstaunlich gelassen hinnimmt.

Die Konstruktion zeigt sich während der Verkostung zuverlässig: gleichmässiger Abbrand, stabile Asche und eine Glut, die auch längere Pausen erstaunlich gelassen hinnimmt.

Balance – Wie harmonisch arbeitet der Blend?

Auf der Zunge geschieht zu Beginn etwas Interessantes. Eine salzige Wahrnehmung erscheint kurz und ist beinahe sofort wieder verschwunden. Danach bleiben wenig Säure und eine sanfte Bitterkeit angenehm bemerkbar. Entscheidender ist für mich, wie diese Eindrücke zueinander stehen. Nichts schiebt sich grob nach vorne. Der Abgang bleibt bereits früh lange erhalten.

In der zweiten Hälfte verändert sich das Verhältnis. Die Balance bekommt mehr Gewicht und wirkt dichter. Gleichzeitig verlängert sich der Abgang nochmals. Retronasal tritt dieser Effekt besonders deutlich hervor: Dort nehme ich wesentlich mehr wahr und die Balance bekommt spürbar mehr Tiefe. Im weiteren Verlauf wird auch Umami für meine Wahrnehmung wichtig. Nicht als isolierter Effekt, sondern als Teil dieser zunehmend tieferen Balance.

Was ist Umami?

In Tasting Notes wird der Begriff Umami verwendet, um eine feine, herzhafte und mundwässernde Tiefe im Rauch zu beschreiben. Anders als prägnante Noten wie Schärfe oder Süße sorgt Umami auf der Zunge und im Abgang für ein ausbalanciertes, dichtes und langanhaltendes Geschmacksgefühl.

Warum verhält sich die Zigarre so?

Balance entsteht bei Zigarren aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren. Dazu gehören Tabakauswahl, Blattpositionen, unterschiedliche Fermentationsgrade, Mengenverhältnisse innerhalb des Blends, Konstruktion und Lagerung. Auch Süsse, Säure, Bitterkeit, Salz und Umami können die Wahrnehmung gegenseitig verändern. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie stark eine einzelne Grundempfindung auftritt, sondern wie sie mit den anderen zusammenspielt und wie lange sie wahrnehmbar bleibt.

In der zweiten Hälfte gewinnt die L’Ambassadeur spürbar an Tiefe. Aus anfänglich 1/5 Stärke werden 2/5 und im letzten Drittel maximal 3/5.

In der zweiten Hälfte gewinnt die L’Ambassadeur spürbar an Tiefe. Aus anfänglich 1/5 Stärke werden 2/5 und im letzten Drittel maximal 3/5.


Einladung von Zigarren.Zone


Entwicklung – Verändert sich die Zigarre?

Die Joya de Nicaragua Número Uno L’Ambassadeur startet mit einer sehr gut balancierten, sanften Harmonie. In der ersten Hälfte zeigt sich eine leichte, aber kontinuierliche Steigerung der Geschmackseindrücke auf der Zunge. Der Übergang ab etwa der zweiten Hälfte und hinein ins letzte Drittel verläuft wunderbar fliessend: Die Balance gewinnt deutlich an Tiefe, das Mundgefühl wird dichter und der Nachhall auf dem Gaumen dehnt sich nochmals spürbar aus.

Warum verhält sich die Zigarre so?

Während eine Zigarre kürzer wird, verändern sich mehrere Bedingungen gleichzeitig. Die Glut rückt näher an den Mund, Temperatur und Rauchkonzentration können sich verändern, und auch der individuelle Zugrhythmus beeinflusst die Wahrnehmung. Retronasales Rauchen erschliesst zudem andere sensorische Wahrnehmungen als die reine Wahrnehmung auf der Zunge.

Auch der Rauch verändert sich: Anfangs löst er sich relativ schnell auf, später wird er deutlich dichter. Die Entwicklung geschieht langsam – nicht als abrupter Wechsel.

Auch der Rauch verändert sich: Anfangs löst er sich relativ schnell auf, später wird er deutlich dichter. Die Entwicklung geschieht langsam – nicht als abrupter Wechsel.

Stärke – zwei Zigarren, zwei unterschiedliche Wahrnehmungen

Die Kraft folgt bei beiden Zigarren demselben grundsätzlichen Muster wie die übrige Entwicklung: Sie baut sich langsam auf, statt plötzlich nach vorne zu springen. Interessant ist allerdings, wie unterschiedlich stark ich diesen Verlauf bei zwei Exemplaren am selben Tag wahrnehme.

Die erste Zigarre rauche ich am Morgen. In der ersten Hälfte notiere ich 1/5, in der zweiten Hälfte steigt die Stärke auf 2/5. Erst im letzten Drittel erreicht sie bei mir maximal 3/5.

Am Nachmittag folgt die zweite Zigarre – und die legt spürbar eine Stufe drauf. Bereits in der ersten Hälfte notiere ich 2/5, danach 3/5 und im letzten Drittel schliesslich maximal 4/5.

Das Bemerkenswerte ist für mich deshalb nicht nur der ansteigende Verlauf innerhalb einer Zigarre. Der direkte Vergleich zeigt auch, wie unterschiedlich die wahrgenommene Stärke derselben Zigarre ausfallen kann. Morgens: 1 → 2 → 3. Nachmittags: 2 → 3 → 4. Der Verlauf bleibt nahezu parallel, meine Wahrnehmung verschiebt sich jedoch um eine ganze Stufe.

Warum verhält sich die Zigarre so?

Die wahrgenommene Stärke einer Zigarre hängt unter anderem von der aufgenommenen Nikotinmenge, dem individuellen Rauchverhalten und der Rauchdauer ab. Auch die physiologische Reaktion des Rauchers spielt eine Rolle. Stärke und geschmackliche Intensität sind deshalb nicht dasselbe.

Hinter den Kulissen dieses Reviews: Die Aufnahmen entstehen mit einer zweiten Zigarre nach der Verkostung. Beobachten, fotografieren – und der Zigarre dabei genügend Zeit lassen.

Hinter den Kulissen dieses Reviews: Die Aufnahmen entstehen mit einer dritten Zigarre nach der Verkostung von zwei Zigarren. Beobachten, fotografieren – und der Zigarre dabei genügend Zeit lassen.

Konstruktion und Abbrand – Wie sauber arbeitet die Zigarre?

Die Konstruktion zeigt eine sehr regelmässige Rollung; der Blend wirkt hervorragend komponiert. Der Abbrand verläuft äusserst gleichmässig und wird von einer stabilen Asche begleitet. Beachtenswert ist die Nachglimmzeit: Selbst nach einem Stehlassen von vollen 7 Minuten glimmt die Glut noch nach, bevor sie schließlich erlischt. Der ideale Zugrhythmus lag bei 2 Zügen alle 1,5 bis 2 Minuten. Wegen des schlanken Formats von 44 Ringmass gilt hier die Empfehlung: langsam ziehen!

Warum verhält sich die Zigarre so?

Wie stabil eine Zigarre glimmt, kann von Rollung, Luftwegen, Tabakverteilung, Feuchtigkeit, Tabakdichte und Zugrhythmus beeinflusst werden.

Wirkung von Fermentation und Reife

Bei meinen Notizen steht an dieser Stelle nur ein kurzer Satz: exzellenter Tabak. Über die tatsächliche Reife dieses Exemplars weiss ich dagegen nichts. Ein Box Date ist nicht dokumentiert, ebenso wenig ein Rolljahr oder die Lagerbedingungen.

Warum verhält sich die Zigarre so?

Fermentation und Reife sind zwei unterschiedliche Vorgänge. Die Fermentation des Tabaks findet vor dem Rollen statt. Dabei verändern kontrollierte biologische und chemische Prozesse den Rohtabak. Nach dem Rollen können wesentlich langsamere Reifeprozesse innerhalb der fertigen Zigarre weiterlaufen. Wie sich diese Prozesse konkret auf eine einzelne Zigarre ausgewirkt haben, lässt sich jedoch nicht allein daraus ablesen, wie sie sich beim Rauchen verhält.

Im letzten Drittel ist von der anfänglichen Zurückhaltung wenig geblieben. Die Balance wirkt dichter, der Abgang länger – und trotzdem vollzieht sich die Entwicklung ohne plötzlichen Bruch.

Im letzten Drittel ist von der anfänglichen Zurückhaltung wenig geblieben. Die Balance wirkt dichter, der Abgang länger – und trotzdem vollzieht sich die Entwicklung ohne plötzlichen Bruch.

Fazit

Die Joya de Nicaragua Número Uno L’Ambassadeur hat mich bei der Verkostung durch ihre sanfte, hochgradig ausbalancierte Art überzeugt. Was mit luftigem Rauch und feinen Nuancen von Säure und Salzigkeit beginnt, entwickelt ab der zweiten Hälfte eine beeindruckende Tiefe, bei der Umami eine zentrale Rolle einnimmt. Mit einer Stärkeentwicklung von 1/5 bis maximal 3/5, einer hervorragenden Konstruktion und einer erstaunlich stabilen Glut bietet sie ein langes, dichtes Lese- und Raucherlebnis. Ein wirklich meisterhaft komponierter Blend.

Häufige Fragen

Wie stark ist die Joya de Nicaragua Número Uno L’Ambassadeur während dieser Verkostung?

Die Stärke beginnt in der ersten Hälfte sehr mild bei 1/5, steigt in der zweiten Hälfte auf 2/5 an und erreicht im letzten Drittel ihr Maximum bei moderaten 3/5.

Wie verhält sich die Rauchstruktur der Zigarre?

Anfangs ist der Rauch nicht sehr dicht und löst sich schnell auf. Im Laufe der Verkostung wird die Rauchstruktur jedoch zunehmend dichter und verweilt länger.

Ist das Box Date oder das genaue Alter der verkosteten Zigarre bekannt?

Das ist nicht dokumentiert und die genaue Reifezeit des Tabaks bleibt unbekannt.

Weiterführender Artikel

Quellen und Grundlagen

Dieser Artikel basiert auf der Verkostung der beschriebenen Zigarre aufgrund von eigener Erfahrung als Zigarren Geniesser seit 1996, sowie auf Fachliteratur zu Tabak, Fermentation, Reifung und den physikalischen Vorgängen während des Rauchens. Ergänzend wurden aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Tabakfermentation und zum Wärme- und Stofftransport in Tabak berücksichtigt.

Fotos

  • Vasilij Ratej

Hinweis zu den Fotos: Sämtliche Fotos wurden von mir aufgenommen und in Affinity Photo bearbeitet. Für den abschliessenden Filmlook erfolgte zusätzlich ein digitales Color Grading mit Unterstützung von KI. Motiv, Komposition und Bildinhalt blieben unverändert.

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