LEMENA VI Gordo Connecticut: Konstanz bis zum letzten Zug
LEMENA VI Gordo Connecticut / Als ich diese Zigarre im Gordo-Format zur Verkostung vor mir habe, fällt mir eine Besonderheit auf: Das Kürzel „VI“ in der Anilla (Zigarrenring). Das ist keine römische Sechs, sondern steht für Viktor, den jüngsten Sohn von Mauro Benaglio. Der Markenname LEMENA setzt sich wiederum aus den Vornamen der Kinder von Diego und Mauro Benaglio zusammen. Bemerkenswert ist die Zigarre für mich durch ihre Konstanz. Der Blend hält seine Linie bis zum Schluss – und verändert innerhalb dieser Linie langsam seine Gewichtung. Das ist eine grosse Leistung des Blenders und eine anspruchsvolle Tabak-Mischung.

LEMENA VI Gordo Connecticut vor der Verkostung: Das grossformatige Ringmass 58 verleiht der Zigarre eine markante optische Präsenz. Besonders beeindruckt mich der äusserst hochwertig gefertigte Zigarrenring (Anilla). Eine solche Detailfülle sehe ich selten. Gestaltung, Papier und Druckqualität zeigen, wie viel Aufwand in diesen Zigarrenring investiert wurde.
In diesem Review
Beobachtet bei der Verkostung
- Rauchstruktur: Normale Dichte, löst sich schnell auf, später zeigt sich mehr Rauch.
- Balance: Wenig Bitterkeit, wenig Säure, Umami leicht präsenter und leicht würzig; etwa zur zweiten Hälfte wird Umami leicht würzig.
- Entwicklung: Bemerkenswerte Konstanz bis zum Schluss; Zunahme von Umami und Bitternote, ohne unangenehm zu werden; Speichelfluss wird angeregt; retronasal entsteht zusätzliche Tiefe.
- Konstruktion: Grossflächig abgeschnitten zur Kontrolle der Luftkanäle; optimaler Zug, exzellent gerollt.
- Abbrand: Gerade, selten leicht wellig; Asche normal kompakt; glimmt lange bei einem Zugrhythmus von 2–3 langsamen Zügen alle 3,5 bis 4 Minuten(!) – exzellenter Blend und sehr guter Tabak.

Der Blick auf das ungerauchte Exemplar: Bei der Verkostung interessiert mich nicht nur die Optik und der Blend, sondern ebenso, wie sauber Konstruktion und Luftwege arbeiten.
Auf einen Blick
- Marke: LEMENA VI
- Vitola (Format): Gordo
- Grösse: 58×6 = 2,3 cm Durchmesser / 15,2 cm Länge
- Herkunft: Dominikanische Republik
- Box Date: unbekannt
- Verkostung: 26.08.26 + 27.08.26 am Morgen früh und am nächsten Tag am Vormittag.
- Geschätztes Alter: unbekannt
- Stärke: 1/5 zu Beginn, im Verlauf ansteigend auf 2/5
- Preis: CHF 16,50 (10er Kiste)
Rauchstruktur – Wie verhält sich der Rauch?
Bei den ersten Zügen zeigt sich der Rauch in einer normalen Dichte. Er bleibt nach dem Ausströmen nicht lange im Raum stehen, sondern löst sich rasch wieder auf. Im weiteren Verlauf der Verkostung beobachte ich jedoch eine leichte Veränderung: Das Rauchvolumen und die Dichte nehmen etwas zu, der Rauch wirkt im späteren Verlauf ein wenig fülliger als zu Beginn.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Wie dicht Rauch erscheint und wie schnell er sich im Raum auflöst, kann von Faktoren wie der Feuchtigkeit des Tabaks, der Packungsdichte, der Luftfeuchtigkeit der Umgebung beeinflusst werden. Auch die Dauer und Intensität eines Zuges spielen eine Rolle. Bei dieser Verkostung habe ich bewusst langsam geraucht und jeweils nach ungefähr 3,5 bis 4 Minuten zwei- bis dreimal gezogen.

Zu Beginn der Verkostung: Der Rauch besitzt zunächst eine normale Dichte und löst sich relativ schnell wieder auf. Das ist natürlich kein Fehler der Zigarre.
Balance – Wie harmonisch arbeitet der Blend?
Vom ersten Drittel an nehme ich eine sehr ausgewogene Balance wahr. Die Bitterkeit hält sich spürbar im Hintergrund, und auch Säure ist nur in sehr geringem Masse vorhanden. Stattdessen zeigt sich die Geschmacksnote Umami leicht präsenter im Mundraum. Am ersten Tag meiner Verkostung war eine angenehme Schärfe erst etwa ab der zweiten Hälfte präsent (ich habe sie früh am Morgen, gegen 7 Uhr schon verkostet); am zweiten Tag spürte ich das bereits von Anfang an – ich verkostete sie um 10 Uhr. Solche Eindrücke faszinieren mich jedes Mal bei einer Zigarre: Sie schmeckt nie exakt gleich.
Wenn ich den Rauch retronasal durch die Nase führe, gewinnt die ohnehin schon sehr gut ausgewogene Balance für mich spürbar an zusätzlicher Tiefe.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Die geschmackliche Balance zwischen Bitterkeit, Säure, Süsse und Umami wird durch die Auswahl der verwendeten Tabaksorten, deren Erntepositionen an der Tabakpflanze, den Fermentationsgrad sowie die Mischung der Einlagetabake geprägt.
Was ist Umami?
In Tasting Notes wird der Begriff Umami verwendet, um eine feine, herzhafte und mundwässernde Tiefe im Rauch zu beschreiben. Anders als prägnante Noten wie Schärfe oder Süße sorgt Umami auf der Zunge und im Abgang für ein ausbalanciertes, dichtes und langanhaltendes Geschmacksgefühl.

Der grossflächige Anschnitt legt den Tabakquerschnitt frei: So kann ich beobachten, wie die Luftwege im Inneren der Zigarre verarbeitet sind.
Einladung von Zigarren.Zone
Entwicklung – Verändert sich die Zigarre?
Über die gesamte Rauchdauer hinweg zeigt dieser Blend eine bemerkenswerte Konstanz bis ganz zum Schluss. Die Zigarre bleibt ihrer Grundstruktur treu. Trotzdem steht sie nicht still. Umami und Bitterkeit gewinnen langsam an Gewicht. Der Speichelfluss nimmt zu, retronasal bekommt die Balance zusätzliche Tiefe. Diese gleichmässige Linie über den gesamten Rauchverlauf hinweg empfinde ich als eine grosse handwerkliche Leistung.
Weiterführender Artikel: Warum Konstanz bei Zigarren eine grössere Leistung ist als ständiger Wandel
Gerade darin liegt für mich der interessante Teil der Entwicklung: Es braucht keinen vollständigen Wechsel des Charakters. Hier verändern sich vielmehr die Gewichte innerhalb einer stabilen Grundstruktur. Sowohl die Umami- als auch die Bitternote nehmen im Verlauf langsam zu. Das geschieht jedoch in einem Rahmen, der zu keinem Zeitpunkt unangenehm wirkt. Zudem beobachte ich, dass während des Rauchens mein Speichelfluss spürbar angeregt wird.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Eine geschmackliche Entwicklung oder das Anregen des Speichelflusses kann allgemein durch das kontinuierliche Erwärmen des Zigarrenkörpers, die Ansammlung von Kondensat im verbleibenden Tabak sowie das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe ausgelöst werden.

Langsames Rauchen als Teil der Beobachtung: Zwischen den Zugfolgen lasse ich die Zigarre jeweils rund 3,5 bis 4 Minuten ruhen.
Stärke – Wie entwickelt sich die Kraft?
Ich habe die Zigarre zu Beginn der Verkostung bei einer milden Stärke von 1/5 eingeordnet. Im weiteren Verlauf legt die Kraft ganz allmählich zu und erreicht gegen Ende einen Wert von 2/5 auf der fünfstufigen Skala.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Die wahrgenommene Stärke einer Zigarre wird durch den Nikotingehalt der verwendeten Tabakblätter bestimmt, wobei stärkere Blätter häufig aus den oberen Bereichen der Tabakpflanze stammen. Jeder Mensch empfindet das Nikotin unterschiedlich.
Konstruktion und Abbrand – Wie sauber arbeitet die Zigarre?
Bei der Konstruktion schaue ich während dieser Verkostung besonders genau hin. Ich habe die Zigarre grossflächig angeschnitten, um zu sehen, wie sauber die Luftkanäle verarbeitet sind. Mein Eindruck ist eindeutig: optimaler Zug und exzellente Rollung. Auch beim Abbrand muss ich kaum eingreifen. Die Linie verläuft gerade und wird nur selten leicht wellig. Die Asche bleibt normal kompakt. Besonders interessant ist für mich die Glutstabilität. Ich rauche bewusst langsam. Ungefähr alle 3,5 bis 4 Minuten nehme ich zwei bis drei Züge. Die Zigarre glimmt entsprechend lange weiter.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Das Abbrandverhalten und die Stabilität der Asche hängen von der handwerklichen Präzision beim Rollen, dem Aufbau der Einlage, dem Feuchtigkeitsgehalt sowie dem gewählten Zugintervall ab. Ein guter Zug oder stabiler Abbrand erlaubt für sich allein jedoch keine sichere Aussage darüber, welcher dieser Faktoren bei einer konkreten Zigarre entscheidend ist.

Die Glut hält diese langen Pausen problemlos aus: Der Abbrand bleibt dabei gerade und wird nur selten leicht wellig.
Wirkung von Fermentation und Reife
Das genaue Herstellungsjahr, ein Box Date oder konkrete Angaben zu den Lagerbedingungen und zur bisherigen Reifedauer sind in meinen Unterlagen nicht vorhanden.
Warum verhält sich die Zigarre so?
Während der Fermentation werden organische Verbindungen im Tabakblatt abgebaut, während die anschliessende Lagerung und Reifung den Gesamteindruck weiter abrunden kann. Welche Veränderungen die bisherige Reife bei diesem Exemplar konkret bewirkt hat, lässt sich aus der Verkostung allein nicht bestimmen.
Fazit
Das LEMENA VI Gordo Review zeigt eine Zigarre, deren Blend durch eine bemerkenswerte Konstanz bis zum Schluss überzeugt. Ich habe das Exemplar mit einem Stärkeverlauf von 1/5 auf 2/5 verkostet. Nach einem grossflächigen Anschnitt offenbarte sich eine exzellent gerollte Konstruktion mit optimalem Zug. Der Abbrand verlief überwiegend gerade und die Asche zeigte sich normal kompakt. Geschmacklich blieb der Rauch bei geringer Bitterkeit und Säure sehr ausgewogen, wobei Umami leicht präsent war, sich in der zweiten Hälfte leicht würzig zeigte und mein Speichelfluss angeregt wurde. Retronasal gewann die Balance spürbar an Tiefe.

Am Ende bleibt der Zigarrenring zurück: Für mich liegt die eigentliche Stärke dieser Verkostung weniger in grossen Veränderungen als in der bemerkenswerten Konstanz bis zum Schluss. Eine grosse handwerkliche Leistung – beim Auswahl des Tabaks, über den Blend bis hin zur Rollung.
Wer steckt hinter LEMENA by BMD?
LEMENA ist ein Schweizer Familienprojekt der Benaglios. Hinter der Abkürzung BMD stehen Bruno, Mauro und Diego Benaglio. Die gemeinsame Verbindung zur Zigarre beginnt bei Vater Bruno, dessen Leidenschaft auch seine beiden Söhne prägte. Mauro entwickelte daraus die Idee einer eigenen Zigarre und treibt das Projekt massgeblich voran. Sein Bruder Diego, bekannt als ehemaliger Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft und aus der Deutschen Bundesliga, ist ebenfalls Teil von BMD und repräsentiert LEMENA unter anderem bei Veranstaltungen.
Auch der Markenname führt zurück zur Familie: LEMENA wurde aus den Namen der Kinder von Mauro und Diego Benaglio gebildet. Damit steckt bereits im Namen das, was die Marke bis heute prägt – ein Projekt, das innerhalb der Familie entstanden ist.
Häufige Fragen
Wie stark ist die Zigarre während dieser Verkostung?
Ich habe die Stärke zu Beginn bei 1/5 eingestuft. Im weiteren Verlauf der Verkostung nimmt die Kraft leicht zu und erreicht schliesslich einen Wert von 2/5.
Wie entwickelt sich das LEMENA VI Gordo Review geschmacklich?
Der Blend zeichnet sich durch eine sehr hohe Konstanz bis zum Schluss aus. Im Verlauf nehmen Umami und Bitternoten zu, ohne unangenehm zu werden. Zudem wird der Speichelfluss angeregt, und retronasal entsteht eine zusätzliche Tiefe.
Wie verhält sich der Abbrand der Zigarre?
Der Abbrand verlief während meiner Verkostung weitgehend gerade und nur selten leicht wellig. Die Zigarre glimmt lange und die Asche erweist sich als normal kompakt.
Weiterführender Artikel
Quellen und Grundlagen
Dieser Artikel basiert auf der Verkostung der beschriebenen Zigarre aufgrund von eigener Erfahrung als Zigarren Geniesser seit 1996, sowie auf Fachliteratur zu Tabak, Fermentation, Reifung und den physikalischen Vorgängen während des Rauchens. Ergänzend wurden aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Tabakfermentation und zum Wärme- und Stofftransport in Tabak berücksichtigt.
- Hu, W. et al. (2022): Study on the chemical compositions and microbial communities of cigar tobacco leaves fermented with exogenous additive. Scientific Reports. → Fermentation, chemische Veränderungen und mikrobielle Prozesse bei Zigarrentabak.
- (2023) Study on the correlation between the dominant microflora and the main flavor substances in the fermentation process of cigar tobacco leaves → Untersucht Zusammenhänge zwischen dominanten Mikroorganismen und chemischen Leitsubstanzen.
Fotos
- Vasilij Ratej
Hinweis zu den Fotos: Sämtliche Fotos wurden von mir aufgenommen und in Affinity Photo bearbeitet. Für den abschliessenden Filmlook erfolgte zusätzlich ein digitales Color Grading mit Unterstützung von KI. Motiv, Komposition und Bildinhalt blieben unverändert.

