Montecristo Herederos: Ein Nachmittag zwischen Geschichte, Tabak und einer ziemlich selbstbewussten Schlussrede

Kreuzlingen, 12. September 2026 – Was für ein Auftakt, was für eine Stimmung! 16 leidenschaftliche Aficionadas und Aficionados kamen in der Portmann Lounge zusammen, um eine aussergewöhnliche kubanische Zigarre gemeinsam zu verkosten: die Montecristo Herederos mit Boxdate MAR 26. Doch schnell zeigte sich, dass dieser Nachmittag weit mehr werden sollte als eine Verkostung. Es ging um Montecristo, kubanische Zigarrengeschichte, überraschende Erkenntnisse zum möglichen Alter der Herederos – und um die Frage, was eine Zigarre selbst über ihre Reife verraten kann.

Ein Nachmittag, an dem die Zigarre im Mittelpunkt stand – und die Menschen den Unterschied machten.

Ein Nachmittag, an dem die Zigarre im Mittelpunkt stand – und die Menschen den Unterschied machten.

Der Event verband die beiden Onlinemagazine Zigarren.Zone, herausgegeben von Vasilij Ratej, und Origin Of Cigar – History kubanischer Zigarrenmarken, das gemeinsame Projekt von Claudia Puszkar und Vasilij Ratej. Die Habanos-Historikerin und Autorin Claudia Puszkar und Vasilij Ratej führten gemeinsam durch einen Nachmittag voller Zigarrenkultur, fesselnder Geschichten, fachlicher Entdeckungen, angeregter Diskussionen – und einer guten Portion sanften Humors.

Die Familie Portmann hatte die Lounge perfekt vorbereitet. Mineralwasser, Süssgetränke und Portmann-Kaffee waren ebenso im Ticketpreis enthalten wie selbstverständlich die Hauptdarstellerin des Nachmittags: eine Montecristo Herederos mit Boxdate MAR 26, also März 2026.

Die Portmann Lounge in Kreuzlingen: drei Stunden Zeit für Montecristo, Gespräche und gemeinsames Entdecken.

Die Portmann Lounge in Kreuzlingen: drei Stunden Zeit für Montecristo, Gespräche und gemeinsames Entdecken.

Und dann waren da noch die Häppchen.
Viele Häppchen.
Sehr viele Häppchen.
Ich habe es mit der Verpflegung offenbar etwas zu gut gemeint.

Die wichtigste Vorbereitung auf eine vierstündige Zigarrenanalyse? Eine solide Grundlage. Daran sollte es definitiv nicht scheitern.

Die wichtigste Vorbereitung auf eine vierstündige Zigarrenanalyse? Eine solide Grundlage. Daran sollte es definitiv nicht scheitern.

Heute suchen wir nicht nach Leder, Holz und Erde

Bevor die Montecristo Herederos angezündet wurde, schlug Vasilij den Teilnehmern einen etwas anderen Weg der Verkostung vor. An diesem Nachmittag sollte es bewusst nicht um die üblichen Aromabeschreibungen gehen. Niemand musste nach Holz, Leder, Erde, Kaffee oder anderen vermeintlich klar benennbaren Aromen suchen.

Bevor die erste Zigarre angezündet wird, beginnt die Beobachtung. Rauchstruktur, Balance, Entwicklung, Konstruktion und Abbrand stehen im Fokus.

Bevor die erste Zigarre angezündet wird, beginnt die Beobachtung. Rauchstruktur, Balance, Entwicklung, Konstruktion und Abbrand stehen im Fokus.

Die Aufgabe war eine andere: Lasst uns einfach beobachten, was die Zigarre macht. Wie ist ihre Rauchstruktur? Wie ausgewogen ist die Balance? Wie entwickelt sie sich während des Rauchverlaufs? Wie verändert sich die Nikotinstärke? Wie gut ist die Zigarre konstruiert? Wie verhält sich der Abbrand?

Dafür erhielten die Teilnehmer ein eigens vorbereitetes Verkostungsblatt. Und das wurde rege genutzt: Während des Rauchens wurden Beobachtungen notiert, Entwicklungen festgehalten und später miteinander verglichen und diskutiert. Damit rückte nicht die Frage «Wonach schmeckt die Zigarre?» ins Zentrum, sondern eine für diesen Nachmittag viel spannendere:

«Warum verhält sich diese Zigarre so, wie sie sich verhält?»

Was während des Rauchens auffällt, wird festgehalten. Nicht in Punkten, sondern in konkreten Beobachtungen.

Was während des Rauchens auffällt, wird festgehalten. Nicht in Punkten, sondern in konkreten Beobachtungen.

Das Aushängeschild des Tages: Die Montecristo Herederos

Dann ist sie da: die Montecristo Herederos. Eine Zigarre, über die sich nicht nur reden lässt – man muss sie erleben.

Dann ist sie da: die Montecristo Herederos. Eine Zigarre, über die sich nicht nur reden lässt – man muss sie erleben.

Im Zentrum des Nachmittags stand natürlich die Montecristo Herederos. Bei den Teilnehmern kam die Zigarre durchs Band hervorragend an. Und wie es bei naturbelassenen Kunstwerken aus Tabak so ist, schrieb die Mechanik des Abbrands ihre eigenen, faszinierenden Geschichten.

Zwei Montecristo Herederos, zwei Zigarren aus derselben Kiste – und trotzdem lohnt sich der genaue Blick auf jede einzelne.

Zwei Montecristo Herederos, zwei Zigarren aus derselben Kiste – und trotzdem lohnt sich der genaue Blick auf jede einzelne.

Während ein Exemplar mit Schiefbrand zu kämpfen hatte, lieferte ein anderes Exemplar ein schier magisches Spektakel: Der Geniesser dieses Meisterstücks entschied sich für ein Experiment der besonderen Art. Er feuerte nicht nach, griff nicht korrigierend ein, sondern liess seiner Zigarre einfach freien Lauf, um zu beobachten, wie sie sich von selbst reguliert. Das Resultat war ein unfassbarer Abbrand – ein Phänomen, das selbst erfahrene Aficionados so noch nie gesehen hatten!

Wenn die Zigarre ungewöhnlich abbrennt, wird es interessant: Was ist passiert – und warum? Das hier war ein Einzelfall und ich habe so etwas noch nie gesehen.

Wenn die Zigarre ungewöhnlich abbrennt, wird es interessant: Was ist passiert – und warum? Das hier war ein Einzelfall und ich habe so etwas noch nie gesehen.

Gerade solche Momente sind wertvoller als jede theoretische Erklärung. Denn plötzlich kann man unmittelbar beobachten, was Konstruktion, Glut, Zug und Tabak miteinander machen – wenn der Raucher nicht sofort eingreift. Super spannend!

Zwei Gastgeber, zwei Rollen

Durch den Nachmittag führten Habanos-Historikerin und Autorin Claudia Puszkar sowie Vasilij Ratej, Herausgeber von Zigarren.Zone. Claudia übernahm den historischen Teil – und der ging weit über ein paar bekannte Jahreszahlen hinaus. Wie entstand Montecristo? Was ist historisch tatsächlich belegt? Welche Geschichten wurden über Jahrzehnte weitererzählt, obwohl sie einer genaueren Überprüfung nicht standhalten? Und wie hatte das mit den Zigarren auf Kuba eigentlich angefangen?

Claudia Puszkar und Vasilij Ratej begleiteten den Nachmittag gemeinsam – mit Wissen, Erfahrung und viel Raum für Austausch.

Claudia Puszkar und Vasilij Ratej begleiteten den Nachmittag gemeinsam – mit Wissen, Erfahrung und viel Raum für Austausch.

Claudia fesselte das Publikum mit tiefgründigem Fachwissen, räumte fundiert mit hartnäckigen Mythen auf und nahm die Gäste mit auf eine faszinierende Zeitreise zu den Anfängen der Zigarrenkultur auf Kuba. Ihre hochinteressanten Ausführungen wurden vom Publikum regelrecht aufgesaugt. 

Vasilij hatte währenddessen eine andere Aufgabe. Für die gelegentliche Störung der historischen Ernsthaftigkeit zu sorgen. Mit einigen seiner typisch sanften Humoreinlagen gelang ihm das zuverlässig.

Zigarrenkultur darf auch Spass machen. Vielleicht muss sie das sogar. Hier wird allerdings genau hingeschaut: Die Rauchstruktur wird beobachtet.

Zigarrenkultur darf auch Spass machen. Vielleicht muss sie das sogar. Hier wird allerdings genau hingeschaut: Die Rauchstruktur wird beobachtet.

Und wie alt ist diese Zigarre nun wirklich?

Spannend wurde es bei der sensorischen Einschätzung des Alters: Die meisten Teilnehmer schätzten die Zigarre geschmacklich deutlich älter ein als das aufgedruckte Boxdate März 2026. Das leuchtet ein, denn gerollt wurde sie naturgemäss früher. Ursprünglich hätte die Herederos bereits 2020 erscheinen sollen, was sich jedoch durch die globale Pandemie verzögerte. Das exakte Rolldatum bleibt zwar ein gehütetes Geheimnis, doch aufgrund des reifen Blends schätzten die Kenner das tatsächliche Alter auf etwa zwei Jahre oder älter. Das einstimmige Fazit der Runde: Diese Zigarre hat ein phänomenales Reifepotenzial für weitere zwei Jahre Lagerung!

Das ist natürlich keine mathematische Formel. Aber genau darin liegt der Reiz einer solchen gemeinsamen Verkostung: Nicht Punkte zu verteilen, sondern zu beobachten, zu vergleichen und darüber zu diskutieren, warum sich eine Zigarre so verhält, wie sie sich verhält.

Ein Herzensprojekt: „Origin Of Cigar“

Ein weiterer Teil des Nachmittags gehörte Origin Of Cigar, der gemeinsam von Claudia Puszkar und Vasilij Ratej aufgebauten historischen Sammlung über kubanische Zigarrenmarken. Dabei erhielten die Teilnehmer zwei sogenannte «Archiv Fragment»-Karten. Auf jeder Karte befindet sich eine kurze Information zu einer kubanischen Zigarrenmarke. Über einen QR-Code gelangt man direkt zur ausführlichen Markengeschichte auf Origin Of Cigar.

Geschichte zum Anfassen: Die Archiv-Fragmente von Origin of Cigar ergänzten den Nachmittag um Geschichten hinter den grossen Namen Kubas.

Geschichte zum Anfassen: Die Archiv-Fragmente von Origin of Cigar ergänzten den Nachmittag um Geschichten hinter den grossen Namen Kubas.

Hinter dem Projekt steckt vor allem Claudias Wunsch, historisches Wissen über kubanische Zigarrenkultur an einem Ort zusammenzuführen. Denn Wissen gibt es reichlich. Es verteilt sich jedoch über unzählige Bücher, Dokumente, Archive und Quellen. Und Geschichte hat eine unangenehme Eigenschaft: Manchmal stellt sich heraus, dass sie anders war, als jahrzehntelang angenommen.

Genau hier besitzt eine digitale Sammlung einen entscheidenden Vorteil gegenüber einem gedruckten Buch. Ein Buch ist irgendwann gedruckt. Eine Website kann ergänzt, korrigiert und aufgrund neuer Quellen neu bewertet werden.

Wie wichtig das sein kann, zeigt beispielsweise die Geschichte von H. Upmann. Neue historische Erkenntnisse zeichnen ein anderes Bild als jenes, das in der Zigarrenliteratur über viele Jahre weitergegeben wurde. Origin Of Cigar soll deshalb kein Denkmal für bereits bekanntes Wissen sein, sondern ein lebendiges Archiv.

Und ein Herzensprojekt von Claudia.

Eine gute Zigarre verlangt keine komplizierten Worte. Sie verlangt Aufmerksamkeit, Zeit – und manchmal einfach einen Moment der Ruhe.

Eine gute Zigarre verlangt keine komplizierten Worte. Sie verlangt Aufmerksamkeit, Zeit – und manchmal einfach einen Moment der Ruhe.

«Wir waren einfach grandios, oder?»

Irgendwann neigte sich auch dieser Nachmittag seinem Ende entgegen. Claudia und Vasilij standen noch einmal gemeinsam vor den Gästen. Eigentlich wäre jetzt jener Moment gekommen, in dem sich Gastgeber artig bei ihren Teilnehmern bedanken und hoffen, dass alles gefallen hat.

Eigentlich.
Vasilij entschied sich für ein etwas anderes Verfahren.

«Claudia, normalerweise geben die Teilnehmer den Moderatoren ein Urteil darüber ab, wie gut sie den Event und die Moderation fanden. Heute machen wir es etwas anders und drehen den Spiess um.»

Kurze Pause.
«Wir waren einfach grandios, oder?»

Herzliches Gelächter im Raum.

Claudia wirkte für einen Augenblick durchaus überrascht über diese bemerkenswert selbstbewusste Form der Qualitätssicherung.

Dann lachte sie – und stimmte zu. Damit war das offizielle Urteil gefällt.

Und dann kam noch Urs Portmann

Gegen Ende des Nachmittags gesellte sich auch Urs Portmann zu den Gästen, der legendäre Gründer der Urs Portmann Tabakwaren AG. Heute führen seine Söhne Marc und Thomas das Unternehmen gemeinsam weiter. Wenn man so will, steht zwischen dem Stammgeschäft und der Portmann Lounge inzwischen auch ein sichtbares Abschlusswerk von Urs Portmanns jahrzehntelangem Wirken: die neue La Casa del Habano Kreuzlingen.

Von links: Marc Portmann, Urs Portmann und Thomas Portmann stossen anlässlich der Eröffnung der neuen Casa del Habano Kreuzlingen gemeinsam auf diesen besonderen Meilenstein an. Zwei Generationen Leidenschaft, Fachkompetenz und Familiengeschichte vereint in einem Bild.

Von links: Marc Portmann, Urs Portmann und Thomas Portmann stossen anlässlich der Eröffnung der neuen Casa del Habano Kreuzlingen am 29.06.2026 gemeinsam auf diesen besonderen Meilenstein an. Zwei Generationen Leidenschaft, Fachkompetenz und Familiengeschichte vereint in einem Bild.

Ein passender Ort also für einen Nachmittag, an dem Vergangenheit und Gegenwart der kubanischen Zigarre ständig ineinandergriffen. Draussen Sonne. Drinnen Zigarrenrauch, Gespräche, Geschichte, Gelächter – und 16 Gäste, die eine Montecristo Herederos nicht einfach nur geraucht, sondern gemeinsam beobachtet und diskutiert hatten.

Ein überaus gelungener Nachmittag mit tollen Gästen in einer wunderbaren Location.

Danke an die Familie Portmann für die perfekte Organisation. Danke an Claudia für ihr enormes historisches Wissen. Und natürlich danke an alle Teilnehmer, die diesen Nachmittag mit ihren Beobachtungen, Fragen und Diskussionen erst zu dem gemacht haben, was er war.

Bis zum nächsten Mal.

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Origin Of Cigar

Fotos

  • Vasilij Ratej
  • Benno Baumgartner

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