Retronasal Zigarren geniessen und die ZiZo-Vakuum-Technik

Wie man retronasal Zigarren geniesst? Die meisten Zigarrengeniesser kennen es nicht oder können es nicht. Was ist retronasal Zigarre rauchen? Retronasal oder retrohale steigert den Genuss einer Zigarre. Markant. Es will geübt sein und man braucht davor keine Angst zu haben. Es kommt vor, dass ich belächelt werde, wenn ich erkläre, dass retronasales Rauchen enorm dem Genuss beisteuert – und man mir das als Ammenmärchen abkauft. Wer es nicht versucht, dem entgeht viel Genuss. Weiter unten beschreibe ich 4 verschiedene Retronasal-Typen. Die Nummer 4 ist eine grosse Überraschung!

Diesen Artikel habe ich für zigarren.ch geschrieben.

Was deine Zunge schmeckt

Deine Zunge liefert dir den Geschmack Süss, Sauer, Bitter, Salzig. Und „umami“. Das bedeutet „wohlschmeckend“ oder „würzig“.

Die 4 Fakten zum retronasalen rauchen

In der Nase ganz oben sitzen links und rechts die Riechkolben. Die Riechkolben sind ausgestattet mit Reichnerven. Diese Riechnerven sind es, die uns Zigarren Geniessern den Genuss erheblich steigern – wüssten wir denn wie wir diese Riechnerven zu stimulieren haben.

Fakt #1: Der Geruchssinn ist für alle übrigen Geschmackseindrücke verantwortlich. Wenn du schwer erkältet bist und eine verstopfte Nase hast, kannst du kaum Geschmack wahrnehmen. Das Essen wirkt fade und geschmacklos. Das kennst du bestimmt, richtig?

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Fakt #2: Wenn du etwas isst, zerkaust du die Nahrung. Das Zerkauen setzt flüchtige Aromastoffe frei, die durch den Rachen in die Nase und zu den Riechnerven am Riechkolben gelangen. Also schmeckst du dein Essen nicht bloss, sondern gleichzeitig riechst du es auch. Diese beiden Faktoren beeinflussen deinen Sinneseindruck vom Essen. Also, warum lassen dann so viele Zigarren Geniesser ihren Rauch zum grössten Teil in der Mundhöhle, anstatt eine gute Portion davon auch durch die Nase zirkulieren zu lassen?

Fakt #3: Noch einen Beweis gefällig? Hast du schon mal richtig schönen, scharfen Whisky verkostet? Was ist dann passiert? Die Nase hat gekitzelt hast du und Tränchen in den Augen gehabt?

Fakt #4: Noch einen Beweis gefällig? Magst du Sushi? Da gibt’s doch dieses Wasabi. Wenn du zu viel mit der Sojasosse vermengst, oder es zu viel auf dem Reis gibt, was passiert dann? In deiner Nase brennt es mächtig und deine Augen tränen. Das ist ein weiterer Beweis: Die flüchtigen Aromastoffe gelangen über den Rachen in deine Nase und das bringt deine Riechnerven so richtig in Stimmung.

Wie man retronasal Zigarren geniesst

Wie man retronasal Zigarren geniesst
Wie man retronasal Zigarren geniesst

Die Skizze verdeutlicht es: Du stösst den Rauch im Mundraum durch die Nase aus. Im Innern oberhalb der Nase sitzen also die Riechkolben mit seinen Riechnerven. Wenn der Rauch dort entlang „streichelt“ nimmst du viel mehr Geschmack wahr, als bloss mit der Zunge. Eigentlich dürfte ich gar nicht von Geschmack sprechen, sondern richtigerweise vom Geruch. Die Riechnerven werden durch den Rauch stimuliert und senden Signale ins Gehirn. Das Gehirn interpretiert den Geruch. Je nach dem, was bei dir abgespeichert ist, erinnert dich der Rauch zum Beispiel an: Röstaromen nach Holz / Kaffeebohnen / Stroh / Blumen / Süsses Ammoniak / Erde / Leder / Stall / Gras / und so weiter.

Der Trick dabei ist, dass du den Rauch im Mund zunächst etwas abkühlen lässt und ihn danach langsam durch die Nase bläst. Der kühlere und langsame Rauch stimuliert die Riechnerven am Riechkolben optimal.

4 Retronasal-Typen. Welcher bist du?

Retronasal-Typ 1: Er bläst den kompletten Rauch sofort mit grosser Wucht durch die Nase. Nachteil: Der Rauch ist noch ziemlich warm und die Riechnerven am Riechkolben erkennen hauptsächlich eines: Hitze und Schärfe – die Augen fangen oft an zu tränen – das ist ein Schmerz Signal.

Retronasal-Typ 2: Er lässt den Rauch zunächst ein paar Sekunden in der Mundhöhle abkühlen, entlässt viel vom Rauch durch den Mund und bläst langsam den Rest durch die Nase. Bei dieser Methode werden die Riechnerven am Riechkolben angenehm stimuliert und du erlebst ein volleres Spektrum an Geschmack – respektive an Geruch.

Retronasal-Typ 3: Er bläst den Rauch gleichzeitig durch die Nase und durch den Mund, um das Genusserlebnis noch mehr zu steigern. Doch, das ist wirklich möglich – aber sehr schwer zu lernen. Folgende Menschen beherrschen diese Technik des Ausatmens: Didgeridoospieler. Ich habe es bisher nach etlichen Versuchen noch nie geschafft, gleichzeitig aus dem Mund und der Nase den Rauch abzulassen. Es gibt Zigarrengeniesser, die das können.

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Retronasal-Typ 4 (R+ ZiZo-Vakuum-Technik): Ich habe diese Technik nicht erfunden. Roli, ein Leser von ZigarrenZone, besucht seit Jahrzehnten mehrmals pro Jahr Cuba. Eines Tages sah er einen Tabakbauern wie er an seiner Zigarre „nuckelte“. Der Tabakbauer erklärte ihm die Technik.

Das ist der vollendete Genuss einer Zigarre. Schwer zu beschreiben. Ich versuche es. Hier ein Beispiel: Ein Baby nuckelt am Schnuller. Probiere diese Technik mit einer Zigarre aus. Es gelangt sehr wenig Rauch in den Mund. Aber dieser streicht über die Zunge und geht direkt durch die Nase durch. Ich habe es bei etwa 10 Zigarren probiert, bevor ich es beherrschte. Sei bitte sehr vorsichtig mit dieser Technik beim Üben: Mir ist der Rauch dabei mehrmals hinten an den Kehlkopf gelangt. Das war echt übel. Aber jetzt, da ich es kann, ist das eine vollendete Technik um eine Zigarre zu geniessen.

Probieren geht über Studieren: Wie man retronasal Zigarren geniesst

Probiere es aus. Deine Zigarre wird um einiges an Geschmack gewinnen.

Besuche mich mal am Late Hour Smoke.

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  1. „Durch die Technik der Zirkularatmung können die Klangelemente ohne Atempause nahtlos aneinandergefügt werden. Bei der Zirkularatmung wird die Luft aus dem Mundraum herausgedrückt, während durch die Nase eingeatmet wird.“ Ich als passionierter Didgeridoospieler frage mich wie mir die Zirkularatmung bei Typ 3 weiterhelfen soll? Da muss man doch durch die Nase EIN- und durch den Mund AUSatmen – und ja DAS ist wirklich schwer zu erlernen.