Warum kubanische Cigarren manchmal furchtbar oder kaum schmecken

Du freust dich, weil du dir gerade eine kubanische Zigarre gekauft hast. Du setzt dich gemütlich hin und zündest sie voller Vorfreude an. Und schon nach wenigen Zügen schmeckt sie dir gar nicht. Ja, sie schmeckt sogar ganz furchtbar. Oder sie hat kaum Geschmack. Wieso ist das so?

Der Grund: Deine Zigarre befindet sich gerade in der „Krankheitsphase“. Auf Englisch wird diese Phase „Sick Period“ genannt. Zum ersten Mal las ich darüber vom Autor Min Ron Nee in seinem Buch Eine illustrierte Enzyklopädie der postrevolutionären Havanna-Zigarren (der Link führt zu amazon. Falls du das Buch kaufst, bekommt Zigarren.Zone eine bescheidene Werbeprovision, danke) 🙂

Diese „Kranhkeitsphase“ lässt deine Zigarre nicht gut schmecken, weil sich noch zu viel Ammoniak im Tabak befindet. Ammoniak duftet und schmeckt unangenehm. Ebenso kann noch zu viel Tannin enthalten sein. Hierbei wird beim Verkosten dein Mund „trocken“, alles zieht sich zusammen, die Zigarre schmeckt „wie eine unreife Frucht“.

Was du tun kannst

Zigarren einzeln gekauft

Kaufst du deine kubanischen Zigarren offen, also als einzelne Exemplare, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie noch sehr frisch sind (zwischen ein paar Monaten und bis zu ca. 2 Jahren). Hierbei ist es durchaus möglich, dass sich dann deine Zigarre in der „Sick Period“ befinden kann. Eine Garantie dafür gibt es nicht, bloss die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Meine Empfehlung: Lege deine Zigarre ein paar Wochen in den Humidor, damit sich das Ammoniak so gut es geht verflüchtigt. Meine Erfahrung: Etwa bei der Hälfte von einzeln gekauften Zigarren schmeckten sie „bitter“, „kratzig“, „unangenehm“. Die anderen Exemplare waren sehr lecker.

Zigarren in ganzer Kiste gekauft

Schau dir die Rückseite an. Dort sind div. Stempel angebracht. Bei meinem Beispiel hier: MER OCT-13. Das heisst: Diese Zigarren wurden im Oktober 2013 in die Kiste gepackt. Dies wird „BD = Boxing Date“ genannt. Ab diesem Datum zählt man die Jahre der Reifung (obwohl die verwendeten Tabakblätter natürlich auch schon älter sind). Aber: Vor dem Rollen der Zigarre wird der Tabak befeuchtet und somit wird eine weitere Fermentation angeregt; Und dies widerum produziert Ammoniak. Solche Zigarren solltest du mehrere Monate oder mehrere Jahre in der Kiste (oder in der Cabinetkiste) lassen und sie komplett im Humidor lagern. Erst dann wirst du deine kubanischen Zigarren so richtig geniessen können.

Als Beispiel Partags Lusitanias: Das BD war SEP 12 (September 2012). Ich hatte sie etwa Mitte 2013 gekauft und bis etwa Mitte 2014 alle 10 schon verkostet. Sie haben ganz ausgezeichnet geschmeckt. Hier war von der „Sick Period“ nichts zu spüren. Einige Jahre zuvor habe ein Cabinet mit 25 Stück 50 Stk. gekauft (Anm. des  Autors: 25er Cabinet gab es nicht. Danke für den aufmerksamen Leser DonPaolo!).  🙂  Sie haben etwa drei Jahre ausgezeichnet geschmeckt. Dann waren sie einfach furchtbar. Ich liess sie etwa 9 Jahre liegen und danach schmeckten sie ….unglaublich genial!

Als Beispiel Trinidad Limited Edition 2007: BD OCT 07 (Oktober 2007). Gekauft habe ich sie etwa Anfang 2013. Gemäss dieser Theorie sollten die Zigarren also recht gut schmecken. Weit gefehlt! Sie rochen nach Ammoniak. Zunächst lagerte ich sie mit der Kiste im Humidor (etwa 4 Monate). Danach schmeckte ein weiteres Exemplar immer noch uncool. Also lagerte ich sie offen im Humidor rund 2 Monate (ohne Kiste). Das Ammoniak verflüchtigte sich und sie schmeckten danach ganz ausgezeichnet!

Hier mein Blogartikel „Reifelagerung von Zigarren“ / Und hier geht es zum Experiment Langzeitlagerung kubanischer Zigarren

 

Hoyo de Monterrey Le Hoyo Des Dieux

Le-Hoyo-Des-Dieux-07

Wie lange sollte man kubanische Zigarren lagern?

Min Ron Nee empfiehlt in seinem Buch Eine illustrierte Enzyklopädie der postrevolutionären Havanna-Zigarren:

  • Milde Zigarren zwischen 2 – 4 Jahren
  • Starke Zigarren zwischen 5 – 10 Jahren

Er schreibt in seinem Buch sogar über jahrzehntelange Lagerungen. Nun, für uns „Normalverbraucher“ ist das Theorie. Echte Sammler hingegen fangen schon früh an, sehr früh (oder sie bekommen sie vererbt und können die Tradition fortführen) Mal schauen, wer in meiner Familie in Frage kommt…. nachdenken…. Resultat: Niemand.

 

Weitere Beispiele des „Boxing Dates“

Cohiba Robusto

cohiba-robustos-02

 

Diplomaticos No. 4

diplomaticos-no.4-02

 

Hoyo de Monterrey Le Hoyo Du Gourmet

hoyo-du-gourmet-02

 

Partagas Lusitanias

partagas-lusitanias-unboxing-05

 

Ramon Allones Small Club Coronas

ramon-allones-small-club-coronas-11

 

Trinidad Limited Edition 2007

trinidad-cervantes-lonsdale-EL-2007-02

 

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Vasilij Ratej

7 Gedanken zu „Warum kubanische Cigarren manchmal furchtbar oder kaum schmecken

  • 18. Januar 2016 um 18:53
    Permalink

    Hey, habe eine 24’er cabinettkiste Trinidat Coloniales. BD juli 2015, wie zu erwarten furchtbarer bitterer, rauer Geschmack. Ist es sinnvoll die Zigarren aus der Kiste zu nehmen und direkt offen zu lagern?
    Lg

    Antwort
  • 17. August 2014 um 21:55
    Permalink

    Was bedeuten denn die anderen 3 Buchstaben beim BD?

    Antwort
    • Vasilij Ratej
      17. August 2014 um 22:10
      Permalink

      Hi, danke für deine Frage 🙂 Das sind die Buchstaben für den Farbrik-Code. Um welche es sich hierbei handelt, weiss ich allerdings nicht. Gruss, Vasilij und weiterhin viel Vergnügen mit meinem Blog.

      Antwort
  • 6. August 2014 um 22:59
    Permalink

    „Einige Jahre zuvor habe ein Cabinet mit 25 Stück gekauft.“

    Partagas Lusitanias im 25er Cabinet wären eine echte Rarität ;-). Oder meinst Du, ein Cabinet mit 25 Restzigarren?

    Antwort
    • Vasilij Ratej
      6. August 2014 um 23:07
      Permalink

      DonPaolo, DANKE 🙂 Ein 25er Cabinet gab’s ja gar nicht. Es waren natürlich 50 Stk… werde ich umgehend korrigieren. Nochmal Danke für dein aufmerksames Lesen! Grüsse, Vasilij

      Antwort

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