Partagás und der Mord erschütterte die Zigarrenwelt

„Partagás und der Mord erschütterte die Zigarrenwelt“. Jaime Partagás wurde entweder im Jahr 1864 oder 1868 auf einer seiner Plantagen erschossen. Es heisst, ein Rivale im „Liebesleben“ hätte ihn umgebracht. Der Mord wurde nie aufgeklärt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat er bereits eine Zigarrenmarke geschaffen, die weltweit berühmt und sehr erfolgreich war. Es heisst, er sei kein angenehmer Mensch gewesen. Knallhart und unbeugsam verfolgte er seine Interessen. Ein solcher Schlag Mensch ist wohl als Unternehmer geboren. Unweigerlich kommt man bei diesen Gedanken auf weitere Unternehmer, die ebenfalls eine Weltmarke aus anderen Branchen hoch gezogen haben: Jack Welch, Steve Jobs, Bill Gates, um mal bloss drei zu nennen. Dir fallen bestimmt noch mehr ein.

Es gibt einige Legenden um Herrn Partagás. Eine davon besagt, er habe als erster die Vorleser in den Manufakturen eingeführt und persönlich die erste Lesung begleitet. Das Vorlesen sollte das Rollen von Zigarren weniger eintönig machen. Ausserdem vermittelte es den Rollern ein gewisses Mass an Weiterbildung.

Zurück zu Partagás. Was für eine Marke. Was für herrliche Zigarren. Doch – HALT! Kennst du vielleicht noch Partagás aus den 1980er Jahren und älter? Haben die nicht ganz anders geschmeckt? Hatten sie nicht ihren unverkennbaren Geschmack? „Das ist eine richtige Partagas!“ Oder? Folgende Kritik wird überhaupt nicht gerne von eingefleischten Cuba-Zigarren-Liebhabern gehört: Die Ackerböden auf Cuba sind schon lange ausgelaugt. Deshalb haben die kubanischen Zigarren an ihrer Einzigartigkeit schon längst eingebüsst.

Doch Moment mal! Es gibt Licht am Ende des Tunnels! Die Partagás Maduro-Serien sind der absolute Wahnsinn. Das sind wieder „echte Partagás“, wie wir sie „von früher“ kennen. Sie brauchen zwar eine Lagerzeit (was bei kubanischen Zigarren ganz normal ist), aber sie sind endlich wieder echte Partagás.

Ein kurzer Tasting-Film über die Maduro No. 3

Eine grosse Rarität: Die Steuerbanderole „Cifuentes“

Foto unten: Eine grosse Rarität aus der Sammlung von Vasilij Ratej, ZigarrenZone. Die untere Anilla ist eine Steuerbanderole, die unter der Partagas Banderole angebracht war. In meinem Bericht erkläre ich die Hintergründe und verkoste Zigarren davon aus dem Jahr um 1960 herum.

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Mein Besuch auf Cuba und ein Interview mit der Direktorin von Partagás

Mein Onlinebuch „Drei Wochen Cuba“ beschreibt meine eindrucksvolle Reise im Jahr 2018. Schau rein, es lohnt sich. Bitte klicke auf das Cover:

Folgender Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung der 5TH Avenue, offizieller Importeur für Deutschland, Österreich und Polen

“Partagás” – die Entstehung einer Weltmarke

1816 im katalonischen Aremys de Mar als Sohn eines Schneiders geboren, machte Jaime Partagás sich schon mit 14 Jahren auf den Weg nach Cuba. Er wollte auf der Insel sein Glück versuchen, wie viele zu dieser Zeit. Bei seiner Ankunft war er nicht ganz auf sich allein gestellt, sondern genoss die Protektion entfernter Verwandter. Hart arbeiten musste er trotzdem. Im Alter von 18 Jahren war er auf der Tabakplantage von Juan Conill Pi beschäftigt, der später eines der bedeutendsten Tabaklagerhäuser in Havanna errichtete.

Jaime Partagás

Schon in dieser Zeit lernte Jaime so viel über Tabak, dass seine Cigarren später nicht umsonst zu den besten der Welt gehören sollten. Bereits 1838 eröffnete er ein kleines Chinchal in Havanna, um selbst Cigarren herzustellen. „Chinchales“ nannte man kleine Cigarrenmanufakturen, in denen einige Roller Cigarren fertigten. Im Jahr 1845 meldete Don Jaime Partagás dann seine Cigarrenmarke unter dem Namen „La Flor de Tabacos de Partagás y Cia“ an, was auch heute noch der offizielle Name der Marke ist.

Foto unten: Die Calle Industria hinter dem Capitol: ganz links hinten die berühmte Manufaktur, heute die No.520. Im Gebäude mit dem türkisfarbenen Erdgeschoss (No.160) und im Gebäude rechts daneben (No.158) wirkte der Gründer Don Jaime Partagás.

Ein Grund seines Erfolges war die Tatsache, dass er einige der besten Plantagen der Vuelta Abajo besaß, wie beispielsweise die „Hato de la Cruz“ in der Gemeinde Consolación del Sur in Pinar del Rio, aus denen er persönlich die Tabake für seine Cigarren auswählte. Als erster Cigarrenmacher überhaupt testete er unterschiedliche Fermentationsarten und verwendete reifegelagerte Tabake. Er kreierte 67 verschiedene Cigarrenformate und experimentierte dabei mit unterschiedlichsten Einlagen. Es gelang ihm auch, viele Prozesse in der Herstellung der Cigarren zu optimieren. Und noch eine weitere Neuerung erlebte im Jahr 1865 in der Partagás- Manufaktur ihre Premiere: Die Einführung des Vorlesers, der bis heute mit ausdrucksvoll vorgetragenen Texten die Cigarrenroller während ihrer Arbeit wach und motiviert hält.

Neben seinen fachlichen Qualitäten war Don Jaime Partagás aber auch ein Mann mit finanziellem Geschick und Weitblick. Er konnte dadurch seine Firma solide aufbauen und ihr Kapital vermehren, was später nicht allen seiner Nachkommen gelang. Da die Manufaktur eine „Real Fábrica de Tabacos“ (Königliche Cigarrenfabrik) war, gaben sich hier gekrönte Häupter die Klinke in die Hand und trugen zum Ruhm und der Bekanntheit der Marke bei. Menschlich war Don Jaime Partagás ein harter und strenger Mann, von seinen Mitmenschen geachtet, aber auch gefürchtet. Die Umstände seines Todes im Jahr 1868 im Tabakanbaugebiet Vuelta Abajo sind nie eindeutig geklärt worden. Er starb an einer Schussverletzung. Es heißt unter anderem, dass der Attentäter ein Rivale einer seiner amourösen Affären war.

Kuba, Havanna Altstadt, Beschriftung ueber dem Eingang der Zigarrenfabrik „Real Fabrica de Tabaccos Partagas“ in Habana Vieja. Entrance of cigar manufactory „Real Fabrica de Tabaccos Partagas“ at Habana Vieja, the oldtown of Havana., [ copyright Rene Tillmann, Pressefotos, Stockumer Kirchstrasse 13, D-40474 D u e s s e l d o r f, Tel.: +49-211-4350126, mobil: +49-173-5144437, mail@renetillmann.com, Konto: S t a d t s p a r k a s s e D u e s s e l d o r f, BLZ: 30050110, Kto.-Nr.: 1004199061; IBAN: DE17300501101004199061 SWIFT (BIC): DUSSDEDDXXX; use in case of trouble to get in contact: www.freelens.com/clearing; Jede Nutzung des Bildes nur gegen Honorar (MFM) zzgl. MwSt., Namensnennung und Beleg; Verwendung ausserhalb journalistischer Zwecke nur nach Vereinbarung, soweit nicht ausdruecklich vermerkt werden keine Persoenlichkeits-, Eigentums-, Kunst- oder Markenrechte eingeraeumt. Die Einholung dieser Rechte obliegt dem Nutzer, Jede Weitergabe des Bildes an Dritte ohne ausdrueckliche Genehmigung ist untersagt, es gelten ausschliesslich die AGB des Fotografen unter www.renetillmann.com | Any usage and publication only against payment ; only for editorial use, commercial use and advertising only after agreement; unless otherwise stated: no Model release, property release or other third party rights available, the user accepts the general terms and conditions of delivery and business of the photographer at www.renetillmann.com ] [#0,26,121#]

„Partagás“ unter der Leitung des Sohnes José Partagás (1868-1880)

Die Erben von Jaime Partagás waren seine Witwe Catalina Puig und seine Kinder José, Teresa, Clementina und Adela. Der Sohn José Partagás versuchte die Geschäfte fortzuführen, doch er hatte nicht die Kenntnisse und das Wissen seines Vaters in finanziellen Dingen. Aufgrund seiner Kreativität und der Qualität der Cigarren konnte er das Prestige der Marke erhalten. Finanziell jedoch ging er eine Partnerschaft mit dem erfolgreichen Bankier Juan Antonio Bances ein, der dann Mitte der 1880er Jahre die Firma „Partagás“ als deren inzwischen einziger Gläubiger schließlich ganz übernahm.

„Partagás“ unter der Führung von Juan A. Bances (1880-1899)

Der Bankier Juan A. Bances war ein erfolgreicher Bankier und hatte mit der Herstellung und dem Verkauf von Cigarren schon vorher großen Erfolg gehabt. Von diesem profitierte auch die Marke „Partagás“. Bances sorgte dafür, dass die Firma ein kompetentes Management bekam und konnte so den Erfolg und den Umsatz enorm steigern. Doch dann kamen unruhige Zeiten, die wahrscheinlich nur ein versierter Bankier wie Bances einigermaßen unbeschadet überstehen konnte. Auf Cuba tobte der Unabhängigkeitskrieg insgesamt über beinahe drei Jahrzehnte. Das führte dazu, dass sich die wirtschaftliche und finanzielle Situation auf der Insel stark veränderte. Immer mehr Fabrikinhaber verließen kurz vor der Jahrhundertwende die Insel und verkauften, wenn noch möglich, an britische oder amerikanische Investoren. Davon blieb auch die Marke „Partagás“ nicht ganz verschont, doch letztlich verkaufte Bances selbst die Firma „Partagás“ an Ramon Cifuentes und José Fernandez Lopez. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Cigarren der Marke „Partagás“ auf der Calle Industria No. 158 und No.160 gefertigt. Diese beiden Gebäude befinden sich jeweils an der Ecke zur Calle Barcelona.

„Partagás“ unter der Führung von Cifuentes und Partnern (1899-1958)

Ramon Cifuentes war schon viele Jahre im Vorstand von „Partagás“ tätig gewesen. Mit viel Erfahrung führten Cifuentes und José Fernandez die Marke erfolgreich weiter. Doch zunächst erfolgte ein Umzug in die seither wohl berühmteste Manufaktur der Welt, das Gebäude auf der Calle Industria direkt hinter dem Capitol. Das Gebäude der ehemaligen Manufaktur „A. de Villar y Villar“ mit der No.174 stand damals leer und zum Verkauf. So zog „Partagás“ in dieses Haus. Cifuentes und Fernandez erwarben das danebenstehende Gebäude No.172, Umbauarbeiten fanden statt, woraufhin jedes der Gebäude eine weitere Etage erhielt. Es entstand die Manufaktur „Partagás“, so wie wir sie heute kennen.

Die Partnerschaft von Cifuentes und Fernandez dauerte bis 1916. Dann wurde Francisco Pego Pita der neue Partner von Cifuentes. Sie erwarben die Firma Allones Ltd. und damit die Marken „La Eminencia“ und „Ramon Allones“. In den folgenden Jahren kreierten sie selbst eigene neue Marken und erwarben außerdem weitere dazu, unter anderem „Particulares“ und „Byron“.
Doch auch für Cifuentes und seine Partner war das Geschäft nicht immer leicht. Die Weltwirtschaftskrise 1929 sorgte für sinkende Absatzzahlen, was sogar zu einer kurzzeitigen Schließung der Fabrik führte. Doch es ging weiter. Als sich Ramon Cifuentes 1938 aus dem Geschäft zurückzog, hatte er mit seinen Söhnen und Neffen für starke Nachkommen gesorgt. Die Firma war in guten Händen. 1940 konnten weitere Marken wie „Bolivar“ und „La Gloria Cubana“ hinzugekauft werden. Ab 1941 war die Firma dann in alleinigem Besitz der Familie Cifuentes. Nach der Revolution und dem Erlassen des Gesetzes No.914 verließ die Familie Cifuentes Cuba. Die Fabrik und die Marke wurden verstaatlicht.

Partagásnach der Revolution

Die Produktion lief auch nach der Revolution ununterbrochen weiter. Bis in das Jahr 2011 fertigte man die Cigarren der Marke „Partagás“ auf der Calle Industria No.520. Dann zog die Belegschaft auf die Calle San Carlos No.816 um. Diese Fabrik kann heute besichtigt werden.

Seit einigen Jahren ist geplant, im Haus Calle Industria No.520 das „Museo del Tabaco“ einzurichten. Die Sanierung des Gebäudes steht an.

Foto unten: Die neue Partagás-Manufaktur auf der Calle San Carlos No.816. Seit einigen Jahren ist geplant, im Haus Calle Industria No.520 das „Museo del Tabaco“ einzurichten. Die Sanierung des Gebäudes steht an.

Die Cigarren von „Partagás“

Cigarren von „Partagás“ sind in einer reichen Auswahl an Formaten erhältlich, darunter Legenden wie die Lusitania und die 8-9-8, eine Cigarre, die ihren Namen von der Art und Weise erhielt, wie sie in drei Lagen übereinander in der Kiste angeordnet ist.

Die bekannteste „Partagás“ ist jedoch die Partagás Serie D No.4, eine Robusto, die einmal Teil des legendären Partagás-Alphabets in den 1930er Jahren gewesen ist. 2005 kam eine Piramide, die Partagás Serie P No.2 hinzu, die sehr schnell bei Freunden kräftiger Cigarren beliebt wurde. Seit 2011 erweitern die Partagás Serie D No. 5 und die Partagás Serie E No.2 mit Ringmaß 54 diese Linie. Abgerundet wurde die Serie mit der D No.6, einem neuen Petit Robusto-Format mit nur 90 mm Länge.

Aber Partagás bietet auch ganz hervorragende Alltags-Cigarren für Habanos- Liebhaber. Dazu zählen zum Beispiel die Partagás Mille Fleur im Petit Corona- Format (129 mm Länge, Ringmaß 42), die etwas schlankeren Aristocrats (ebenfalls 129 mm Länge, Ringmaß 40) oder die mit 140 mm deutlich längeren Partagás de Luxe, die es ausschließlich im praktischen Aluminium-Tubo gibt. Sie machen diese Cigarren auch zur richtigen Wahl für den Genuss unterwegs.

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