Die Entstehung der Tabakpfeife und ihre Geschichte

Die Entstehung der Tabakpfeife und ihre Geschichte. „Bevor man eine Frage beantwortet, sollte man immer erst seine Pfeife anzünden.“ Nobelpreisträger Albert Einstein (1879 – 1955).

Von Stefan Eggenberger. Ich bin etwa seit meinem 25. Lebensjahr Pfeifenraucher. Dabei habe ich mich vorwiegend auf englische Tabake festgelegt da diese aufgrund ihrer Stärke und den Aromen genau meinen Geschmack treffen. Zusammen mit einem schönen Single Malt kann ich dabei so richtig ausspannen. Ab und an wage ich auch einen Abstecher zu dänischen Tabaksorten und natürlich sage ich auch zu einer tollen Zigarre nicht nein.

Tipp: Das 1 x 1 des Pfeifen Rauchens

Die Geschichte des Pfeifenrauchens geht bis in die Antike zurück. Das Rauchen von Tabak stammt ursprünglich aus Süd und Nordamerika wo sich auch die ursprüngliche Heimat der Tabakpflanze befindet. Es ist belegt, dass die nordamerikanischen Indianer schon einige Jahre zurück mit dem Pfeifenrauchen begannen. Von den südamerikanischen Maja ist bekannt, dass sie schon im 6. Jahrhundert Tabak konsumierten. Die Bezeichnung „Zigarre“ bedeutete in der Sprache der Maja „wohlschmeckend“. Die zusammengerollte Pflanze wurde in einem Rohr gehalten, das die Indianer „Tobacco“ nannten. Mit der Entdeckung des Amerikanischen Kontinents durch die europäischen Seefahrer, wurde auch die Tabakpflanze entdeckt und später nach Europa eingeführt. Entdeckt wurde der Tabak dann auf einer der bekanntesten Erkundungsreise der Geschichte. Es war der Leibarzt von Philipp II. von Spanien, Hernandez de Toledo, der als erster den Tabak beschrieb, nachdem er die Pflanze 1559 in Mexiko studiert hatte. Als der französische Karmelitermönch André Thevet 1555 nach Brasilien reiste, schaute er bei den Eingeborenen ab, wie man Tabak raucht. Er wollte den Tabak zum Rauchen später selber anpflanzen und sammelte daher grosse Menge an Tabaksamen. 

Die Pfeifen Produktion begann im 17. Jahrhundert

In der „gehobenen Gesellschaft“ in Europa wurde im 17. Jahrhundert bereits Tabak in Pulverform als  Schnupftabak konsumiert. Nach der Einführung des Tabaks in Europa dauerte es nicht mehr lange und die ersten Manufakturen für Tabakpfeifen entstanden. Etwa zu dieser Zeit traf man in den Häfen Europas auch auf die ersten Seeleute die Langpfeifen rauchten. Die Tabakpfeife besteht aus einem Kopf, der mit dem  Tabak befüllt wird, dem Holm und dem Mundstück welches in den Holm gesteckt wird.

Die Produktion der Tabakpfeifen begann zwar schon etwa Ende des 16. Jahrhunderts, aber das 17. Jahrhundert gilt als eigentlicher Beginn der industriellen Pfeifenproduktion. Vorbild waren hierbei zunächst die Pfeifen der amerikanischen Ureinwohner, der Indianer. Das so genannte Calumet der Idianer, die Pfeife mit langem Rohr und kleinem Kopf, stand bei den ersten Produktionen Vorbild. Die ersten Pfeifen wurden aus dem gleichen Material wie ein Calumet produziert, nämlich aus ganz normalem Ton. Da Ton gebrannt werden muss, wurden die ersten Pfeifenmanufakturen auch Pfeifenbäckerei genannt. Sie entstanden als  erstes in den grossen Seefahrernationen wie Holland und England, später auch an den Küsten Nordfrankreichs.

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Tabakpfeifen aus Ton

Zuerst waren die Tabakpfeifen aus Ton die gängigsten verwendeten Pfeifen. In der frühen Epoche in Holland und England wurden sie noch manuell hergestellt, später als die Pfeifen im 19. Jahrhundert auch Frankreich eroberte, wurden Pfeifen bereits gegossen. Der Guss in vorgefertigte Formen ermöglichte die Produktion einer grossen Vielfalt verschiedener Pfeifenköpfe. Diese konnten nun als Guss in Form von Tierköpfen aber auch Köpfen von Personen oder Gegenständen hergestellt werden.

In Deutschland wurden Pfeifen schon damals oft aus Holz geschnitzt. Pfeifen aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind heute extrem selten. Noch rarer sind die wenigen Tabakpfeifen aus Elfenbein aus jener Zeit, die die letzten Jahrhunderte überstanden.

Tabakpfeifen aus Porzellan

Mit der Erfindung des Porzellans durch Johann Friedrich Böttger in Meissen im frühen 18. Jahrhundert, erschienen kurz darauf erste Porzellanpfeifen. Erste Porzellanpfeifen wurden in Porzellanmanufakturen wie Meissen oder der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin hergestellt. Die wenigen noch erhaltenen Porzellanpfeifen aus diesen Manufakturen erzielen bei Sammlern in guten Zustand bei Versteigerungen oftmals Preise über 30’000 Franken. Die Produktion von Porzellanpfeifen hielt sich zu Anfang ziemlich in Grenzen. Porzellan war zu der Zeit aufgrund seines hohen Preises für den Normalbürger so gut wie nicht bezahlbar.

Die Meerschaumpfeife, auch die„weisse Göttin“ genannt

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde mit der Produktion einer weiteren berühmten Pfeifenart begonnen. Die Herstellung der Meerschaumpfeife. Ihre Entstehung erlebte die Meerschaumpfeife in Budapest in einer Schuhmacherei. Das Mineral Sepiolith aus dem die Pfeife besteht, ist ein wasserhaltiges und poröses Magnesiumsilikat, welches mehrheitlich in Bergwerken in der Türkei aus fossilen Schichten, gewonnen wurde. Die größten Meerschaum-Vorkommen gibt es in der Nähe der nordanatolischen Stadt Eskişehir. Seine Farbe ist weiss und daher wurde die aus Magnesiumsilikat produzierte Meerschaumpfeife auch als die „weisse Göttin“ bezeichnet. Sepiolith ist ein ziemlich seltenes Material, welches daher auch immer weniger zur Produktion von Pfeifen verwendet wird. Die Meerschaumpfeife wurde im 19. Jahrhundert die beliebteste Pfeife im europäischen Raum. Die Levantiner, in deren Gebiet in der Türkei die Abbaugebiete lagen, bezeichneten das Sepiolith als „mertscavon“. Bedeutende Manufakturen für Meerschaumpfeifen lagen nicht nur in Budapest, sondern auch in grossen Städten wie Wien und Prag aber auch in Ruhla (Thüringen) oder in Leipzig.

Pfeifen aus Holz, die Bruyèrepfeife

Pfeifen aus Holz gab es in Deutschland bereits im 17. Jahrhundert. Im Lauf der Zeit haben sich schwere Harthölzer als Material der ersten Wahl etabliert. Vor allem exotische Sorten wie Mahagoni-, Sandel- oder Ebenholz wurden verwendet. Eine primäre Rolle spielt seit Beginn des 19. Jahrhunderts aber das Bruyèreholz. Ihren Siegeszug in Europa trat die Bruyèrepfeife allerdings erst im 19. Jahrhundert an, als im französischen Jura in der Region um Saint-Claude einige kleine Manufakturen mit der Produktion von Tabakpfeifen aus Bruyèreholz begannen. Beim Bruyèreholz handelt es sich um das Wurzelholz der Baumheide, welche vorwiegend im Mittelmeerraum beheimatet ist. Dieser baumartige Strauch wächst bis zu mehreren Metern hoch. Verwendet wird das Wurzelholz der Erica arborea wie sie auf Lateinisch heisst,  bis heute. Die Wurzelknolle dieses Baumstrauches erreicht dabei einen Durchmesser von bis zu 30 cm Durchmesser. Nach einer umfangreichen Behandlung wie Wässerung, langem Weichkochen und danach der Trocknung über Monate, kommt die schöne Maserung dieses harten Holzes so richtig zur Geltung. 

Im zweiten Weltkrieg wich man gezwungenermassen auch auf andere, heimische Holzarten aus. Leider waren diese nicht besonders haltbar, weshalb man nach dem Krieg wieder auf die Bewährten Holzarten zurückging. 

Pfeifenformen – die drei Grundmodelle

Pfeifen mit geradem Mundstück „Straight“ 

Die Straight Pfeife ist eine klassische, recht beliebte Pfeifenform. Ihr Kopf sitzt gerade am Holm und verläuft im rechten Winkel nach oben. Der Kopf geht fliessend in den Holm über. Die Bohrung ist zumeist mittelgross, wobei die Höhe des Pfeifenkopfes allerdings variieren kann. 

Pfeifen mit stark gebogenem Mundstück „Bent“ 

Hinter der Bezeichnung der Pfeifenform Bent versteckt sich nicht nur eine eigentliche Form. Die Bent ist der Klassiker der gebogenen Pfeifen schlechthin. Die Form weicht von Hersteller zu Hersteller ein wenig ab. Im Grossen und Ganzen ist die Kopfform dabei aber immer leicht bauchig, die Wandung mitteldick. Die Kopfhöhen liegen jeweils im mittleren Bereich. Die Bent liegt sehr gut in der Hand. 

Pfeifen mit leicht gebogenem Mundstück „Half Bent“ 

Half Bent Pfeifen besitzen normalerweise einem abgeflachten Kopf und einem dickeren, kräftigeren Holm. Die Half Bent liegt wie die Bent gut in der Hand und strahlt Autorität aus. Bent Pfeifen werden übrigens teilweise auch als „Sherlock Holmes“ Pfeifen bezeichnet.

Von allen drei Grundformen gibt es verschiedene Ausführungen welche sich untereinander ausschliesslich von der Form des Pfeifenkopfes unterscheiden. Einige der wichtigsten sind folgend aufgeführt.

Unterkategorien

  • Straight Pfeifen:
    • Straight Billiard: Grosser gerader Kopf, längerer Holm, langes Mundstück
    • Straight Canadian: Grosser gerader Kopf, langer ovaler Holm, Kurzes Mundstück
    • Straight Lovat: Mittlerer gerader Kopf, langer ovaler Holm, kurzes Mundstück
    • Straight Apple: Grosser rundlicher Kopf, längerer Holm, langes Mundstück
    • Straight Army Billiard: Grosser gerader Kopf, längerer Holm, langes flaches Mundstück
  • Bent Pfeifen:
    • Billiard Bent: Grosser gerader Kopf, längerer gebogener Holm, langes gebogenes Mundstück
    • Apple Bent: Grosser rundlicher Kopf, längerer gebogener Holm, langes gebogenes Mundstück
    • Army Bent: Mittlerer gerader Kopf, längerer Holm, langes gebogenes Mundstück

Im weiteren gibt es noch viele andere Pfeifenmodelle mit Namen wie: Prince, Bulldog, Loveat, Dublin, Pot, Liverpool, Stand up Poker und viele mehr. Dazu kommen noch handgearbeitete Tabakpfeifen, die exklusiven Freehandpfeifen, bei denen der Preis dann auch ohne weiteres mehrere hundert Franken betragen kann.

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