Anmassende Kritik gegen Davidoff

Meine Kritik war: „Die Chefs bei Oettinger Davidoff haben die Qualitätskontrolle nicht im Griff.“ Das ist so, wie wenn ich mit dem Gummiboot einen Ozeanriesen rammen würde. Normalerweise würde der Riese weiterfahren und keine Notiz von mir nehmen. Dieses Mal hat der Riese gestoppt und den Dialog gesucht.

Sei ein Massstab für Qualität. Details sind wichtig – es ist es wert, zu warten bis sie richtig sind.

Steve Jobs

Meine Kritik war im Tasting von Davidoff Year Of The Rat 2020 zu lesen. Es war die Dritte an den Year Of-Zigarren Serien seit 2017. Dieses Mal zielte sie auf die Chefs der Qualitätskontrolle. Und sie traf. Nicht weil ich kritisierte. Sondern weil meine Kritik gegen den wichtigen journalistischen Verhaltenscodex verstiess: „Gib dem Kritisierten vor Veröffentlichung die Chance sich zu äussern.“ 

Der vorliegende Artikel wurde von Oettinger Davidoff zu keinem Zeitpunkt verlangt; obwohl sie rechtsmässig eine Gegendarstellung hätten fordern können. Es ist Oettinger Davidoff hoch anzurechnen, dass sie zum Gespräch einluden und sich mit diesem Schritt sehr lösungsorientiert zeigten. 

In der Lounge am Hauptsitz von Oettinger Davidoff in Basel trafen sich am 18.12.19: 

  • Edward Simon (Senior Vice President, Head Global Marketing)
  • Sam Reuter (Global Brand Ambassador, Head of Product Development and Strategic Innovation)
  • Fabian Cigliano (Produktmanager Davidoff und Camacho Schweiz)
  • Vasilij Ratej (Inhaber ZigarrenZone GmbH). 

Gute Zigarre und gutes Gespräch

Wir nahmen Platz. Getränke standen auf dem Tisch. Aschenbecher, Zigarrenwerkzeuge und Davidoff Year Of The Rat 2020 lagen bereit. Sam Reuter bot jedem eine Zigarre an. Anschneiden. Anzünden. Die ersten Züge. Die nächsten Züge. Herrlich. In diesen ersten zwei Minuten fragte ich mich: Wie kommt von mir bereits zum dritten Mal eine Kritik gegen die Qualitätskontrolle zustande? 

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„Wir möchten verstehen, warum bei dir diese Serien bei der Lancierung durchfallen,“ sagte Sam Reuter. „Andere Publikationen berichten stets positiv darüber.“ Fabian Cigliano warf ein: „Du hast dich bei unseren anderen Marken nie so kritisch geäussert. Bei den Year Of-Serien allerdings schon zum dritten Mal und stets mit denselben Resultaten: Die Zigarren schmeckten dir sauer, bitter und brannten schlecht ab. Wir nehmen die Sache ernst und möchten ihr auf den Grund gehen.“

Sam Reuter: „Ich werde dir heute Dokumente unserer Qualitätssicherung zeigen und erklären, dass wir nirgends einen Mangel feststellen konnten.“ Gut. Das interessiert mich brennend. Ich paffte an der Zigarre. Sie schmeckte ausgezeichnet und unterschied sich gänzlich von den drei Year Of The Rat 2020, die ich davor verkostet habe. Warum bloss?

Qualität ist das Produkt der Liebe zum Detail.


Andreas Tenzer (*1954), deutscher Philosoph und Pädagoge

Edward Simon sass mir gegenüber. Entspannt schaute er mir in die Augen. Seine Worte wählte er präzis. „Uns ist wichtig, dass ZigarrenZone unabhängig ist und bleibt. Ich persönlich finde es seriös, dass du drei Zigarren getestet und darüber den Bericht verfasst hast.“ Fabian Cigliano und Sam Reuter stimmten zu. Edward Simon machte eine kurze Pause, zog an der Zigarre und fuhr fort: „Die Kritik an der Qualitätskontrolle hat mich direkt ins Herz getroffen. Die Qualitätssicherung liegt in meiner Verantwortung. Dieses Thema ist in unserem Haus ausserordentlich hoch angesiedelt.“ Ich erkannte, dass ihn meine anmaßende Kritik schmerzte. Er wirkte auf mich verletzt, weil er sich von mir ungerecht behandelt fühlte. Zudem wusste er, dass sie sich bezüglich der Qualitätskontrolle nichts vorzuwerfen haben. Aber ich tat genau das.

Mit ruhiger und gelassener Stimme sprach Edward Simon weiter: „Die Qualitätskontrolle umfasst bei uns die komplette Produktions- und Transportkette. Basierend auf der Dokumentation unserer Prozesse weiss ich, dass wir uns diesbezüglich nichts vorzuwerfen haben.“ Hier war meine Neugierde auf dem Höhepunkt angelangt. „Deine Kritik bezüglich mangelnder Kontrolle durch das Management war eine Annahme. Ich hätte mir gewünscht, dass wir vor der Veröffentlichung des besagten Beitrags eine Chance gehabt hätten, dies im Gespräch mit dir richtig zu stellen. Wir hätten unsere Fakten offengelegt. Du hättest sie im Beitrag einfliessen lassen können.“ Als Herausgeber von ZigarrenZone gebe ich zu: Das ist ein journalistischer Verhaltenskodex, den ich für die „Year Of The Rat 2020“ ausser Acht liess. Ein solcher Fehler wird mir nicht wieder passieren. Nicht aus Scham. Nicht aus Angst Werbegelder zu verlieren. Sondern weil es menschlich und professionell einfach falsch ist so etwas zu tun. Und es untergräbt die Glaubwürdigkeit meiner Berichterstattung. Nicht die Schnelligkeit einer Veröffentlichung ist massgebend, sondern dessen Qualität. Ich bin im gleichen Boot wie alle: Nämlich Qualität zu liefern.

Suche die Schuld bei dir. Wenn du keine Zweige und Blätter hast, wirf nicht der Sonne Ungerechtigkeit vor.

Aus China

Werden Grenzwerte nicht eingehalten, wird reagiert

Sam Reuter erklärte mir: „Jeder einzelne Schritt in der Produktions- und Transportkette unterliegt der Kontrolle. Das sind über 170 einzelne Positionen. Wird bei einer Kennzahl ein Grenzwert nicht eingehalten, wird die komplette Charge 100% geprüft.“ Er nannte mir ein Beispiel: „Wird die Luftfeuchte im Container auf dem Schiffstransport während einer definierten Zeitspanne nicht eingehalten, überprüfen wir die Zigarren dieses Containers zu 100% auf ihren Feuchtegehalt. Unter Umständen wird sogar die Lancierung gestoppt und verschoben.“

Ein weiteres Beispiel nannte er mit der verschobenen Lancierung der Serie 702 im Jahr 2017. „Wir erkannten aufgrund verschiedener Faktoren, dass die Zigarren noch länger im Ruheraum liegen müssten. Deshalb haben wir die Lancierung ein paar Wochen später vorgenommen.“

Zudem zeigte er mir vertrauensvoll und offen den kompletten Qualitätsablauf bei der Oettinger Davidoff AG, vom Samen bis hin zum Transport in die Geschäfte. Ich muss zugeben, ich war beeindruckt von den vielen Schritten und der Wichtigkeit, die das Unternehmen der Qualitätssicherung beimisst.

Qualitätskontrolle

Für das Gespräch in Basel nahm ich zwei gekaufte Kisten „Year Of The Rat 2020“ mit, die ich am 01.11.19 per Post erhielt. Sie lagen seither in meinem Humidor. Ich habe vor dem Gespräch eine dieser Zigarren aufgerollt. Der Tabak war feucht, so wie er sein sollte. Bei den drei Zigarren aus meinem Bericht allerdings war der Filler so trocken, dass er beim Befühlen zerbröselte.

Wir vermuteten, dass es vielleicht mit der Lieferung innerhalb der Schweiz wegen der kalten und trockenen Jahreszeit liegen könnte. Denn die 2019-Edition erhielt ich im Sommer 2018 – und diese Zigarren waren perfekt. Jetzt, ein paar Monate nach meinem Tasting der 2020-Edition habe ich bereits drei weitere Zigarren aus meinen Kisten verkostet. Sie waren perfekt. Die Lagerzeit hat ihnen offenbar gut getan und der Tabak war gleichmässig feucht. 

Meine Kritik – wie dieser Artikel zeigte – war anmassend. Der oben einleitende Satz „Die Chefs bei Oettinger Davidoff haben die Qualitätskontrolle nicht im Griff“ lautet deshalb neu: Die Chefs bei Oettinger Davidoff haben die Qualitätskontrolle im Griff, denn sie prüfen jeden Faktor in der Wertschöpfungskette und greifen korrigierend ein, sollten Grenzwerte nicht eingehalten werden. Das Schlusswort möchte ich an Steve Jobs übergeben:

Sei ein Massstab für Qualität. Details sind wichtig – es ist es wert, zu warten bis sie richtig sind.

Steve Jobs
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    1. Dafür braucht man Eier. An der Kritik der Zigarre halte ich ja fest. Nur nicht an der Kritik am Management. HAVE A GOOD SMOKE, Vasilij

  1. Wie Davidoff mit beschriebener „Kritik“ umgeht finde ich sehr professionell. Eine Kritik sollte dankend als eine Chance angenommen werden, das auszumerzen, was man als Anbieter eigentlich vermeiden möchte. Ohne Kritik keine Chance. In einem Qualitätsmanagement gibt es Papier ohne Ende, um eine Qualitätssicherung zu gewährleisten, welche im höchsten Interesse eines Anbieters liegt. Papier ist jedoch geduldig, soweit es nicht mit Leben gefüllt wird. Der berichtete Qualitätsmangel scheint offensichtlich bestanden zu haben. Wenn die Vermutung zutreffend sein sollte, dass sich der Mangel innerhalb der Logistik, aufgrund vom Witterungsbedingungen, ergeben hat, scheint hier ein Bereich zu liegen, auf welchen das Qualitätsmanagement keinen Einfluss zu haben scheint. Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass der beschriebene „Mangel“ innerhalb der Logistik in der Schweiz entstanden sein sollte. Das würde bedeuten, dass die Ware im „Blindflug“, außerhalb der Einsicht des Anbieters behandelt wird, was nicht zur beschriebenen Qualitätssicherung passt. Alles wird gut!

    1. Ich finde auch, dass Oettinger Davidoff äusserst professionell damit umgeht. Der zweitletzte Abschnitt ist auch wichtig – wir vermuten, dass dort das Problem liegt. Ich muss solche Chargen in Zukunft mindestens 6 Wochen akklimatisieren lassen bevor ich den Test mache. Offenbar ganz besonders wichtig bei den Year Of-Linien.