Liebe Zigarren.Zone Freunde, heute möchte ich ein weiteres und sehr spezielles Interview mit euch teilen. Die Videos von Daniel Beuthner auf YouTube haben – ja, durchaus – Kult-Status. Er verbindet in seinen Zigarren- oder Spirituosen-Reviews eine noch nie dargebrachte sprachliche und philosophische Kultur. Er tut dies mit einer verweilend-langsamen Hingabe, die in unserer schnelllebigen Zeit das genaue Gegenteil beweist: Die Bewusstheit des Geniessens ist es, was den Geist beruhigt. Das ist ganz im Sinne der Zigarren.Zone Idee: Das Zen des Zigarren Genusses.

Seines Zeichens ist Daniel Beuthner Ikonologe. Er analysiert den Blog Zigarren.Zone und den Zigarren.Zone YouTube Kanal. Aufgrund seines Fachwissens hat er Erstaunliches über Vasilij’s Auftritte analysiert. Ausserdem ist Daniel Beuthner davon überzeugt, dass er als Vasilij’s Wahlkampfberater Besseres zustande bringt, als ein Politikwissenschaftler, sobald Vasilij als Spitzenkanditat der SGP (Schweizer Genuss Partei) in die Politik geht. Äh – aber alles der Reihe nach in diesem Interview…

Also, nimm dir Zeit für dieses Interview und schau dir seine Videos an. Am besten mit einer schönen Zigarre und einem feinen Getränk 🙂

Vasilij Ratej

Herausgeber, Zigarren.Zone

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Du bist „Ikonologe“. Was kannst du den Zigarren.Zone Lesern darüber erzählen?

Bei der Ikonologie handelt es sich kurzgefasst um die „Lehre vom Bild“, die mehr den Gehalt als die Form zum Gegenstand hat. Hierzu zähle ich im erweiterten Sinne des ursprünglich kunsthistorischen Fachbegriffes nicht nur das optische Bild, sondern auch Wort- und Klangbilder. Wenn wir eine Sache genauer analysieren wollen, dann „machen wir uns ein Bild“ davon. Wir reden und begreifen in Bildern, ja wir verarbeiten sogar in (Traum-)bildern. Dabei verstehen und nutzen wir nur einen Bruchteil dessen, was wir bildhaft wahrnehmen und aussenden. Das Wissen, warum bestimmte Bilder stärker als andere wirken und welches Bild in welcher Situation welche Botschaft vermittelt, warum manche Bilder universell, andere nur punktuell oder gar nicht ansprechen, ist eine oft vernachlässigte Grundlage für wichtige Entscheidungen.

Ja, das liest sich, äh, recht akademisch und theoretisch. Kannst du uns ein oder zwei Beispiele erzählen?

Aus dem Forschungsgebiet ergeben sich praktisch vielerlei Möglichkeiten. Drei möchte ich aufzählen: Zunächst ist das die klassische Beratertätigkeit (was man früher Image- oder Kampagnenberatung nannte), dann aber auch erzieherische Programme z.B. die immer wichtiger werdende Aufklärung Heranwachsender über das Werte- und Identitätsverhältnis zwischen eigenem Ich und künstlich überhöhtem Idol. Schließlich gibt es noch den schönen (aber leider am schlechtesten bezahlten) Bereich der kulturellen Bildung, wo es darum geht, einen Zugang in die Bildsprache der Künste zu vermitteln.

Letztendlich versetzt die Ikonologie in die Lage bewusste und unbewusste Bilder und ihre Wirkung besser zu begreifen sowie Inszenierungen zu durchschauen und anzuwenden. Wollte z.B. Vasilij Ratej plötzlich in die Politik wechseln und für die SGP (Schweizer Genuss Partei) kandidieren, dann wäre er bei mir sicher besser beraten als bei einem Politikwissenschaftler, denn wie heißt es so schön: Es kommt immer auf die Wirkung an!

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Ich? Politik? Nein Danke. Aber GENUSS PARTEI hört sich super an 🙂

Bei deinen Antworten kommt man auf den Gedanken, dass die Bildsprache deiner Videos inszeniert ist. Im Hintergrund viele Bücher und eine altertümliche Büste. Im Vordergrund ein massiver Schreibtisch. Das zeugt von „Tradition, Fundiertheit, Seriosität“. Man glaubt dir sehr schnell, was du erzählst. Ist es inszeniert oder ist die Location wirklich so bei dir zu Hause?

Die Frage tauchte auch schon ins grelle Gewand der Provokation gekleidet verschiedentlich unter meinen Videos auf. Hier die offizielle Antwort mit Beweisbild: Es handelt sich um die Leseecke meiner Hausbibliothek und sie sieht tatsächlich so aus. Inszeniert ist es aber trotzdem, dergestalt, dass der Tisch normalerweise nicht hier steht, sondern ein Fußhocker. Außerdem wird die von Dir erwähnte Büste – es handelt sich übrigens um das Antlitz Schillers – extra zwei Regalböden tiefer platziert um noch im Bild zu sein. Ansonsten aber muss ich enttäuschen: Hier entspricht das Image mal der Wahrheit.

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Ja, diese Bildsprache – das „Image“ einer Person, wendest du auch für dich an. Ist das ganz bewusst oder weil du so bist wie du dich darstellst?

Gerade im Privaten und dem was mir Freude macht bemühe ich mich, die bewusste Inszenierung völlig wegzulassen. In den Videos versuche ich so natürlich und authentisch wie möglich zu sein auch auf die Gefahr hin, dass z.B. meine YouTube-Auftritte höchst unprofessionell daherkommen. Beim Drehen will ich mich wohlfühlen; nur so kann ich den Genuss an der Zigarre und den Götterfunken ehrlich vor mir und dem Publikum zelebrieren. Gewiss hätte eine professionellere Herangehensweise unter Nutzung meines beruflichen Backgrounds höhere Klickzahlen zur Folge aber ich betreibe diesen Kanal als Liebhaber.

Machen wir ein anderes Beispiel: Analysiere doch mal Vasilij Ratej von Zigarren.Zone. Welche Bildsprache wende ich in meinen Videos und in meinem Blog an? Was sagt das über mich aus und wie wirkt es auf Andere?

Das willst Du wirklich??? Hm … tststs … Vielleicht nur so viel: Blog und Videos sprechen rein bildlich unterschiedliche Sprachen. Die im Blog verwendeten Bilder – insbesondere die Titelbilder der Startseite und die Bilder zu den einzelnen Reviews verraten eine Zuneigung, ja fast Hingabe zum Gegenstand. Der schwarze Hintergrund sowie Tisch und Ascher gleicher Farbe sind die Bühne auf der Du die Zigarren nicht selten in Makroaufnahme präsentierst, wie ein guter Juwelier nicht ohne Grund seine edelsten Steine und Perlen auf dunklem Samt zur Schau stellt und sie damit noch heller und strahlender wirken lässt. Schwarz ist edel und elegant aber dokumentiert auch Sachlichkeit. Die Videos kommen schon durch Musik und Intro und natürlich die „Playa de la Chuerra“ farbenfroher und bajazzohafter daher. Vasilij selbst scheint mir bildsprachlich betrachtet die genaue Schnittmenge darzustellen: Du trägst gern schwarz, hochwertig anmutende Stoffe und dünne sich farbig abhebende Krawatten. Elegant und seriös – ABER: Der (zwischenzeitlich wohl geopferte) Soul Patch, die Frisur, Micromimik und Gesten verraten Individualität und einen leichten Hang zum Schabernack obwohl oder gerade weil Du auch die dunkle Seite deiner Seele kennst. So … jetzt hör ich damit auf … ich will ja nicht all Deine Geheimnisse (auch dafür steht „schwarz“) verraten 😉

Antwort von Vasilij Ratej: 

vasilij14
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Manchmal kommt es einem vor, als ob die Gesellschaft in der schnelllebigen Zeit verroht und sehr oberflächlich wird. Deine Videos auf YouTube sind erfrischend das Gegenteil: Langsam und tiefgründig und mit hohen Abrufzahlen. Die Abrufzahlen deiner Videos bestätigen, dass du offenbar den richtigen Punkt der Leute triffst. Wie siehst du das?

Naja – viele Klicks sind gewiss der Kuriosität meiner gewaltigen Figur zu „verdanken“ aber tatsächlich hat sich auch eine treue Abonnentengemeinde entwickelt, die die von Dir angesprochene Entschleunigung und die sorgfältige Auswahl und Präsentation der kulturellen Inhalte in Kombination mit den Tastings zu schätzen weiß. Die zahlreichen Kommentare, die das bestätigen freuen mich und motivieren kostbare Zeit in neue Videos zu investieren.

Machen wir ein kurzes Spiel zusammen. Es ist das bekannte Assoziations-Spiel. Ich gebe dir ein Wort vor und du beantwortest es mit einem einzigen Wort, das dir spontan als erstes einfällt. Ganz ehrlich sein, ja? Bereit? 🙂

Panofsky? Warburg
Lebensziel? Numen
Sprache? Poesie
Du? Meine Frau (Ich weiß, es sind zwei Wörter aber ohne den Possessivartikel nähme sich die Antwort nicht nur komisch aus, sie wäre auch falsch).
Zigarre? Genuss

Hinweis von Zigarren.Zone: „Numen“ ist wohl eines der höchsten Lebensziele, wenn nicht das höchste Lebensziel, das man erreichen möchte. Diese Antwort auf die Frage „Lebensziel?“ ist deshalb sehr tiefsinnig und vielschichtig.

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Was bedeutet es für dich, eine Zigarre und ein schönes Getränk zu verkosten?

Das kann sehr unterschiedlich sein, je nach Kontext. Da gibt es die „frohe Zigarre“ in heiterer, manchmal alberner aber immer auch wieder ernster und stets geistreicher Gesellschaft, dazu gutes Essen, Wein, Whisky – was wem beliebt: Sie ist anregend, verlangt Gespräche. Ein guter Mix aus Humor und hoher Poesie lässt Stunden im Flug vereilen und gleichzeitig Ewigkeiten im Herzen aufgehen. 


Anders ist die „stille Zigarre“ mit einem Freund: Edler Rum dazu und ein tief-tiefes Schweigen im Genuss einander zu haben als Ankerplatz der Seelenbarke.


Dann kommt noch die „schöne Zigarre“ sie möchte am liebsten mit guter Musik oder Literatur oder im Betrachten eines Kunstwerkes genossen werden. Aber Vorsicht: Sie ist wählerisch. Gefällt ihr der Kontext nicht, brennt sie absichtlich schief, geht aus oder wird bitter!


Die „entspannte Zigarre“ hingegen liebt und schenkt Urlaubsstimmung ist gerne draußen in der Natur, am Strand oder auf dem Balkon manchmal auch in der Hotelbar. Sie mag Mojitos, Sorbet, auch mal ein Bier im Sommer.


Schließlich gibt es noch die „normale Zigarre“. Man bezeichnet sie auch als Alltags-Zigarre, was sie nicht anficht, denn sie weiß um ihren Wert. Dem Aficionado ist sie eine treue Begleiterin durchs Leben und sie – wie der große Franz Liszt so treffend formulierte – sie „verschließt die Türe vor den Gemeinheiten dieser Welt.“

Bist du ein Zigarren-Sammler?

Nicht im leidenschaftlichen Sinne. Mit einem guten Freund lasse ich einige wenige Havannas aus den späten 90er und 2000er Jahren reifen.

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Welche lustige oder interessante Story über Zigarren oder Getränke hast du erlebt, die du gerne mit den Zigarren.Zone Lesern teilen möchtest?

Da kann ich etwas über meinen älteren Bruder berichten, der sehr erfolgreich seit vielen Jahren eine Kanzlei in Spanien betreibt. Immer wenn er mich mal besucht, hat er entweder gerade aufgehört zu rauchen (Zigaretten) oder möchte eine Zigarre von mir mit den Worten: „Aber was Billiges, keine teure, Du weißt, ich kann das gar nicht schätzen“. Nun ich gebe ihm dann eine anständige Zigarre und sage „die war nicht so teuer“ – denn das Leben ist bekanntlich zu kurz um schlechte Zigarren zu rauchen.
Bei seinem letzten Besuch war er zu einer wichtigen Tagung hier mit anschließendem Essen unter zahlreichen Kollegen. Vorher besuchte er mich und bat wieder um eine Zigarre. Nunmehr mit den Worten: „Du weißt ja, nichts Teures aber teuer aussehen muss sie diesmal.“ Ich habe kurz überlegt ob ich ihm diesmal einen Stick von der Tanke hole und in einen Cohiba-Tubo stecke.

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Daniel Beuthner, herzlichen Dank für deine Zeit, die Zigarren.Zone LeserInnen schätzen das sehr 🙂

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