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Liebe ZigarrenZone-Freunde, warum deine Zigarre süss, sauer oder adstringierend (Gaumen und Zunge ziehen sich zusammen) schmeckt? Der Geschmack einer Zigarre wirft oft Fragen auf. Kann man sich darüber streiten? Ich finde nicht. Denn jeder nimmt den Geschmack etwas anders wahr. Was für den einen „stark pfeffrig“ ist, kann für den anderen „etwas würzig“ schmecken. Oder jemand empfindet es „herrlich süsslich“ und jemand anders sagt „gar nicht süss.“ Selbst die persönliche Tagesform spielt eine Rolle, oder was man zuvor gegessen und getrunken hat. In diesem Beitrag beleuchten wir das Zusammenspiel der unterschiedlichen Tabakblätter und welchen Einfluss sie auf den Geschmack einer Zigarre nehmen.

ZigarrenZone sprach mit vier Zigarrenherstellern. Die spannende Reise kann beginnen. Die Frage blieb allerdings offen, warum eine Zigarre „nach alten Feigenblättern und in Honig gebeizten Himbeeren vermengt mit einem Schuss Bordeaux aus dem Jahr 1969 (die Trauben aus der Toscana, nicht aus Bordeaux…)“ schmecken kann 😉

HAVE A GOOD SMOKE 😁

Vasilij Ratej, Herausgeber ZigarrenZone

 

Wir sprachen mit:

Bonus-Antwort: Warum eine Zigarre adstringierend sein kann

 

Kurt Brandt von ISTHMUS: APR Especiales

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Ich nehme den Geschmack wie folgt wahr:

  • Kaltduft: Dezent nach Stroh / Stall
  • Kaltzug: Etwas pfeffrig, herbal
  • Zusammenfassung: Sie startet würzig, aber gleichzeitig auch etwas cremig. Die erste Hälfte: süss-zartbittere Mischung, cremig, etwas pfeffrig. Retronasal herrliche Röstaromen und irgendwie „stallig“ – herausragende Balance! Der Schiefbrand muss mit der Flamme korrigiert werden. Die Asche fällt nach etwa 1cm unvermittelt ab. Die zweite Hälfte entwickelt sich: Vollmundig süsslich, zartbitter, tiefer Tabak. Retronasal ist sie umwerfend pfeffrig-stallig und ganz viel Röstaromen nach brennendem Holz. Die Asche fällt etwa im 1cm-Rhythmus ab, Vorsicht ist geboten. Ein ausgesprochen herrlicher Smoke!

 

Welcher Geschmack wurde beabsichtigt? „Wir haben mit dieser Mischung eine mittelkräftige bis kräftige Zigarre für den geübten Raucher verfolgt,“ sagt Kurt Joachim Brandt. „Unter Verwendung von Ometepe Tabaken (vollmundig, kräftig, kombiniert mit mexikanischen leicht süsslichen Nuancen) sollte diese Zigarre etwas ganz anderes werden als unsere Flor Real und Isthmus Serien.“

Woher kommt der Kaltduft „Stroh/Stall“? Nun, nach meinem Empfinden kann ich leider diesen Kaltduft nicht teilen. Die Zigarre ist im Kaltgeruch relativ neutral. Das Colorado Deckblatt aus Ecuador ist feinadrig und nicht sehr dick. Dies gibt einen feinen cremigen und nussigen Touch.

Woher kommt der Kaltzug „pfeffrig, herbal“? Mit „herbal“ kann ich leider nichts anfangen, ist mir zu generell. Es gibt viele herbale Aromen: Citrus, Tangerine bis Ylang Ylang. Die pfeffrigen Nuancen wirken aus den mitverwendeten Tabaken aus Nicaragua, welche sich nach einer 3 bis 4 monatigen Lagerung abbauen.

Woher stammt der würzige Start zu Beginn? Alle Nicaragua Zigarren Tabake sind sehr aromatisch. Bei verwendeten Binderblättern und Deckblättern aus Nicaragua kommt diese anfängliche Würze zustande. Die Würze sitzt in den Blattspitzen, dort ist die meiste Kraft (Nikotingehalt). Die Zigarre wird so gerollt, dass sie am Kopf diese Blattspitzen enthält. Deshalb entsteht anfänglich beim Anflammen ein kräftiger Aromastoss. Dieser wird auch durch den anfänglichen Hitzeaufbau verstärkt. Etwa ab 1 cm reduziert sich dieser Aromastoss wieder. Wenn man die Zigarre langsam unter schwacher Flamme anzündet und sanft den Aschering aufbaut, wirkt es weniger extrem.

Wieso hatte ich das Gefühl, dass sie gleichzeitig auch cremig war zu Beginn? Das cremige kommt daher, wie beim Kaltzug bereits festgestellt, vom feinen, lang fermentierten Deckblatt aus Habano Saat (Ecuador). Des Weiteren verstärken die dunklen Mexico Tabake (süsslich) mit den Einlagetabaken aus Ometepe dieses gewollte würzig-cremige und mittelstarke Aroma.

Woher kommt die Kombination süss-zartbitter?  Wir verwenden 3 verschiedene Einlagetabake. Die Kombination süss-zartbitter kommt aus der Tabakmischung Mexico / Ometepe Nicaragua.

Woher kommt die instabile Asche und der Schiefbrand? Dies konnte ich bei von mir gerauchten Zigarren nicht feststellen. Vielleicht war das Fenster beim Jaguar offen. (Hinweis der Red.: Ich rauche nie im Auto… ). Die APR ist im Entubado-Verfahren gerollt, sehr kompakt. Es werden mittelfeine Tabake verwendet, um ein gutes Abbbrandverhalten zu gewährleisten. Bisher habe ich von Kunden keine Kritik diesbezüglich erhalten. Schau mal hier:

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…UPS… das letzte Foto ist der Redaktion hier rein geflutscht. Es zeigt eine Kunst-Studie für ein Kistchenmotiv von ISTHMUS.

Woher kommt retronasal die Empfindung „pfeffrig-stallig“ und „Röstaromen nach brennendem Holz“? „Stallig“ kann ich nicht feststellen. Das pfeffrige habe ich weiter oben bereits beschrieben. Dann zum Thema „Röstaromen nach brennendem Holz“: Ist ja klar, beim Abbrandvorgang verbrennt ja was – jaja 😅  Die Holzaromen können durch die Aufnahme der Zedernholzeinlagen in der Zigarrenkiste kommen. Die Rohtabake sind lang ausfermentiert. Sie bauen das Nicotin und die Eiweissstoffe ab und wandeln sich um in ihre charakteristischen Aromen, welche auch immer die Röstaromen mit beinhalten. Je nach Art der Fermentation und der vorangegangenen Zuführung von Mineralstoffen und PH-balancierende Zusätze bekommen die Tabake ihre bewusst gewollten Aromen und auch Aschebildung (Farbe von tiefgrau bis schneeweiss).

Wieso habe ich nicht noch mehr von diesen Zigarren in meinem Humidor? 🙂  Nun, Daniel hat neue bekommen für die Schweiz.  Oder eine Kiste zum Tauschen gegen deinen Jaguar…

Reaktion von mir: 😳 😝

 

 

Raymondo Bernasconi von GILBERT DE MONTSALVAT, Lounge Edition, Pyramides

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Ich nehme den Geschmack wie folgt wahr:

  • Kaltduft: Herrlich schokoladig
  • Kaltzug: feinherbe, süssliche Schokolade
  • Zusammenfassung: Sie startet sanft würzig und cremig. Die erste Hälfte ist sanft süsslich. Retronasal empfinde ich schokoladige Röstaromen und irgendwie ein „tiefer“ Tabakgeschmack am Gaumen. Herrlich. Die zweite Hälfte wird süsser. Retronasal bekommt sie etwas Würze und die schokoladigen Röstaromen werden intensiver. Auch hier bleibt am Gaumen ein „tiefer“ Tabakgeschmack hängen, hinzu kommen jetzt zartbittere Geschmacksnuancen – herrlich ausbalanciert. Diese Süsse, zartbitter, Würze und die retronasalen schokoladigen Röstaromen sind einfach wunderbar.

Welcher Geschmack wurde beabsichtigt? „Ich wollte eine Zigarre mit Ecken und Kanten“ sagt Raymondo Bernasconi, der Markeneigner von GILBERT DE MONTSALVAT. „Wenn man die Lounge Edition Pyramides raucht, entwickelt sich ein herrlicher süsslicher und zartbitterer Geschmack nach Mandeln. Und während des Smokes überrascht die Zigarre immer wieder mit einer Steigerung einer der Geschmackseigenschaften – eben eine Zigarre mit Ecken und Kanten.“

Woher kommt der Kaltduft und der Kaltzug: Herrlich schokoladig? Ich denke, dass der Tabaksamen auch seinen Teil dazu beiträgt. Wie viel, weiss ich nicht. Hauptsächlich ist die Fermentation dafür massgebend.

Woher kommt die Wahrnehmung „retronasal schokoladige Röstaromen“? Am oberen Teil des Gaumens und in der Nase hat man die grösste Sensorik. Sehr wichtig ist, dass der Tabak qualitativ hochwertig und sehr gut fermentiert ist. 

Woher kommt der zartbittere, süssliche und würzige Geschmack? Ein zartbitterer Geschmack nach Mandeln gefällt mir persönlich sehr gut. Es gibt Zigarren, die wir zwar gut verkaufen, mir aber der fast schon zu bittere Geschmack zu viel ist. Wenn eine Zigarre noch etwas frisch ist, dann hat der Tabak noch Ammoniak. Das könnte auch einen Einfluss darauf haben, dass eine Zigarre zu bitter schmecken kann. Ammoniak wie Nikotin sind natürliche Bestandteile des Tabaks. Durch die Fermentation und vor allem durch die Lagerung zersetzen sie sich und das Ammoniak verflüchtigt sich. In der Fermentationshalle ist so viel Ammoniak, dass einem die Augen tränen können. Die Kombination, die du hier ansprichst zwischen zartbitter, süsslich und würzig, ist die Kombination der verschiedenen Tabakblätter in der richtigen Mengenkonstellation zueinander.

Wie kommt die Balance zustande, damit alles harmonisch abgestimmt ist? Balance ist das, was eine Zigarre ausmacht. Je mehr ausbalanciert sie ist, desto mehr macht sie Spass beim Rauchen. Die Balance ist das „A“ und „O“ des Blenders. Das ist das, was er beherrschen muss. Ein Blender alleine ist aber noch nicht genug. Es braucht auch den Roller. Stell dir vor, eine Robusto hat 12,7 Gramm Tabak. Du hast Deckblatt, Umblatt und Einlage. Man nimmt verschiedene Komponenten zusammen. Weicht man bei der Zusammensetzung ab, hat man eine ganz andere Zigarre. Die meisten wiegen den Tabak auf das Gramm genau ab, bevor gerollt wird. Wenn man hier nicht sauber arbeitet, hat man innerhalb der Linie einer Zigarre Schwankungen im Geschmack.

Ich möchte gerne noch etwas anfügen, was ich für sehr wichtig halte. In all meinen Schulungen und Ausbildungen, die ich bisher über Zigarren lernen durfte, habe ich etwas wichtiges gelernt: Das Deckblatt hat bis zu 70% Einfluss auf den Geschmack einer Zigarre. Früher hatte ich immer das Gefühl, das kann nicht stimmen. Die einen sagen es stimmt, die anderen sagen es stimmt nicht. Im Juni 2017 hatten wir hier im House Of Smoke ein Seminar mit José Blanco. Anhand einer eigens angefertigten Zigarre von E.P Carrillo erlebten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen die feinen und grossen Unterschiede von unterschiedlichen Deckblättern auf einer Zigarre. Wir hatten vier unterschiedliche Deckblätter auf einer Zigarre – hintereinander aufgerollt. Die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen waren frappierend – wie ein umgedrehter Handschuh! Ich finde es faszinierend, dass das Deckblatt 60%-70% des Geschmacks ausmacht. 

 

Sam Reuter von OETTINGER DAVIDOFF, Winston Churchill Late Hour, Churchill

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Ich nehme den Geschmack wie folgt wahr:

  • Kaltduft: süsslich
  • Kaltzug: sanft floral, schwacher Zugwiderstand
  • Zusammenfassung: Sie startet sanft zartbitter, sanft in der Würze und sanft süsslich. Die erste Hälfte entwickelt sich und wird süsser. Die Mischung am Gaumen zwischen zartbitter uns süsslich gefällt mir. Retronasal habe ich einen ganz kurzen Anflug von Ammoniak wahrgenommen und sanfte Röstaromen nach Süssholz. Sie glimmt nicht sehr lange, ich muss aufpassen. Die zweite Hälfte intensiviert sich: Alles wird „mehr“ > süsslich, zartbitter, etwas „dumpf“ (positiv gemeint), sanft würzig. Ein richtig vollmundiger Geschmack. Retronasal schöne Röstaromen nach Süssholz, jetzt allerdings herber, sehr schön. Ein toller Smoke!

 

Welcher Geschmack wurde beabsichtigt? „Die Besonderheit ist das Cask Ageing“ sagt Sam Reuter, Blending-Spezialist bei OETTINGER DAVIDOFF „ „Die Reifung in Fässern, in denen zuvor schottischer Single Malt Whisky schlummerte, verstärkt die Süsse und Tiefe des Tabakaromas. Der für The Late Hour zusammengestellte Blend enthält Condega Visus Tabak, dessen Blätter fest zusammengepresst in zehn Fässern aus Amerikanischer Weiss-Eiche lagern, in denen zuvor Single Malt Whisky von der schottischen Speyside heranreifte. Mit zunehmender Wärme in den versiegelten Fässern durchläuft der Tabak einen Fermentierungsprozess. Nach drei Monaten werden die Tabakblätter umgeschichtet um weitere 3 Monate zu reifen. Alles in allem nimmt er sechs Monate lang die Aromen von Holz und Whisky auf und ist dann erst bereit für den Blend der Winston Churchill – The Late Hour.““

Woher kommt der Kaltduft und Kaltzug: Süsslich resp. sanft floral? Beim Kaltduft kommt der süssliche Duft vom Deckblatt. Der sanft florare Geschmack beim Kaltzug kommt vom Nicaragua Condega Visus Tabak, der in den Whisky-Fässern gelagert wurde. Dieser Tabak hat so bereits eine süsslich Note. Aber in Kombination mit der Lagerung in den Whisky Fässern wird die Süsse bis tief in den Tabak „transportiert“. Zusätzlich gibt es einen dominikanischen Tabak in der Einlage, der bekannt für seine süssliche Note ist.

Woher kommt der schwache Zugwiderstand? Schwacher Zugwiderstand ist generell vorteilhafter, als wenn die Zigarre zu fest ist oder gar nicht zieht. Vielleicht fehlt etwas Tabak in der Einlage, d.h. die Luft kann mehr durchkommen. Oder vielleicht ist ein solches Exemplar etwas trocken, dann ist der Zugwiderstand auch etwas schwächer als üblich.

Woher kam der rasche Anflug von Ammoniak? Ammoniak kann vorkommen, wenn eine Zigarre noch etwas frisch und nicht genügend abgelagert ist. Sobald unsere Zigarren in die Schweiz kommen, werden sie für 2-3 Monate gelagert. Manchmal verlangt der Markt aber einen rascheren Verkauf und dann verschicken wir sie an die Händler. Ammoniak verflüchtigt sich allerdings in den nächsten Monaten.

Woher kommt die Wahrnehmung „retronasal Röstaromen nach Süssholz“? Ich finde es gut, dass du das Thema „retronasal“ ansprichst. Ich vermute, dass es nur etwa 1%-2% der Zigarrenraucher sind, die retronasal rauchen. Ich sage es immer wieder: Es ist wichtig, dass man den Rauch auch durch die Nase ausatmet, weil dort enorm viele Rezeptoren sind, die sehr empfindlich sind und den Geschmack intensivieren. „Süssholz“, oder die Süsse im Holz, kommt von der Tabakmischung her. Der verwendete Nicaragua Tabak in der Einlage gibt eine schöne Süsse. Dominikanische Tabake haben eine schöne Holznote. Und diese Kombination ergibt dieses „Süssholz“-Aroma.

Warum glimmte sie eher schlecht? Ich denke, das lag daran, dass dein Exemplar etwas zu frisch war. In der Einlage haben wir alles Visus Tabake, ausser einen Secco. Das heisst, der Zigarrenroller muss ganz genau arbeiten und die Einlage korrekt ineinander vermengen und rollen. Der stärkste Tabak muss immer in der Mitte der Einlage sein, denn er brennt weniger schnell ab (konischer Abbrand). Vielleicht war der Zigarrenroller etwas müde und unaufmerksam mit deinem Exemplar.

Woher stammt der Geschmack „süsslich“ und „würzig“ und warum wird er im Verlauf des Smokes intensiver? Auf die Mischung kommt es an: Es sind ca. 30% Nicaragua Tabake, der Rest der Einlage stammt aus der Dominikanischen Republik, das Umblatt stammt aus Mexiko und das dunklere Deckblatt stammt aus Ecuador. Das ergibt eine ledrig-würzige Mischung. Wie bereits erwähnt, intensiviert die Lagerung des Condega Visus Tabaks in Whisky Fässern die schon natürlich Süsse dieses Tabaks. Interessant ist auch, wie sich die Zigarre beim Rauchen entwickelt: Zuerst ist sie nussig-süsslich, danach kommt das etwas pfeffrige Aroma und gegen Schluss das würzige Aroma. Die Tabake sind sehr ölig und bringen so mehr Aroma mit sich.

Wie kommt die Balance zustande, damit alles harmonisch abgestimmt ist? Wenn du unser Masterblender wärst und eine Mischung rauchen würdest, dann würdest du nie sagen: Diese Zigarre schmeckt schokoladig oder holzig oder erdig… Der Masterblender sagt sofort die Stimulation der Zigarre. Das primäre Ziel des Masterblenders ist es, dass die Zigarre geschmacklich ausbalanciert ist. Das heisst: Salzig, bitter, süss und sauer. Diese „Zonen“ müssen gleichzeitig stimuliert werden. Damit das gelingt, brauchst du einen sehr hochwertigen Tabak und du musst dem Tabak genügend Zeit für die Fermentation geben. Sobald ein Tabak korrekt fermentiert und gelagert ist, bekommst du diese Balance. Natürlich musst du wissen, wie jeder Tabak zusammenspielt. Im Fall der „Late Hour“ haben wir vier Herkunftsländer des Tabaks und die Idee war es, dass jeder dieser Tabake einen Charakterzug von Sir Winston verkörpert. Also müssen wir analysieren, wie spielen und harmonieren diese unterschiedlichen Tabake miteinander. Das ist die Magie des Blendens. Unser Masterblender Eladio Diaz hat über 30 Jahre Erfahrung und weiss bis ins kleinste Detail, wie die Tabake miteinander harmonieren.

 

 

Michael Blumendeller von VILLIGER, CORRIDA Honduras, Toro, war massgeblich an dieser neuen erfolgreichen Marke beteiligt

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Ich nehme den Geschmack wie folgt wahr:

  • Kaltduft: Sehr sanft nach Stroh
  • Kaltzug: Floral süsslich
  • Zusammenfassung: Man täuscht sich bei dieser Zigarre: Sie ist zwar leicht, aber man sollte sie nicht auf nüchternen Magen verkosten. Sie entwickelt sich einerseits im Geschmack und auch in ihrer Stärke. Das Nikotin schleicht sich ganz subtil ein. Der Smoke ist sehr schön und ausbalanciert: Sie beginnt sanft mit säuerlichen-zartbitteren Noten (sehr angenehm) und in der ersten Hälfte kommt schon etwas Süsse hinzu. Ab der zweiten Hälfte steigert sich die Süsse und übernimmt die Oberhand, allerdings ganz knapp. Denn gleich dahinter sind herrliche zartbittere Nuancen vorhanden vermischt mit einer angenehmen Säure. Sehr gute Balance. Unbedingt sollte man diese ansonsten „leichte“ Zigarre retronasal verkosten. Diese herrlichen Röstaromen nach brennenden Holzzweigen sollte man nicht missen. Die Brennbarkeit: Der Schiefbrand muss mit der Flamme korrigiert werden. Das ist nichts dramatisches, denn das Gesamtergebnis spricht ja eindeutig für die hohe Qualität dieser Zigarre.

Welcher Geschmack wurde beabsichtigt? „Die CORRIDA Honduras überrascht zum Start gleich mit feinwürzige Holz-, Erd- und Lederaromen mittlerer Intensität“, sagt Michael Blumendeller. „Kein „Vorspiel“, sondern gleich die volle Intensität. Das Ganze soll sich dann entwickeln, mit leichten Nuancen von Kaffee, ein wenig Schokolade und einigen Röstaromen. Alles in allem durchaus kubanische Geschmacksattribute, die erzielt / erreicht werden sollten.“

Woher kommt der Kaltduft: Sehr sanft nach Stroh und der Kaltzug „floral süsslich“? Eine Zigarre kalt, also nicht entzündet, zu ziehen hat verschiedene Gründe. So lässt sich zum Beispiel im Voraus der Zugwiderstand prüfen und kontrollieren, ob die Zigarre den Vorstellungen entsprechend angeschnitten ist. Er lässt außerdem vorab Schlüsse über die Qualität der Zigarre zu. Der Kaltzug offenbart geschmackliche Geheimnisse, die im angezündeten Zustand verborgen bleiben. Wer seine Zigarren näher kennen lernen möchte, vertraut auf den Kaltzug. Bei der CORRIDA Honduras erwartet den Aficionado angenehm würzige Noten von Kaffee, Leder, Holz. Im Kaltgeruch erinnerte sie in der Tat etwas an kubanische Cigarren, fein würzig und etwas kräftiger.

Woher kommt der viele Nikotin? Sie kennen sicher den kleinen Aufdruck, der sich auf jeder Zigarettenschachtel befindet, auf dem sich Angaben über den Durchschnittsgehalt von Teer, Kohlenmonoxid und eben Nikotin befinden. Der Nikotingehalt liegt üblicherweise bei etwa acht Milligramm. Durch die enorme Vielfalt an verschiedensten Tabaken und Formen ist dies bei Cigarren nicht möglich und vom Gesetzgeber auch nicht vorgesehen. Grundsätzlich liegt er mit mindestens 100 Milligramm aber deutlich über dem von Zigaretten, er kann auch Werte von bis zu 400 Milligramm erreichen. Zwar verfügt eine Cigarre auch über eine Art „natürlichen Filter“: Da Sie Ihre kleinen Schätze ja nicht wirklich bis zum Ende rauchen, erfüllt das letzte Stück eine Doppelfunktion; es filtert den Rauch und kühlt ihn zugleich. Der Nikotingehalt selbst jedoch wird dadurch kaum beeinflusst. Bei der CORRIDA Honduras trägt sicherlich der Anteil der Tabake aus Honduras zum Nikotingehalt bei. Lange Zeit galt in Honduras ein Gesetz, das die Herstellung von Cigarren nur mit einheimischem Tabak erlaubte. Die Produktion hochwertiger Premium-Cigarren wurde dadurch erschwert, da nicht auf herausragenden Tabak aus anderen Ländern zurückgegriffen werden konnte. Das Gesetz galt bis Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Der ursprüngliche, aus Honduras stammende Tabak wird von vielen Experten als sehr mild eingestuft. Erst die Mischung mit Tabaken aus anderen Ländern verleiht den Cigarren aus Honduras heute ihren bekannten würzigeren Charakter.

Woher kommt der säuerliche, zartbittere und süssliche Geschmack? Der säuerlich, zartbittere und süßliche Geschmack, den Sie bei der CORRIDA Honduras schmecken, sind Geschmackscharakteristika aus Anbaugebiet und Bodenbeschaffenheit. Je nach Anbaujahr des Tabaks, Sonneneinstrahlungsmenge und Klima können bei einem 100%igen Naturprodukt selbstverständlich immer solche kleinen Variationen auftreten und sind kein Merkmal mangelnder Qualität.

 

Woher kommt der Schiefbrand? Schief- und Tunnelbrand ist leider einer der häufigsten Störfaktoren beim Genuss einer Premium Cigarre. Die Korrektur eines solchen erklärt sich eigentlich von selbst. Halten sie den überstehenden Teil des Brandendes über die Flamme bis er glüht und pusten Sie in die Glut. Wiederholen Sie dieses Vorgehen bis die Kirsche wieder kreisrund ist. Letzten Endes bleibt der wichtigste Tipp zum Rauchen einer Cigarre, sich die nötige Zeit zu nehmen und jeder Cigarre mit dem ihr angemessenen Respekt zu begegnen. Der Cigarrenraucher der diesen Rat verinnerlicht hat, dem wird so leicht nichts mehr aus der Ruhe bringen und er wird auch bei der CORRIDA Honduras keinen Schiefbrand erleben.

Wie kommt die Balance zustande, damit alles harmonisch abgestimmt ist? Solch eine Balance der Tabake kann nur entstehen, wenn sehr gut ausgebildete Buncher die vorgegebene Einlage so unter das Umblatt verteilen, dass bei Rauchen der Cigarre alle Komponenten gleichmäßig ihren Anteil leisten. Bei der CORRIDA Honduras wurden die einzelnen Komponenten für die Einlage durch die Erfahrung, das Wissens und die Leidenschaft der erfahrensten Masterblender entsprechend ausgewählt und in diversen Tastings getestet und Probe geraucht, bis wir unseren Aficionados die CORRIDA Honduras präsentieren konnten.

 

Bonus-Antwort: Warum kann eine Zigarre adstringierend sein? (Der Gaumen und die Zunge „ziehen sich zusammen“)

Ein Zigarrenproduzent gab Auskunft. Folgende Faktoren können massgebend sein:

  • Die persönliche Tagesform
  • Oder die Zigarre ist noch sehr frisch, also noch nicht ausreichend fermentierter Tabak.
  • Oder die Verwendung von zu hohem Anteil an Secco Tabaken (untere Blätter). Wenn mehr als 33% verwendet werden, verlangt der Gaumen nach Trinken. Sofern der Secco Tabak zu kurz fermentiert wurde (also noch etwas „grün“ ist) steigert sich dieser Effekt: Der Gaumen wird trocken, es kratzt.

 

Die Zigarre von innen

Ich habe eine Zigarre geöffnet, die auf mich stark adstringierend einwirkte und das folgende Foto einem Tabakproduzenten gezeigt. Bei der Analyse wusste er nicht, um welche Zigarre es sich handelte.

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Ganz innen in der Zigarre ist der Secco-Anteil, hier grün markiert. Secco sind die untersten Blätter der Tabakplanze. Drumherum waren die dunklen Blätter gerollt, hier Rot markiert. Dann folgte drumherum der weiss und blau markierte Tabak. Ganz rechts ist der Binder. Das Deckblatt ist nicht auf dem Foto. Der Tabakproduzent sagte: „Ich sehe das Deckblatt nicht auf dem Foto. Auch kein Ligero ist drin. Auf dem Foto erkenne ich Secco und Viso Tabak.“ Später fragte er mich, ob diese Zigarre aus der Dom. Republik sei. Als ich es ihm sagte, dass sie aus Nicaragua stammt, sagte er:  „Der Tabak kann aus verschiedenen Anbaugebieten stammen. Der Secco Tabak aus Esteli ist anders als der Secco Tabak aus Jalapa.“

Die Analyse:

  • Er bat mich, am Secco Tabak zu lecken und einen Strang anzuzünden. Meine Zunge wurde sofort trocken und zog sich zusammen. Der Duft des glimmenden Tabaks war „kratzig“.
  • Der Duft beim grün markierten Tabak: Es roch normal nach Tabak.
  • Der Duft beim rot markierten Tabak: Riecht etwas muffig.
  • Der Duft beim weiss markierten Tabak: Riecht etwas weniger muffig.
  • Der Duft beim blau markierten Tabak: Deutlich, aber sanft wie ein feuchter, alter Waschlappen.
  • Der Duft vom Binder: Roch ganz normal nach Tabak.

Fazit > Bitte mit Bedacht lesen und verstehen!

Die Anlayse meiner Quelle sagt:

Bitte das Folgende mit Bedacht verstehen. Zu deinem trockenen Gaumen und dem was ich auf dem Foto erkenne und wie du den Geschmack und Duft der Tabakblätter beschrieben hast, kann ich folgendes sagen: Die Anteile der verwendeten Einlage ist in etwa je ein Drittel. Der weiss markierte Tabak sieht für mich „vermodert“ aus – ohne viel Aroma – tot. Der rot markierte Tabak könnte eventuell überhitzt gewesen sein beim fermentieren, er sieht grob und feucht aus. Der grün markierte Tabak (der Secco) ist sehr hell, vielleicht noch zu frisch – das ergibt einen grasigen, kratzigen und trockenen Geschmack.“