Das erste mal auf das Thema Reifelagerung von Zigarren bin ich beim Autor Min Ron Nee gestossen. Davor wusste ich nicht, warum insbesondere kubanische Zigarren ab und zu richtig schlecht schmeckten. Die gleiche Marke und das gleiche Format können oft ganz unterschiedlich schmecken: Das eine Mal wundervoll und das andere Mal grässlich. Und: Zigarren, die nicht von Kuba stammen, schmecken nach dem Kauf sofort. Woran liegt das?

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 06.04.2015 auf den neuesten Stand gebracht.

Die Reifelagerung von Zigarren ist hautpsächlich bei Sammlern kubanischer Zigarren ein Dauerthema. Der Kenner weiss: Man kauft ganze Kisten und lagert sie für mehrere Jahre unter fachgerechten Bedingungen. Erst dann entfalten kubanische Zigarren ihr ganzes Aroma und ihre Geschmacksvielfalt. Wie steht es aber für Geniesser, die einzelne Zigarren kaufen? 

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Warum sollte man kubanische Zigarren zunächst lagern und warum sind Zigarren aus anderen Ländern sofort zum verkosten geeignet?

Kuba hat keine Ressourcen. Der verwendete Tabak ist noch sehr frisch. Deshalb sollte man kubanische Zigarren zunächst mehrere Jahre lagern. Auf der Rückseite der Kiste sind div. Stempel angebracht. Bei diesem Beispiel links: FEB09, die Zigarren wurden im Februar 2009 in die Kiste gelegt. Kaufst du kubanische Zigarren, die vor einem oder zwei Jahren in die Kiste kamen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie noch nicht ausgereift sind. Allerdings kommt es auch auf die Stärke der Zigarre und dessen Format an sowie auf die Kiste (verzierte Kiste, Naturholzkiste, Cabinetkiste). Ich kann dir folgenden Artikel empfehlen: Experiment Reifelagerung kubanischer Zigarren. Dort beschreibe ich die Stärke, sowie die drei Phasen der Lagerung. Andere Länder können auf gereiften Tabak zurück greifen und daher sind solche Zigarren sofort zum Verkosten geeignet. Allerdings hat sich auch hier schon herausgestellt, dass gereifte Zigarren oftmals besser schmecken als frisch gekaufte. Hier gibt es zwei weitere Experimente von mir: Leon Jimenes und 30-Jahre-Experiment Tatuaje.

Weiterer Tipp: Interview mit Raymondo Bernasconi, Markeneigner von GILBERT, er beschreibt das Problem mit Kuba.

Die Phasen der Reifelagerung von Zigarren

Min Ron Nee unterscheidet hierbei mehrere Phasen, die sich ausschliesslich auf kubanische Zigarren beziehen:

1. Phase „Sick Period“, also die „kranke Phase“. Hier baut sich der Ammoniak zunächst ab. In dieser Phase sollten die Zigarren nicht geraucht werden. Sie schmecken ausgesprochen „hart“ und „grün“, der Mund wird trocken, sie ist „bissig“. Der Autor beschreibt die einzelnen Phasen der Reifelagerung sehr genau. Ich habe im Anschluss an den Artikel einen Link zu seinem Buch gesetzt. Erst nach dessen Lektüre und nach Gesprächen unter Gleichgesinnten erkannte ich das Potenzial der Reifelagerung von Zigarren. Und: Wie man das auch mit überblickbarem Budget und wenig Platz zu Hause auch machen kann 🙂

Ammoniak schmeckt nicht

Zigarren sind ein Naturprodukt. Der fermentierte Tabak entwickelt sich in einer Zigarre weiter. Unter bestimmten Bedingungen schneller, oder langsamer. Der fermentierte Tabak wird vor dem Rollen der Zigarre befeuchtet. Dadurch wird Ammoniak freigesetzt und der Tabak fermentiert weiter. Die Zigarre wird gerollt, verpackt und im Herstellungsland für eine bestimmte, sehr kurze Zeit gelagert. Die Zigarrenindustrie ist verkaufsorientiert. Daher kommen die Zigarren nach ihrer Herstellung schnell auf den Markt. Dann kann es durchaus passieren, dass die Zigarre ganz furchtbar schmeckt. Das Ammoniak muss sich zuerst verflüchtigen. Das kann mehrere Monate bis mehrere Jahre dauern. Ausnahmen gibt es auch auf Kuba: Reserva, Gran Reserva, Limited Editionen sind Chargen, die mit mehreren Jahren gelagertem Tabak entstanden sind. Doch auch hier zeigt sich: Zuerst lagern, dann geniessen.

Nicht kubanische Zigarren sind sofort rauchbar

Vielleicht hast du diese Erfahrung auch schon gemacht: Zigarren, die nicht aus Kuba stammen, sind sofort rauchbar. Ob hier der Tabak länger reift als auf Kuba, oder ob es mit der Bodenbeschaffenheit zu tun hat – da „streiten“ sich sogar die Fachleute ab und zu. Schlussendlich ist es egal, denn Fakt ist: Nicht kubanische Zigarren sind „in der Regel“ tatsächlich sofort rauchbar. Punkt. Fakt ist aber auch: Sie verwenden länger gelagerten Tabak. 

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Wie lange sollen kubanische Zigarren reifen?

Das hängt von der Marke, dem Format und der Tabakmischung zusammen (Blend). Und: Ob man die Zigarren in Kisten oder einzeln lagert. Es gibt eine Faustregel, die jedoch im Detail nicht immer der einzelnen Zigarre entspricht:

In Kisten gelagert: Ca. 3 – 5 Jahre Mindestreifezeit / In Kabinettkisten gelagert: Ca. 5 – 10 Jahre Mindestreifezeit / Die rel. Luftfeuchtigkeit soll zwischen ca. 68% sein. Es sollte nicht über 69% sein. Die Temperatur bei ca. 24° Celsius. Wir sprechen hierbei über Werte, die ein „normaler“ Zigarrenraucher bei sich zu Hause hat. Der wahre Kenner lagert seine Zigarrensammlung konstant etwas kühler und behält die Luftfeuchtigkeit im Auge, damit die Zigarren nicht zu schimmeln anfangen.

Einzelne Zigarren: Ca. 1 – 2  Jahre Mindestreifezeit.

In dieser Zeit baut sich das Ammoniak weitgehendst ab. Ich hatte einmal eine Trinidad Limited Edition 2007, gekauft 2013. Die Zigarren rochen immer noch leicht nach Ammoniak. Ich habe sie dann für rund 5 Monate einzeln ohne Kiste im Humidor gelagert. Das Ammoniak hat sich verflüchtigt und die Zigarren schmeckten danach sehr lecker.

 

Welche Zigarren eignen sich am besten für die Reifelagerung?

Alle kubanischen Zigarren haben Potenzial. Es gibt keine „beste“. Nicht kubanische Zigarren machen nach wenigen Jahren auch eine Reifung durch, sie werden nach meinem persönlichen Geschmacksempfinden jedoch nicht so raffiniert vielschichtig wie kubanische Zigarren.

 

Kann sich in der Kiste Schimmel oder Zigarrenblüte bilden?

Natürlich. Schimmel gedeiht gerne in kühleren und dunklen „Ecken“. Schimmel ist eher grau in der Farbe, Zigarrenblüte hingegen weiss (sie hat viele Punkte). Zigarrenblüte kannst du einfach abwischen. Schimmel hingegen kann eine Zigarre verderben (wegen des Geschmacks). Ich hatte einmal eine Kabinettkiste Cohiba Robustos. Die war im Humidor. Es war warm, etwa 25° Celsius, mehrere Wochen. Die relative Luftfeuchtigkeit stieg im Humidor während dieser Zeit auf etwa 75%. Ich liesse den Deckel etwa eine Woche lang einen Spalt offen, das hat geholfen. Ich öffnete die Kabinettkiste und ich sah eine Art „grauen Schleier“ auf der Oberfläche der Zigarren. Ich roch daran, konnte aber nichts besonderes erkennen; Ausser, dass es einbisschen „muffig“ roch. Ich säuberte die Zigarren, liess sie etwa zwei Wochen im Humidor liegen (OHNE die Kabinettkiste). Der „graue Schleier“ kam nicht wieder. Ich legte sie zurück in die Kabinettkiste und diese wieder in den Humidor. Seither habe ich das Problem nicht mehr. Ob es wirklich Schimmel war, weiss ich nicht. Aber die Zigarren konnte ich offenbar retten. Heute duften sie herrlich nach Tabak, müssen aber noch weiter reifen.

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Weiterführende Links über Lagerung von Zigarren