Partagas Derby aus 1960 im Dauer Review

Liebe ZigarrenZone Freunde, heute präsentiere ich euch eine Rarität in dreifacher Hinsicht: Erstens sind das Zigarren aus etwa September 1960. Zweitens ist die Partagas „Derby“ mir bisher noch nie unter die Augen gekommen und sie ist in der Fachliteratur nicht zu finden. Und drittens trägt sie unter der Partagas-Anilla eine weitere Anilla. Das ist eine Steuer-Anilla und sehr selten zu finden (siehe Foto im Anschluss).

Das ist noch eine Partags der „alten Schule“: Heute noch eine Stärke 3/5.

Die zweite Anilla ist etwas sehr seltenes

WILHELM H. BERG Foto: David Ausserhofer

Im bekannten Buch „Partagas“ ist der deutsche Text leider zu ungenau und man weiss nicht genau, was gemeint ist.

Deshalb lassen wir Herrn Wilhelm Berg zu Wort kommen. Wilhelm Berg ist Kenner der Vitolphilie (hier ein Interview auf ZigarrenZone) und kann uns folgendes darüber sagen:

„“Ich gehe davon aus, dass es sich um eine vergleichbare Steuerbanderole handelt.

Die Information ist korrekt und ist eine Besonderheit, da es eine spezielle Banderole ist, die anzeigt, dass es zwei unterschiedliche Verkaufskanäle gab. 
 
Für Kunden, die nicht in den Genuß einer innerkubanischen Befreiung von dieser Zusatzzahlung kommen konnten, musste durch diese Zusatzbanderole nachgewiesen werden, dass die nicht zum staatlichen Monopol gehörigen Verkäufer die entsprechende Steuer entrichtet hatten. 
 
Diese Steurbanderole beinhaltet somit eine Besonderheit, da sie eine Sondersteuer zur Rückzahlung des Kredites an die USA durch den Kubanischen Staat bezeichnet. 
Normalerweise weisen die Steuerbanderolen ausschliesslich die Zahlung der Tabaksteuer an den jeweiligen Staat aus und man erfährt nichts über die Verwendung der Steuer. Dies geschieht zumeist auf der Verpackung (Kiste/Box) und sehr selten auf der einzelnen Zigarre. Ausnahmen bestätigen die Regel: Siehe Belgien, hier wird zusätzlich zur Herstellerbanderole eine zweite Steuerbanderole für den Detailverkauf einzelner Zigarren angebracht.
 
Noch ein Hinweis: Es war schon immer und ist noch heute eine Praxis, sich Ernten im voraus finanzieren zu lassen. Hier gibt es eine lange Tradition z.B. mit der staatlichen Tabacalera in Spanien oder in der Vergangenheit mit der SEITA in Frankreich. Diese staatliche Stellen sind bzw. waren und auch für die lokale Steuerabführung zuständig waren. Dies fiel dem Konsumenten nicht auf, da  keine zusätzliche Information auf den Banderolen aufgebracht wurde.“

Verkostungsnotizen vom 27.02.17 / 04.03.17 / 26.06.18

Betrachtung

  • Für das Alter absolut perfekt. Die Zigarren wurden über all die Jahre sehr gut gelagert
  • Unter der Anilla hat es eine zweite Anilla. Sehr selten. Beachte bitte den Text oben.

Kaltduft

  • Alle Zigarren in der Schachtel riechen muffig und etwas modrig. Das hat damit zu tun, weil die Zigarren in der Originalkiste mit dem Papier gelagert wurden. Dem Papier tut die Luftftfeuchte über die Jahre nicht gut und der modrige Geruch geht auf die Zigarren über.
  • Die einzelnen Zigarren, nachdem sie etwa 30 Minuten ausserhalb des Kistchens verbracht haben: Der modrige Geruch ist eindeutig reduziert worden.

Kaltzug

  • sanft herbal-modrig

Die ersten Minuten nach dem Anzünden

  • Sehr leicht.
  • Sanfter, aber dennoch „tiefer“ Tabakgeschmack.
  • Retronasal wenig feuchtes Stroh das brennt.

Erste Hälfte

  • Die Zigarre brennt schnurgerade ab.
  • Die Asche hält fast ein ganzes Drittel.
  • Sanftes Stroh, etwas sanft feuchtes Leder.
  • Retronasal wunderbare Röstaromen nach Wiesenblüten, die am verwelken sind: Säuerlich-süsslich.

Zweite Hälfte

  • Sie entwickelt sich. Sie bleibt jedoch sehr sanft. Keine Schärfe. Kein Pfeffer.
  • Retronasal wie erste Hälfte, aber stärker und dominanter.
  • Schiefbrand setzt ein, muss mit der Flamme korrigiert werden.

Fazit

Herrlich. Für eine Zigarre aus etwa September 1960 ist sie in einem ausgezeichneten Zustand. Der modrige und muffige Geruch kommt vom Papier im Kistchen. Das ist normal, denn Papier bei der Luftfeuchte über all die Jahre nimmt einen muffigen Geruch an, welcher sich auf die Zigarren überträgt. Wer seine Zigarren altern will, und das über Jahre oder Jahrzehnte, sollte sie stets in Kabinetkistchen lagern ohne Papier. Der Geschmack ist für mich absolut faszinierend. Man kann so eine Zigarre niemals mit einer frischen oder jungen Zigarre vergleichen. Tipp: So alte Zigarren vor dem Verkosten mit Wasser befeuchteten Fingern „abwaschen“, damit das Deckblatt Feuchte aufnehmen kann. Danach etwa 10 Minuten stehen lassen und danach verkosten.

  • Boxdate: Etwa September 1960
  • Empfohlene Mindestreifezeit: 5 Jahre
  • Deckblatt Farbe: Colorado (Zigarrenfarben erkennen)
  • Verpackung: Ohne Cellophan
  • Grösse: 129 mm, Ring 42 (16.67 mm)
  • Format:
    • Vitola de Galera: Derby? > Was ist das?
    • Vitola de Salida: Petit Corona
  • Land: Kuba

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Vasilij Ratej

Ich bin Herausgeber von ZigarrenZone. Ich bedanke mich für deine Zeit, die du in meinem Blog verbringst, das schätze ich sehr. Falls du Fragen / Kommentare hast: Frage / kommentiere, ich freue mich :)

9 Gedanken zu „Partagas Derby aus 1960 im Dauer Review

  • 6. März 2017 um 19:05
    Permalink

    Du hast schon recht bezüglich Wasser und Zigarren!

    Ich meinte diesen Winkel – der ist „Falsch“ … Komplett senkrecht ‚wäre‘ „Richtig“ … !?!

    ❤?✌

  • 5. März 2017 um 21:51
    Permalink

    Muss man nicht, aber man kann, bei so alten Zigarren – pflutsch – 1/2 Sekunde reicht 🙂 🙂

  • 5. März 2017 um 21:48
    Permalink

    Sehr guter und diesmal ausgezeichneter Genuss-Newsletter! Auch dieser Beitrag gut!

    ABER (;-) ): Zigarren hält man(n) sooo nicht unters Wasser wie im Bild oben!
    Habe diesbezüglich einmal einen Text und vor allem einen Link in einem Kommentar hinterlassen …

    ❤?✌

  • 5. März 2017 um 16:55
    Permalink

    Hallo Vasilij,
    Sehr guter Bericht, fundiert wie immer.
    Lg Werner

  • 5. März 2017 um 11:06
    Permalink

    Es ist ja an sich schon unglaublich was Du so alles verkostest.Aber das hier setzt dem ganzen wohl die Krone auf.

  • 5. März 2017 um 10:40
    Permalink

    Hallo Adrian, vielen Dank für dein freundliches Feedback 🙂

  • 5. März 2017 um 10:36
    Permalink

    Hallo Vasilij
    Ich habe auch heute morgen wieder mit grossem Interesse deinen neuen Genussbrief gelesen. Auch dieses Mal war das Thema wieder sehr spannend und faszinierend. Immer wieder verblüfft mich deine aussergewöhnliche Themenwahl. Herzlichen Dank an dieser Stelle für deinen grossartigen Einsatz!

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