Liebe Zigarren.Zone Freunde, ein grosszügiger ZigarrenZone-Leser (Steffen Roecker) hat mir zwei Zigarren für ein Blind-Tasting geschickt: Eine Cohiba Limitada 2001 und eine Hoyo de Monterrey Limitada 2003. Er wollte meine Meinung dazu wissen, um seine Analyse zu bestätigen oder zu widerlegen. 

Die Fotos der Kistchen sehen soweit gut aus und anhand dessen kann man sie als Originalware bezeichnen. Allerdings ist die Quelle ein Parallel- und Grauimport. Daher ist nicht einwandfrei festzustellen, ob Originalware oder Fälschungen. Kann ich anhand des Geschmacks herausfinden, ob es sich um Originalware handelt? Oder ob ich die Cohiba und die Hoyo de Monterrey anhand des Geschmacks erkenne?

Jetzt wird es spannend, ich schreite zur Blindverkostung… Die Fotos der Zigarren und der Kistchen folgen im Anschluss des Textes.

HAVE A GOOD SMOKE, Vasilij Ratej

Herausgeber, ZigarrenZone Onlinemagazin

Allgemeine Charakteristiken der beiden Zigarren

Cohiba: Typisch grasig (gut gelagert unheimlich fein ausgeprägt, das ich sehr mag). Gut gelagerte Cohibas entwickeln mit den Jahren sehr schöne Röstaromen, wobei der grasige Geschmack bleibt. Eine Zigarre nicht für jedermann.

Hoyo: Süsslich-cremig (ausser die Le Hoyo-Linien, die mehr holzbetont sind). Die Zigarren sind nicht so taninbetont. Daher ist eine lange Lagerung nicht sonderlich förderlich für den Genuss, da sie abflachen können.

Betrachtung

Nr. 1: Deckblatt sehr stark ausgeprägte Balltadern

Nr. 2: Deckblatt hat feinere Blattadern

Kaltduft und Kaltzug der Zigarren

Nr. 1:

  • Kaltduft: Süsslich, ein Anflug von Citrus
  • Kaltzug: Frisch herbal

 

Nr. 2:

  • Kaltduft: „Tiefer“ Tabak, Stroh
  • Kaltzug: Stumpf-süsslich

 

Die ersten Minuten nach dem Anzünden

Nr. 1: Am Gaumen süsslich-cremig / Retronasal süsslich / Der Zugwiderstand ist recht stark / Könnte die Hoyo sein.

Nr. 2: Am Gaumen etwas „hart“ (grasig) / Retronasal etwas grasig / Der Zugwiderstand ist besser, allerdings ein Tick zu stark / Könnte die Cohiba sein.

 

Die erste Hälfte

Nr. 1: Am Gaumen leicht süsslich / Retronasal säuerlich-süsslich / Sie hat die Tendenz rasch zu verglimmen / Im Verlauf der ersten Hälfte nimmt die Süsse ab / Der Abbrand ist leicht wellig – alles im grünen Bereich / Retronasal mit der Zeit sanft süsslich mit viel Röstaromen nach brennendem Holz

Nr. 2: Am Gaumen sanftes Gras / Retronasal schärfer nach Gras / Sie hat die Tendenz rasch zu verglimmen / Im Verlauf der ersten Hälfte beginnt ein schlimmer Schiefbrand, der mit der Flamme korrigiert werden muss. Das ist aus der Produktion um die Jahrtausendwende oft zu beobachten. Die Tabakernte um die Jahrtausendwende war schlecht, daher war die Qualität nicht so gut und die Havannas schmeckten nicht so dolle. Meine Vermutung bestärkt sich nun auch diesbezüglich, dass es sich bei der Nr. 2 um die Cohiba handelt.

Hinweis: Weil beide Exemplare die Tendenz haben rasch zu verglimmen, wurden die Zigarren über die Jahre zu feucht gelagert. Eine Akklimatisierung auf 69% RLF über mehrere Wochen oder vielleicht sogar ein bis zwei Monate würden der Zigarre gut tun.

Beide Exemplare schmecken in der ersten Hälfte sehr ähnlich. Der typische Cohiba-Geschmack (grasig) ist bei Nr. 2 deutlich erkennbar. Die Hoyo verliert etwas ihre Süsse, diese kommt jedoch im Verlauf der zweiten Hälfte wieder stärker zurück.

 

Die zweite Hälfte

Die Hoyo entwickelte ihren typischen süsslichen Geschmack im Verlauf der zweiten Hälfte. Die Cohiba behielt ihre grasige Note, allerdings nicht so schön fein ausgeprägt, wie ich es sonst kenne. Möglicherweise liegt es an der Qualität des Tabaks. Bei der Jahrtausendwende gab es schlechte Ernten.

 

Fazit

Ich sage: Nr. 1 = Hoyo Limitada 2003 und Nr. 2 = Cohiba Limitada 2001. Was sagen die verdeckten  Aufkleber auf den Tubos? Genau wie ich soeben geschrieben habe – HURRAAA!! 🙂

Meiner Meinung nach wurden beide Kistchen über die Jahre zu feucht gelagert. Der Zugwiderstand war bei der Hoyo viel zu stark. Aufgrund der Feuchte im Tabak konnte sich der typisch süssliche Geschmack über den gesamten Smoke hinweg schlecht entwickelt. Allerdings hängt das auch damit zusammen, dass zu alte Hoyos ihren typischen Geschmack zu verlieren beginnen. Die Hoyo de Monterrey sind in der Regel nicht für eine Langzeitlagerung gedacht.

Bei der Cohiba war der Zugwiderstand etwas besser, aber immer noch zu hoch. Die typisch grasige Note hingegen blieb erhalten, allerdings nicht so schön fein ausgeprägt, wie wenn sie über die Jahre korrekt gelagert worden wäre.

 

Originalware oder Fälschungen?

Aufgrund der Fotos der Kistchen, die mir zur Verfügung stehen, ist es Originalware. Aufgrund meiner Verkostungen ist es auch Originalware. Bloss aufgrund der Verkaufsquelle bleibt ein kleiner Nachgeschmack, dass es sich um extrem gute Fälschungen handeln könnte. Die Hoyo de Monterrey wurde damals bei Tabak Bader gekauft (München). Die Firma war bekannt, dass sie auch Grauimport betrieben hat. Der Aufkleber des offiziellen Importeurs (5th Avenue) fehlt. 

Folgendes Statement stammt von der 5th Avenue, Herrn Christoph Puszkar: „Bader hat seinerzeit Ware aus dem Graumarkt verkauft. Ob diese Ware immer echt war, kann ich natürlich nicht sagen.“

 

Das Cohiba-Kistchen wurde 2007 in einem Oettinger Fachgeschäft in Basel gekauft. Der Importeur ist die Tochtergesellschaft von Oettinger Davidoff,  die Säuberli AG. Säuberli AG ist Parallelimporteur. Obwohl es erstaunt, dass man eine Limitada noch im Jahr 2007 kaufen konnte, kommt es bei den Oettinger-Geschäften immer wieder vor, Raritäten zu entdecken. Die Säuberli AG deklariert ihre Parallelimporte als 100% Originalware.

Zum Thema Parallelimport habe ich einen Beitrag verfasst.

Dadurch, dass beide Zigarren die typischen geschmacklichen Merkmale und die Kistchen die entsprechenden Merkmale aufwiesen: Originalware. Dadurch, dass es sich bei beiden um Parallel- bzw. um Grauimport handelt, bleibt ein kleiner „Nachgeschmack“ übrig.

 

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Vielen Dank an Steffen Roecker für das zur Verfügung stellen der beiden Zigarren und den Fotos der Kistchen

Foto unten: Le Hoyo de Monterrey Limitada 2003

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Foto unten: Cohiba Limitada 2001

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Es folgen die Fotos des Kistchens der Cohiba Limitada 2001

Alle Merkmale weisen darauf hin, dass es sich um Originalware handelt. Bloss, dass die Firma Säuberli AG der Parallelimporteur war.

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Es folgen die Fotos des Kistchens der Le Hoyo de Monterrey Limitada 2003

Alle Merkmale weisen darauf hin, dass es sich um Originalware handelt. Bloss, dass die Firma Bader aus München der Grauimporteur war.

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