Liebe ZigarrenZone-Freunde, Marc André hat ein immenses Wissen rund um Zigarrenlagerung. Er ist bekannt als Autor von Fachbeiträgen in der Zigarrenliteratur. Natürlich ist er ebenso bekannt als Humidorhersteller (humidor.de). ZigarrenZone hat ihn sich mal geschnappt und ihm ein paar leicht provokative Fragen gestellt. Ob er sie mit Bravour überstanden hat, liest du jetzt im beliebten ZigarrenZone-Interview 🙂

HAVE A GOOD SMOKE, Vasilij Ratej

Herausgeber, ZigarrenZone Onlinemagazin

Herr André, ich heisse Sie herzlich willkommen im beliebten ZigarrenZone-Inerview 🙂 Welche Zigarre geniessen Sie gerade und wie schmeckt sie Ihnen?

Besten Dank für die Einladung.

Eine Romeo y Julieta Robusto Limitada aus dem Jahr 2001. Sie schmeckt wie eine perfekt reifegelagerte Cigarre schmecken soll. Komplex, mit einer unglaublichen Bandbreite verschiedenster Aromen, die niemals in einer frischen (unter 3-4 Jahren gelagerten) Cigarre zu finden sind, recht mild, kein Beißen kein Kratzen, duftiger und leichter Rauch. Rundum zufrieden und mit einem dicken Grinsen im Gesicht.

In meiner Onlinezeitschrift FLASH CIGAR vom Januar 2017 skizzierte ich die Zukunft der Zigarrenlagerung: „Stell dir vor du bekommst folgende Nachricht auf dein Handy: „Hallo Peter! Der Feuchtigkeitsgehalt deiner Zigarren im Humidor Nr. 3 ist zu tief. Soll ich die RLF und die Temperatur anpassen? JA / NEIN.“ Ein paar Minuten später erreicht dich die Nachricht: „Danke, Peter, ich habe die RLF und Temperatur angepasst. In 4,25 Std. erreichst du übrigens deine Tagesbestform. Dann ist dein Geschmacksempfinden für den Zigarrengenuss am besten. Soll ich deine Lieblingszigarre schon mal vorkonditionieren? JA / NEIN.“

Wann werden Sie solche Humidore in Ihrem Programm haben?

Stell Dir vor, der Bremsassistent in deinem Auto fragt dich eine Sekunde vor dem Aufprall, ob er die Notbremsung einleiten soll. Macht das Sinn? Natürlich nicht. Er soll von alleine Bremsen und den Aufprall verhindern, denn zu diesem Zweck habe ich ihn gekauft.

Die zunehmende Technisierung hält ja nun wirklich in jedem Lebensbereich Einzug. Neben vielen sinnvollen Funktionen gibt es aber auch „Errungenschaften der Technik“ bei denen man sich, nach ein bisschen Nachdenken, einfach nur an den Kopf greifen muss.

Nehmen wir Ihr formuliertes Beispiel. Ich habe also die relative Luftfeuchte meines elektronischen Befeuchtungssystems auf den Wert eingestellt, der mir persönlich die beste Lagerungsqualität der Cigarren ermöglicht. Dann will ich bei einer entstehenden Abweichung vom Sollwert doch nicht informiert und gefragt werden, ob das System wieder den von mir gewünschten Wert einstellen soll. Das soll das System gefälligst alleine machen! Dafür habe ich es doch gekauft. Ich will nur dann durch eine Benachrichtigung informiert werden, wenn mein persönliches Eingreifen unabdingbar ist, wenn also beispielsweise kein Wasser mehr im Befeuchtungssystem ist. Alles andere interessiert mich nicht, es belastet mich nur und müllt mich mit sinnlosen Informationen zu.

Statt in eine präzise, langzeitkonstante Sensorik zu investieren kommen Systeme auf den Markt, bei denen ich mir mit Hilfe einer App via Bluetooth oder WLAN die Feuchtigkeit im Humidor anzeigen lassen kann. Was soll das? Wenn ich zu Hause bin stelle ich mich also vor meinen Humidor und lese die Luftfeuchte am Handy ab, statt in den Humidor zu schauen? Das ist doch albern. Die App sagt mir eben nicht, ob möglicherweise meine Cigarren gerade ausblühen und ich die weißen Flecken entfernen soll, sie sagt mir auch nichts über den Zustand der Deckblätter. Das kann ich nur erkennen, indem ich die Cigarren in die Hand nehme und deren Zustand erfühlen kann. Wollen wir wirklich dieses sinnliche Erlebnis an unser Smartphone abgeben?

Nun mögen Sie einwenden, dass solch eine Alarmierung doch sinnhaft ist, wenn ich im Urlaub bin. Wirklich? Was machen Sie denn, wenn Sie am Strand Ihren Bauch bräunen und auf einmal hupt Sie Ihr Humidor an dass die richtige Luftfeuchte nicht mehr erreicht werden kann, weil kein Wasser im System ist? Und jetzt? Was machen Sie jetzt? Mama oder Freunde anrufen und am Telefon erklären, wo man wie viel Wasser reinkippen muss?

Ich habe einen anderen Ansatz. Nimm ein Befeuchtungssystem mit einem so großen Wasserreservoir, dass der Humidor 3 Monate autark funktioniert. Sollte der Strom ausfallen und nach einigen Stunden wieder verfügbar sein, so soll sich das System selbst resetten, von neuem starten und den von mir gewünschten Feuchtewert erreichen. Das macht Sinn. Dann muss ich vor meinem Urlaub einmal Wasser auffüllen und das war es.

Ob ich mir von einem Computer sagen lassen möchte, wann meine Tagesbestform für den Genuss einer Cigarre am besten ist soll jeder selbst entscheiden. Ich entscheide das im Augenblick noch selbst und werde das auch in Zukunft so handhaben.

Die Menschen stöhnen, weil sich immer mehr Aufgaben des Alltags von einer Holschuld zu einer Bringschuld wandeln. Wenn früher jemand (Behörden, Staat, Öffentliche Versorger etc.) etwas von mir wollte, dann musste diese Institution sich darum kümmern, wie sie diese Information von mir bekommt. Heute haben wir Webportale, die den Menschen Leichtigkeit und Freiheit vorgaukeln. In Wirklichkeit wird aber nur die Holschuld der Institutionen auf mich abgewälzt und damit zu meiner Bringschuld und das setzt die Menschen unter Stress.

Der Genuss einer Cigarre steht dazu im diametralen Gegensatz. Und glauben Sie mir – das sollte so bleiben. Technik soll mich entlasten und nicht belasten. Und genau vor diesem Hintergrund entwickeln wir unsere technischen Lösungen zur Cigarrenkonditionierung. Keine Spielezeuge, sondern Systeme, die professionellen Ansprüchen genügen.

Es gibt immer noch Tisch-Humidore, die den Befeuchter im Deckel anbringen. Wie sinnvoll ist das?

So lange der Humidor kein Tablett hat ist das vollkommen in Ordnung. Bei Humidoren mit Tablett sieht die Sache anders aus. Feuchte Luft ist leichter als trockene und steigt nach oben. Deshalb sind die Wolken auch oben im Himmel und nicht auf Augenhöhe. Da hat sich Gott was dabei gedacht.

Wenn nun der Befeuchter im Deckel angebracht ist und auf dem Tablett Cigarren liegen und damit die Löcher im Tablett (die ja für die Luftzirkulation gedacht sind) abdecken, dann fragen Sie mal bei der Sendung mit der Maus nach, wie feuchte Luft, die leichter ist als trockene, durch die von den Cigarren abgedeckten Löcher im Tablett nach unten in den Humidor kommen soll. Das ist rein physikalisch unmöglich. Und dennoch werden nahezu alle am Markt verfügbaren Humidore nach diesem falschen Konstruktionsprinzip gebaut. Warum? Weil man es immer so gemacht hat.

Und hier kommt wieder die Überbetonung der Technik ins Spiel. Da haben wir also allerlei technisches Brimborium im Humidor doch die Kiste ist falsch konstruiert und kann per se keine gleichmäßige Feuchteverteilung im Humidor ermöglichen. Zudem bewirkt der geringe Abstand der Cigarren auf dem Tablett zum Befeuchter, dass diese überfeuchten. Also die Summe aller Nachteile vereint auf engstem Raum.

Wie man es richtig macht können Sie sich an unseren CENTURY CENTURION Humidoren ansehen. Das Befeuchtungssystem sitzt unter dem Tablett, das Tablett hat mehrere hundert Rundlöcher. In diese Rundlöcher werden zur Unterteilung Separierstifte gesteckt. Somit bleiben zwangsläufig immer einige Löcher frei, durch die die Feuchtigkeit nach oben steigen kann und überall eine gleichmäßige Feuchtigkeit entsteht. Das ist nicht nur eine smarte Lösung, sie orientiert sich zudem an dem physikalischen Prinzip der Luftfeuchteverteilung im Raum.

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Bei vielen kleineren Tisch-Humidoren ist sonst kein Platz für einen Befeuchter, ausser im Deckel. Was halten Sie von den Boveda-Befeuchtern? Die nehmen wenig Platz weg in einem kleinen Tisch-Humidor…

Wie gesagt – solange der Humidor kein Tablett hat ist der Befeuchter im Deckel kein Problem. Zwar ist auch hier die Luftfeuchte oben im Humidor höher als unten, es kommt aber nicht zu der eklatanten Ungleichverteilung.

Das Boveda-System ist hervorragend für kleine Humidore und Reisehumidore geeignet, da es eine Überfeuchtung sicher verhindert. In größeren Humidoren wird das schon problematischer. Um das zu verstehen muss man begreifen, wie das Bovedasystem funktioniert.

Es funktioniert nach dem Prinzip der „Feuchtenormalen“. Das bedeutet: In der Luftsäule über einer gesättigten Salzlösung stellt sich eine konstante relative Luftfeuchte ein, die von den spezifischen Eigenschaften des jeweiligen Salzes abhängt. Einfaches Beispiel: Nehmen Sie einen Kochtopf und geben Sie 100ml warmes Wasser und 40 Gramm Kochsalz hinein. Umrühren, bis sich das Salz aufgelöst hat. Abkühlen lassen. Sie werden sehen, dass am Topfboden wieder Salzkristalle ausfällen. Sie haben nun eine gesättigte Kochsalzlösung. Stellen Sie ein Glas mit der Öffnung nach unten in den Topf und legen Sie ein Hygrometer auf den Glasboden. Deckel auf den Topf. Nach 2-3 Stunden stellt sich im Topf eine relative Luftfeuchte von 76% (bei 20°C) ein. (wichtig – die Temperatur muss absolut konstant gehalten werden, da sich bei unterschiedlichen Temperaturen auch unterschiedliche Feuchtenormalen einstellen). Nehmen Sie statt Kochsalz (Natriumchlorid) z.B. Lithiumchlorid, so liegt die Feuchtenormale bei 12%. Bei Kaliumchlorid liegt sie bei 86%.

Mischt man die Salze im richtigen Verhältnis, so kann man beliebige Feuchtenormalen erzeugen. Wenn wir also ein Gemisch aus Kochsalz und Lithiumchlorid verwenden, so erreichen wir beim richtigen Mischungsverhältnis 70%. Das bedeutet, dass das Bovedakissen rein physikalisch gesehen nicht mehr als 70% relative Feuchte erzeugen kann.

In kleinen Humidoren ist das eine sehr gute Sache, da ja ein sehr kleines Luftvolumen befeuchtet werden muss und sich die gewünschte relative Feuchte auch schnell einstellt. Anders sieht das bei großen Humidoren aus. Ein Tischumidor für 200 Cigarren hat ein Volumen von 12-15 Litern. Wenn nun im Winter bei trockener Heizungsluft der Humidor geöffnet wird und 35%ige Luft in den Humidor strömt, dann dauert es Stunden bis die Boveda-Kissen die richtige Zielfeuchte von 70% erzeugen, weil sie ja nicht mehr Feuchtigkeit abgeben können. Und das führt dann auf Dauer zu aufgesprungenen Brandenden und platzenden Deckblättern, da sich bei trockener Luft als erstes das Deckblatt von außen zusammenzieht, die Einlage aber noch ein großes Volumen hat. Folglich steigt die Spannung im Deckblatt und irgendwann kann es die Spannung nicht mehr halten und reist.

Natürlich könnten Sie den gesamten Humidor mit Boveda-Kissen auspflastern. Dann benötigen Sie zunächst 6 Aluhalterungen für die Bovedas für je € 18.- (Summe € 108.-). Wenn man dann in Abstand von 6-8 Wochen jedes Mal 6 Kissen für jeweils € 3,50 austauschen muss dann gibt man in einem Jahr mehr Geld aus, als wenn man sich einmal ein elektronisches Befeuchtungssystem wie den Hydrocase für einmalig € 189.- kauft.

Von daher mein Fazit: Für kleine Humidore und Reisehumidore sind Bovedas eine feine Sache, für größere Tischhumidore gibt es sinnvollere Systeme.

Im Übrigen: Mir ist es ein Rätsel, wie es Boveda geschafft hat, dieses System zu patentieren. Ein physikalisches Prinzip kann man sich nicht patentieren lassen. Allenfalls den Umstand, eine gesättigte Salzlösung in einen Beutel zu füllen und diesen zur Humidorbefeuchtung einzusetzen.

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Ab welchem Kaufpreis soll man bei Hygrometern rechnen, um Qualität zu erhalten anstatt Schrott? Welche Hygrometer empfehlen Sie und warum?

Auch zu diesem Thema könnte ich eine 30-minütige Predigt halten. Machen wir es kurz.

In den meisten Standardhumidoren aus Fernost sind billigste Spiralhygrometer verbaut. Die Dinger messen allenfalls die Winkelstellung des Humidordeckels, aber niemals die relative Luftfeuchte.

Haar- oder Kunstfaserhygrometer sind da erheblich präziser, wobei ich Kunstfaserhygrometer den Vorzug gebe. Echthaarhygrometer haben das Problem, dass sich das Haar logarythmisch ausdehnt und zwar umso weniger, je höher die Luftfeuchte wird. Da wir im Humidor relativ hohe Feuchtigkeiten messen müssen ist der Verfahrweg des Zeigers gering und damit der Messfehler höher. Kunstfaserhygrometer haben einen nahezu linearen Verlauf und messen daher hohe Luftfeuchten präziser. Derartige Hygrometer gibt es bereits für rund € 15.-

Die digitalen Hygrometer haben aus Kostengründen meist einen resistiv messenden Sensor, der mit der Zeit mit Staub zusetzt. Ist der Staub hygroskopisch, so misst das Gerät zu hohe Werte, verhindert der Staub das Anlagern von Wasser so misst es zu geringe Werte. Hier können Abweichungen bis zu 30% entstehen.

Wirklich präzise digitale Hygrometer sind ab etwa € 200.- erhältlich. Diese eignen sich aber nur für die Momentanmessung und nicht für den dauerhaften Einsatz im Humidor.

Daher mein Fazit: Das beste Preis-Leistungsverhältnis haben Kunstfaser-Hygrometer.

Was halten Sie vom neuen Hygrometer CIGSOR www.cigsor.com?

Als ich zum ersten Mal die Website von cigsor besuchte habe ich das zunächst so verstanden, dass dieses System auch die Luftfeuchte regelt. Bei genauerem Lesen habe ich es dann kapiert. Es ist im Grunde nichts anderes als eine Fernüberwachung des Humidors. Insoweit sinnvoll, wenn man sich um seinen Humidor nicht kümmert und alarmiert werden will, wenn die Luftfeuchte nicht mehr passt. Eingreifen muss man dann natürlich selbst. Für das Geld kann man sich aber bereits ein elektronisch geregeltes Befeuchtungssystem kaufen, das ebenfalls alarmiert und zudem die Luftfeuchte auch noch regelt.

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Weshalb regen Sie sich über billige Humidore auf? Nicht jeder kann sich einen Humidor aus Ihrem Programm leisten.

Ich rege mich nicht über billige Humidore auf. Ich rege mich über falsch konstruierte Humidore auf, weil sie die ihnen zugedachte Aufgabe, Cigarren fachgerecht zu lagern, nicht erfüllen. Und die finden Sie nicht nur bei billigen Fernostimporten sondern auch bei den teuersten Markenherstellern aus Europa. In unserem Shop (wer sich das mal ansehen will: www.humidor.de) bieten wir ja auch sehr günstige Importhumidore aus Fernost an. Nur mit dem Unterschied, dass wir die Dinger so umbauen, dass sie dann auch funktionieren und nicht einfach den Karton ins Regal stellen und bei einer Kundenbestellung den Karton samt Inhalt aus dem Regal ziehen und verschicken.

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Sie schreiben hin und wieder, dass die meisten Schrankhumidore Schrott sind. Welche sind kein Schrott und warum nicht?

Da machen Sie jetzt aber ein Fass auf…

Natürlich wird der Herr André jetzt seine Schränke über den Klee loben und alle anderen niedermachen – denkt der Leser dieser Zeilen. Aber warten Sie es ab.

Angenommen Sie kaufen einen Humidorschrank und lesen in der Anleitung, dass Sie die Cigarrenkisten regelmäßig im Schrank „rotieren“ lassen sollten. Also von oben in die Mitte, von der Mitte nach unten und von unten wieder nach oben. Im Grunde ist das nichts anderes als das Eingeständnis, dass dieser Humidorschrank nicht in der Lage ist, auf allen Ebenen eine gleichmäßige Luftfeuchte zu erreichen. Sonst müsste man die Kisten ja nicht rotieren lassen. Wozu auch. Wenn man dann noch ein „elektronisch geregeltes“ Befeuchtungssystem dazu gekauft hat (denn anders lässt sich ein Schrank unmöglich befeuchten) kommt man sich doch reichlich veralbert vor, oder etwa nicht?

Herkömmliche Humidorschränke kranken an folgenden Defiziten:

  • Verwendung vollkommen ungeeigneter Materialen wie MDF (Medium Density Fibreboard) oder HDF (High Density Fibredoard). Dieses Material besteht aus Holz- und Kunststoffstaub, der mittels eines Klebers zu Platten verpresst wird. Wenn das Zeug höherer Luftfeuchte ausgesetzt wird riecht es wie in Omas feuchtem Keller nach Muff und Moder. Zudem sind die MDF-Platten aus den Fernostschränken mit formaldehydhaltigen Klebern hergestellt. Formaldehyd dünstet aus und verleiht dem Muff noch eine süßliche Komponente. Billig aber ekelhaft. 

  • Ein viel zu massiver Aufbau der Bodenbretter oder gar Schubladen im Schrank verbauen die gesamte Luftzirkulation im Humidor.

  • Die eingesetzten Befeuchtungssysteme haben kein dediziertes Luftleitprinzip und erzeugen somit unten im Schrank eine viel zu hohe Luftfeuchtigkeit und oben eine zu geringe.

  • Weil die Türen des Humidors konstruktionsbedingt der extremen Feuchtedifferenz (im Winter 30% außen und 70% im Humidor) nicht standhalten und sich verziehen werden Stangenschlösser eingesetzt, damit die verzogene Türe wenigsten halbwegs schließt.



Die Folgen dieser Fehler sind Muffgeruch, Schimmel, überfeuchtete und zu trockene Cigarren gleichzeitig im selben Humidor. Kurz um – die Cigarren werden sukzessive zerstört. Die genannten Punkte kann jeder auch handwerklich noch so Unbegabte nachvollziehen.

Was mich dann aber wirklich auf die Palme bringt sind die Produktbeschreibungen diverser Onlinehändler. Da lesen Sie beispielsweise: „Bodenbretter mit Spanischer Zeder“. Das ist aber tatsächlich eine MDF-Platte, oben und unten mit 0,5mm! Zeder furniert aber an den Kanten und vor allem in den Langlöchern (zur Luftzirkulation – kann übrigens auch nicht funktionieren, weil die Cigarrenkisten ja die Langlöcher abdecken) lugt das rohe MDF heraus und dünstet den Muff in den Humidor. „Mit Spanischer Zeder“. Nicht gelogen. Aber wissentlich in die Irre geführt.

Weil ich einen solchen Murks unmöglich meinen Kunden verkaufen kann habe ich zunächst nur einen Umbauservice angeboten. Kunden haben mir ihre Schränke geschickt, wir haben die Dinger entbeint und so umgebaut, damit sie funktionieren.

Irgendwann macht man sich dann zwangsläufig Gedanken und fragt sich, warum nicht gleich Humidorschränke bauen, die die genannten Defizite von vornherein vermeiden. Und so ist der CENTURY CABINET Humidorschrank entstanden.

Jetzt kommt der Teil mit der Eigenwerbung.

Unser Humidorschrank ist konsequent so aufgebaut, das alle die genannten Probleme vermieden werden. Der Korpus besteht aus stabverleimtem Massivholz, die Roste aus massiver Spanischer Zeder mit extrem großen Zirkulationsöffnungen. Die Türen sind mit 11 kg Edelstahlleisten versteift und lassen sich über ein Gewindesystem in der Vorspannung einstellen damit sich auch nach Jahren nichts verzieht. Das Befeuchtungssystem (HUMINATOR BIG) ist kein Zukaufprodukt sondern von uns speziell für diesen Humidorschrank entwickelt. Es verfügt über eine integrierte Intervallumluft, so dass auch dann die Luft im Schrank zirkuliert wird, wenn keine Befeuchtung erfolgen muss. Die befeuchtete Luft wird über eine doppelte Rückwand in den Schrank geleitet und das entstehende Über-Unterdruckprinzip sorgt für eine gleichmäßige Feuchteverteilung auf jeder Etage.

Um es abzukürzen: Stellen Sie unseren Schrank neben andere, lassen Sie die Cigarren 6 Monate im Humidor am gleichen Platz und dann rauchen wir eine. Ich weiß, wie Ihr Urteil ausfallen wird.

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Ihnen gefällt billige Asien-Ware nicht. Sie kaufen doch gewisse Teile auch in China für Ihre Humidore, oder?

Das habe ich schon beantwortet. Billig heißt nicht schlecht. Man muss sich nur die Mühe machen das Innenleben zu modifizieren. Dann kann man auch aus einem Billigheimer einen funktionierenden Humidor machen. Natürlich sind die Scharniere nicht aus Edelstahl sondern aus weichem Messing, natürlich sind die Spaltmaße größer und die Beschläge mit viel Spiel eingelassen. Aber wen das nicht stört der kann auch mit einem günstigen Importhumidor klar kommen. Nur das Befeuchtungssystem und das Hygrometer müssen ersetzt werden, da diese in der Regel nicht funktionieren.

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Thema Reifelagerung kubanischer Zigarren: So langsam dringt es beim Kunden durch, dass man Kubaware zunächst einmal fachgerecht Reifelagern sollte. Wie sehen Sie das?

Früher war es so, dass die großen Händler die Cigarren nach dem Import über Jahre eingelagert haben, bevor sie an die Kunden verkauft wurden. Das haben die Händler garantiert nicht aus Jucks gemacht sondern weil sie wussten, das die Cigarren mehr Reifezeit benötigen. Die Erkenntnis ist also alles andere als neu.

Aufgrund der immensen Kapitalbindung und der gesetzlichen Rahmenbedingungen ist ein derartiges Einlagern der Cigarren für kaum mehr einen Händler machbar. Also wird die Verantwortung wieder auf den Kunden übertragen. Merken Sie was? Die Bringschuld wird schon wieder zur Holschuld…

Wenn Sie Cigarren zur vollen Entfaltung bringen wollen, dann bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, als sie noch einige Jahre nachreifen zu lassen. Und die Cubaner sind ja Schlitzohren. Weil sie genau wissen, dass ihre Standardware zu frisch auf dem Markt kommt bieten sie jetzt die Anejado-Serien an. Also Cigarren aus reifegelagerten Tabaken zu höheren Preisen. Das sollte ja eigentlich der Standard sein. Tatsächlich ist es nur das Eingeständnis, dass die Cigarren zu jung auf dem Markt geworfen werden und die ganze Herde stürzt sich drauf, raucht das grüne Zeug weg und hat keinen Schimmer, um welchen Genuss sie sich bringt, wenn sie doch nur etwas mehr Geduld aufbrächte.

Es ist schon seltsam – keiner kommt auf die Idee und trinkt einen nur 2 Jahren alten Barolo oder Saint-Emilion. Gute Weine brauchen Ihre Zeit. Nicht anders verhält es sich mit der Cigarre.

Aber klar – wir haben ja alle keine Zeit mehr. Deshalb gibt es ja auch immer mehr kleine Cigarrenformate um den „Rauchgewohnheiten“ unserer Gesellschaft zu entsprechen. Da packt mich jedes Mal der Graus wenn ich dieses Marketinggesülze lesen muss. Meine Güte – wenn ich keine Zeit für eine Cigarre habe dann lass ich es doch bleiben und drücke mir nicht auf Biegen und Brechen einen kurzen Stumpen ins Gesicht. Dieses Cigarren-Fastfood entwertet die Ware und macht den Raucher zu einem Spottbild seiner selbst. Aber es kurbelt den Umsatz an…

Machen wir ein kurzes Assoziations-Spiel. Auf die einzelnen Begriffe antworten Sie bitte mit einem einzigen Wort, was Ihnen spontan einfällt. Bereit?

Antworten Sie mit Ja oder nein: Schlagen Sie Ihre Frau immer noch?
Ich nehme mir daher die Freiheit auch in einem Satz zu antworten.

Hinweis der Redaktion: …hmmm… das ist ein intelligenter und guter Einwand! Das muss ich schon sagen… In Ordnung. Antwort mit einem Satz ist hiermit bewilligt. 😉

Marc André
Ich danke Gott für mein Leben und für die Gnade mein Hobby zum Beruf machen zu dürfen.

Humidor
Hat mich immer fasziniert.

Hygrometer
Immens schwierig RICHTIG zu kalibrieren.

Arnold André
Witzig – oder? Ist unser Kunde, wir sind aber nicht verwandt.

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Welche lustige oder spannende Story können Sie den ZigarrenZone-Lesern erzählen, die Sie mit Humidoren erlebt haben?

Ich könnte ein ganzes Anekdotenbuch schreiben. Man erlebt mitunter Absurdes.

Vor etwa vier Jahren (etwa 2013, Hinw.d.Red.) besuchte mich ein Kunde, Geschäftsführer einer Großschreinerei. Die bauten für einen Araber ein 75 Meter langes Tauchbasisschiff aus. Der Araber war Cigarrenraucher und wollte im Durchgang zum Saloon rechts und links einen Humidorschrank, über den Schränken eine Glaskuppel und hinter dem Glas Cigarren auf Nadeln gepiekst wie Schmetterlinge im Museum präsentieren.

Wir besprachen das Projekt und die Anforderungen an die Konstruktion des Humidors.

Nach etwa 3-4 Wochen kam die Bestellung über vier identische Humidore. Ich rief den Kunden an und bemerkte, dass er sich wohl vertan hätte – er brauche nur zwei Humidore.

Antwort: Herr André, ich erkläre Ihnen das mal. Der Kunde hat zwei Tauchgebiete im Roten Meer, aber er hasst das Boot fahren. Bei Seegang muss er immer kotzen. Deshalb werden zwei exakt identische Schiffe gebaut und er lässt sich mit dem Heli hin und herfliegen. Deshalb brauche er vier Humidore, zwei für jedes Schiff.

Meine Bemerkung, dass ich auch noch ein drittes tolles Tauchgebiet im Roten Meer kenne nahm er wohlwollend zur Kenntnis.

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Was möchten Sie sonst noch den ZigarrenZone-Lesern mit auf den Weg geben?

Nehmt euch die Zeit, auch wenn Ihr glaubt sie nicht zu haben. Weine nicht, weil schöne Zeiten vorbei sind, sondern freue Dich, dass Du sie erleben durftest.

…und die Romeo y Julieta Robusto Limitada 2001 hauchte Ihr 16-jähriges Leben, das sie nur für diesen Augenblick führte, würdevoll in einer letzten, stahlblauen Rauchwolke nach über zwei Stunden Rauchzeit aus.

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Herr Marc André, vielen Dank für Ihre wertvolle Zeit. Meine Leser und ich schätzen das sehr. Wir wünschen Ihnen weiterhin viele spannende und vor allem genussreiche Momente!

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Nachfolgend noch mehr Impressionen aus der Werkstatt von Marc André

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