„Kuba hat keine Ressourcen,“ sagt Raymondo Bernasconi, Importeur, Zigarrenhändler und Markeneigner „Gilbert de Montsalvat“ aus Basel. „Die Tabake, welche verarbeitet werden, sind zu jung, zu frisch und zu wenig ausgereift.“ Er spricht gerade heraus, präzise und undiplomatisch. Wir sitzen im House of Smoke in Basel und geniessen eine kubanische Davidoff. „Bei edlen kubanischen Cigarren lohnt es sich diese für 2-5 Jahre liegen zu lassen. Das ist eine sehr lange Zeit, das Resultat belohnt jedoch die Mühen,“ erzählt er weiter. Sein Enthusiasmus ist ansteckend. „Cigarren aus anderen Provenienzen sind in der Regel so ausgereift, dass eine weitere Lagerung nur selten Sinn macht, sind also zum Verkosten bereit.

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Herzlich willkommen im Zigarren.Zone-Interview. Welchen Beruf übst du aus?

Zigarrenproduzent/Markeneigner & Importeur

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Kuba hat keine Ressourcen
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Was fasziniert dich an Zigarren? Sammelst du auch Privat, und falls ja, welche und warum?

Mir gefallen die mit dem Genuss und den handgefertigten Produkten verbunden Emotionen. Mit dem Sammeln habe ich aufgehört, da ich als Importeur an erster Stelle die Interessen meiner Kunden (also dem Tabakfachhandel) verpflichtet bin.

Was unterscheidet deine Firma  / Import zu anderen Tabakhändlern / Importeuren?

Wir sind ganz explizit auf Nischenprodukte, respektive auf hochqualitatitive „Boutique Brands“ spezialisiert und dementsprechend ausgerichtet. Unser Partner ist der Tabakfachhandel, wir weigern uns, die Produkte über den Massenkanal (Discounting, via Denner, etc.) zu verramschen. Die Zigarre ist ein Edelprodukt, welches auch einer sorgfältigen Lagerung bedarf. Ich denke, ein jeder Zigarrenliebhaber hatte schon mal das Problem von zu trockenen oder zu feuchten Zigarren. Dies, obwohl die Zigarre sein Hobby und Leidenschaft verkörpert. Nun stelle sich mal einer vor, wie dieses Produkt im Discounter gepflegt wird!

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Wenn es eine Sache gäbe, die du deinen Kunden gerne geben möchtet, was wäre das und warum?

Ob in meinem Fachgeschäft oder als Kunde bei mir im Import – da habe ich dieselben Ansprüche; ich freue mich, wenn ich jemanden beraten kann und er das „Aha-Erlebnis“ erfährt und ich an seiner Freude und Zufriedenheit teilhaben darf.

Welche Frage wolltest du eueren Kunden schon lange mal stellen?

Wann kommst Du wieder?

Welche 1-2 „Power-Kunden“ gibt es bei dir, und was schätzt du an ihnen besonders?

Ich bewerte keine Kunden nach „Powerkunde“ oder Umsatz. Ich versuche alle gleich zu behandeln. Respekt ist für mich persönlich enorm wichtig und ich freue mich über jeden meiner Kunden!


Gibt es eine bestimmte Story, die du dem Leser gerne vermitteln möchtest?

Da gibt es einige. Diese erzähle ich gerne an meinen Events, somit überlasse ich es dem Leser, ob er mal an einer Smoker-Night mit mir teilnehmen will.



 

Es gibt das Gerücht, dass Dunhill etwa ab dem Jahr 2016 wieder kubanische Zigarren anbieten wird. Wie weit ist dieses Vorhaben schon im Entstehen begriffen?

Das sind alles Gerüchte. Ich denke, die meisten namhaften Produzenten, und vor allem die Exilkubaner haben schon seit jeher ein Auge auf eine Rückkehr geworfen. Dunhill ist ja kein Produzent. Da stehen wohl Familien wie Padron, Fuente, etc. viel früher wieder in Kuba. Jedoch glaube ich nicht, dass es dann Puros aus Kuba geben wird, da wohl bei einer Öffnung Kubas die Nachfrage nach Tabaken aus Kuba die Produktion bei weitem übersteigen wird. Zudem dürften die Produkte wohl wesentlich teurer werden als was zur Zeit von diesen Produzenten aus Nicaragua, Dom. Rep., Honduras, etc. auf dem Markt ist. 



 

Welche Rolle wird das Internet in Zukunft für den Kauf von Zigarren haben? Was passiert mit den etablierten Ladengeschäften vor Ort?

Ich denke, das Internet wird wie in allen Branchen mit jedem Jahr wichtiger. Die heutige Jugend – die Kunden von morgen – welche mit dem Handy und Apps aufwächst, wird ein entsprechendes Kaufverhalten an den Tag legen. Die Frage ist, ob der Internethandel auf Tabakprodukten (wie bereits in anderen Ländern der Fall) allenfalls verboten wird (auch zur Kontrolle der relativ hohen Steuerabgaben und Reduzierung von Fälschungen und Schmuggel). In einigen Ländern dürfen Tabakprodukte nur über lizenzierte Verkaufstellen verkauft werden. Auch steht das Thema „plain pagaging“ auf dem Radar. Kommt diese Gesetzgebung, so dürfen weder Farben noch entsprechende Logos die Packungen zieren – mit Ausnahme noch grösserer Abbildungen von Raucherlungen, Raucherbeinen, Impotententen und sonstwelchen Bildern! Ich denke, langfristig wird der physische Tabakladen wieder wichtig und wichtiger werden. Zudem ist ein physischer Laden enorm wichtig für den Aufbau einer Marke und auch deren Pflege.

Einzelne Zigarren im Humidor lagern: Mit oder ohne Cellophan (oder Alutubo) lagern und warum?

Ich persönlich nehme die Cigarren aus dem Cellophan, wie auch aus der Alutube. Da ich zu Hause eine kleine selektionierte Auswahl an Cigarren halte, welche ich selber oder mit Freunden verköstige, ist mir eine „reinrassige“ Lagerhaltung sekundär. Sollte ich lange lagern (Raritäten oder Sammelstücke), so belasse ich diese in der Originalpackung und unverschlossen. So dass sich die Aromen so gut wie möglich in der Originalpackung halten.



 

Ganze Kisten (verzierte Kisten, Cabinettkisten) lagern: Wie macht man das und warum?

Wichtig ist der Humidor. Je grösser das Volumen, desto besser das Klima. Die Kisten als Ganzes und geschlossen im Humidor lagern!
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Wie kontrollierst du den Zustand der Zigarren?

Ich prüfe den Humidor 1 x die Woche auf Feuchtigkeit. Am besten geht das mit dem neuen PURO TEMP Wireless Hygrometer System von XIKAR. Dieses funktioniert auf Funkbasis und so habe ich immer den Überblick, wie es im Humidor steht – sensationell!

 

Welche Erfahrungen hast du mit reifen kubanischen Zigarren gemacht im Vergleich mit jungen Zigarren?

Die Asche ist bei gut und lange gelagerten Havannas weiss bis schneeweiss. Der Abbrand in der Regel sehr ebenmässig und der Rauch angenehm, manchmal gar etwas „staubig/trocken“. Durch die lange Lagerung baut sich das Ammoniak und das Nikotin ab, das ergibt, dass die Cigarren nicht mehr so „wuchtig“ rüberkommen, dafür sind die effektiv erwünschen Aromen viel präsenter.

Frische Havannas generieren eine gräulich bis fast schwarze Asche. Oft verbunden mit einem Schrägbrand oder gar Hohlbrand (dabei erstickt sich die Cigarre oft selber und muss erneut angezündet werden). Die Wucht vom Ammoniak und vom Nikotin überpowern die eigentliche Aromatik und es kann auch mal zu einem „Nikotinflash“ führen.

Was machst du gegen Blüte, Schimmel, Tabakkäfer?

Schimmel ist schlecht! Auslüften, befallene Cigarren entsorgen. Käfer ist noch schlechter! Zigarren aussortieren und entsorgen. Humidor und nicht befallene Cigarren gefrieren. Gut in Plastik einpacken und ins Gefrierfach legen (wenn zu Hause dann mindestens für 5 Tage). Danach langsam auftauen und dann wieder im Humidor langsam konditionieren (Auftauen nach dem Gefrieren 2 Tage im Kühlschrank – die Cigarren müssen immer noch gut in Plastick eingewickelt sein, ansonsten nehmen sie die Fremdgerüche aus dem Kühlschrank mit an – juhu; Cigarre mit Sauerkrautgeschmack, da muss ich keine ACID von Drew Estate mehr rauchen !!) 


 

Worauf sollte man sonst noch achten, z.B. beim Humidorkauf?

Da sind wir wieder beim Thema Fachhandel. Bitte vor Ort beraten lassen und dann als Dank auch dort kaufen. Ein Humidor ist in der Regel eine Anschaffung für 5-10 Jahre. Somit eine einmalige Investition. Wenn ich da wegen ein Paar Franken Differenz nicht beim Handel einkaufen will, dann sollte man das Cigarrenrauch lassen.

 

Raymondo, vielen Dank für deine Zeit, das schätze ich sehr! Weiterhin alles Gute und viel Erfolg! 🙂

 

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Raymondo Bernasconi, House of Smoke GmbH, Laufenstrasse 16, 4053 Basel – www.houseofsmoke.ch & www.loungeofsmoke.ch