Liebe Zigarren.Zone Freunde, zugegeben, der Titel „Isthmus Cigars und der Weg durch das Rotlicht Viertel“ ist provokativ gewählt. Dennoch: Irgendwie gab es im Leben von Kurt Brandt (Markeneigner von ISTHMUS Cigars) zu Beginn seiner Karriere als Zigarrenhersteller ein witziges Schlüsselerlebnis in Stuttgart. Dieses und andere spannende Erlebnisse erzählt Kurt Brandt im Zigarren.Zone Interview: Von seinen Anfängen und den Hürden die er nehmen musste, bis hin zum akzeptierten Kenner der Tabakbranche.

Und jetzt: Lehne dich zurück und geniesse das Interview mit Kurt Brandt – am besten mit einer feinen Zigarre und einem schönen Getränk dazu 🙂

Vasilij Ratej

Herausgeber, Zigarren.Zone

„Isthmus“ ist die Bezeichnung von Engstellen bei Organen und bedeutet auch den engsten Punkt einer Landbrücke, die von beiden Seiten von Wasser umgeben ist. Was hat es mit der Zigarre ISTHMUS auf sich?

Gut gegoogelt deinerseits, , dies ist der erste Schritt, sich mit dem Namen auseinanderzusetzen. Das Wort ,,Isthmo,, (spanisch) bzw. in Lateinisch ,,Isthmus,, wurde von meiner Lebenspartnerin und mir für eine Zigarrenlinie ausgewählt, welche nach 10 Jahren im Tabakleben etwas besonderes darstellen sollte. Obwohl meine Lebenspartnerin Ärztin ist wählten wir Isthmus in geografischer Hinsicht, nicht in anatomischer.

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Bist du ein tiefsinniger Typ oder ist der Name ISTHMUS blosses Marketing?

Der Name und Bedeutung ,,ISTHMUS,, soll dem Aficionado die Herkunft unserer verwendeten Tabake näher bringen. Im ISTHMUS von Zentralamerika, mit engster Stelle der Kanal von Panama, (Isthmo de Panama) werden die besten Premiumtabake erzeugt. Darunter Panama, Costa Rica mit kleinen Mengen und ausschliesslich einer Saatsorte, Nicaragua, Honduras , bis hin nach Mexico. Wir verwenden Tabak natürlich auch ausserhalb des ISTHMUS, vor allem die Deckblätter aus Habano Saatgut, gewachsen in Ecuador, welches seine eigene Charakteristiken durch das einzigartige Klima vorweist. zum dritten mal mal bringen wir nun im Juli/Aug unserer Jahres Edition der Isthmus limitada mit je 100 kisten in einer weissen als Habano Sungrown, und in schwarzer Kiste einer Colorado Ecuador mit speziell selektierten Tabaken auf den Markt.

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Denkst du, dass die ISTHMUS-Geniesser die Bedeutung des Wortes „Isthmus“ kennen?

Ich denke schon, dass diejenigen, die sich für die die Isthmus Zigarre interessieren und erwerben sich zuerst einmal über den Namen wundern und sich dann informieren. Es ist ein bisschen Aufklärungsarbeit notwendig, aber wenn man es dann erklärt, kommt der AHA-Effekt dann schnell. Es ist für viele neu, aber dann auch sehr interessant mehr über die geografische Herkunft der Tabake und die geografische Unterscheidung zwischen Nord, Mittel, Panama, und Südamerika zu erfahren. Panama hat einen eigenen Status und zählt sich nicht zu Mittel- (Central) bzw. Südamerika. Man beginnt also mit dem Namen ISTHMUS eine Reise in der westlichen Hemisphäre.

Der Name ,,Isthmus,, ist etwas exotisch und erklärungsbedürftig. Dadurch ist er etwas negativ für das Marketing. Auch tut sich das Fachpersonal im Verkauf schwerer. Wir wollten aber nicht wie viele Namen benutzen, die überhaupt nicht zum Tabak und Zigarre passen bzw. in Verbindung gebracht werden können. Oder wie viele andere Marken, die mit ,,Don,, oder wie sie sich auch immer nennen. Es gibt so viele „Don“, „Flor“ und andere Fantasienamen. Wir wollten mit dem Namen der Marke eine tiefgründigere Bedeutung geben. Hinter jeder Marke ist eine wahre Geschichte hinterlegt. Ich bin hier sehr klassisch behaftet.

Unser Firmenname ,,Isthmus Cigar Company“ mit selbigem Vertrieb in Deutschland „Isthmus Zigarrenvertrieb“ soll dem Aficionado eine vertraute Verbindung geben und genau nachvollziehbar sein woher die Zigarre kommt. Wir können einen lückenlosen Nachweis erbringen. Vom Tabaksamen bis zur Zigarre. Auch der Zigarrenring hat seine eigene Story. Man sollte sich diesen einmal genau anschauen. Nebenbei bemerkt: Das ist sowieso ein interessantes Thema, wie so ein Ring zustande kommt, welche Hintergründe, Story, etc.

 

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Auf der Website unter http://www.isthmuscigars.com/deutsch-cigar-verify.html kann man die ISTHMUS verifizieren. Damit ist diese Marke die einzige der Welt ausserhalb Kubas, die ein Hologrammsiegel mit unterschiedlichen Seriennummern auf den Verpackungen hat. Ist das bloss ein Marketing-Gimmick ohne Bedeutung oder warum hast du das gemacht und seit wann?

Das Hologramm Siegel wurde mit der Marke ISTHMUS im Jahre 2010 ins Leben gerufen. Der Gedanke war dem Fachhandel und auch dem Aficionado die Möglichkeit zu geben zu kontrollieren, ob die Zigarren von uns gefertigt wurden, in unserer neuen Webseite , welche im juli, august fertig sein wird, werden wir noch mehr Information zur Zigarre zu geben. Vor allem Infos über Produktions- und Auslieferungsdatum , Art der Verwendeten Tabake, usw. Der Kunde hat somit den Beweis, dass es sich um die Originalmarke handelt. Auf dem Hologramm Siegel befindet sich zusätzlich zur Seriennummer der Produktionsort und Land (Esteli, Nicaragua) und das eingeprägte Logo von Isthmus. Somit komplett (fast)fälschungssicher.

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Lass uns ins Jahr 1998 zurück reisen. Welche Bedeutung hat 1998 für dich?

Veränderung meines Lebens um eine 180 Grad Wende. Siehe folgenden Abschnitt.

1998 war sozusagen der berühmte „Funke der Schöpfung“.  Es folgten diverse Produktionen von Zigarren mit unterschiedlichen Markenprägungen, bevor 2010 die Marke ISTHMUS das Licht der Welt erblickte. Gibt es alle diese Marken noch?

Eigentlich war die Initialzündung ,,Tabak und Zigarre“ im Jahr 2001, als ich die endgültige Entscheidung traf und meinen Umzug nach Costa Rica durchführte. Ich wollte vom Projekt „Zigarre“, trotz des plötzlichen Ablebens meines Costa Rica Partners, nicht ablassen und die erst sehr jung eingeführte Marke „Flor Real“ weiter im deutschen Markt forcieren. Dies war natürlich mit sehr grossen Hürden verbunden: Die Aufenthaltsgenehmigung, Registrierung einer Firma, Sprache, Kultur und das immer noch viel Dazulernen in der Tabakwelt sowie das Finden eines geeigneten Importeurs und Vertrieb. Letzteres stellte sich in all den Jahren als grösstes Problem dar, deswegen der Aufbau eines eigenen kleinen Vertriebsnetzes.

Von 1998 bis 2001 war es ein sehr lehrreicher und harter Weg, da ich mich von Anfang an den Profis stellte und einiges an Erfahrungen machen musste, welche mich bis heute prägen. Ein grosser Lehrmeister war damals Siegfried Schäuble vom Tabacum in Stuttgart, der mich bis heute als guter Freund und langjähriger Kunde, nun seit 16 Jahren, noch in vielen Dingen unterstützt. Zur Frage ob alle Marken noch bestehen: Es bestehen nicht mehr alle Marken. Diejenigen welche sich durchgesetzt haben, sind die Flor Real, Isthmus und APR. Als eigene Marken und natürlich viele Eigenmarken, welche wir für die unterschiedlichsten Kunden blenden und produzieren. Die meisten Kunden geben das ganze Projekt ab, vom Aussuchen der Tabake, Blenden, Entwurf des Zigarrenringes, Kistendesign, Druck, bis hin zur Endpräsentation.

Die aller erste Eigenmarke war „Mythos Solitude“. Sie besteht seit 2001 und ist bis heute eine im Markt etablierte Marke mit Ranking im Jahr 2008 von 95 Punkten Brilliant und Best Buy in European Cigar Cult Journal(ECCJ) . Die zweite Marke wurde mit dem ersten Zigarrenclub in Austria, www.zigarrenclub.at, im Jahr 2002 entwickelt, welche auch bis heute in 3 Formaten und Blends seine Freunde hat.

 

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Lass uns noch etwas beim „Funken der Schöpfung“ verweilen. Das Leben hat dir eine Gelegenheit geboten, auf die du gar nicht vorbereitet warst. Hattest du ursprünglich ganz andere Pläne für dein Leben?

Ja, ich hatte eigentlich ganz andere Pläne in meinem Leben. Wie so das Schicksal wollte, hat es mich in die Richtung Tabak berufen, mit dem ich nun 18 Jahre verbunden bin. Zuerst war der Plan, da ich sehr gerne reise und das meistens auf 2 Rädern, mich im Tourismus zu etablieren. Im Jahr 1998 erwies sich dies als noch sehr schwierig. Ich habe das bis heute nicht aus dem Auge gelassen, aber mit einer anderen Idee: Tabak, Kultur, Cafe, mit dem Touch von Adventure im Isthmus Zentralamerika. Das Motiv ist dem Aficionado noch näher an das Medium Tabak zu bringen und natürlich auch mehr über Land und Leute zu erfahren und auch abgelegene Ecken.

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Machen wir ein kurzes Spiel zusammen. Es ist das bekannte Assoziations-Spiel. Ich gebe dir ein Wort vor und du beantwortest es mit einem einzigen Wort, das dir spontan als erstes einfällt. Ganz ehrlich sein, ja? Bereit? 🙂

  • Armando? Ein langjähriger guter kubanischer Freund, von dem ich viele kleinen Geheimnisse erfahren und viel gelernt habe.
  • Lebensziel? Geniessen .
  • Isthmus? Zigarre.
  • Geld? Wichtig, aber nicht alles im Leben.
  • Du? Immer in Bewegung.

Danke 🙂

Lass uns etwas über Armando Pereda Robania sprechen. (Hinweis der Red.: Das ist der Neffe von Alejandro Robaina. Armando hat mit Kurt Brandt die Marke APR geschaffen. Die Details gibt es hier). Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit für dich?

Ich habe Armando Pereda Robaina in Esteli, Nicaragua kennengelernt. Ein angenehmer, intelligenter Mensch mit viel Erfahrung im Tabak, vor allem im Bereich Pflanzung und Fermentation. Die Verbindung hat sich dann zur Freundschaft entwickelt. Ich habe ihn oft auf der Insel Ometepe besucht, wo er lange die Aufsicht der Tabakpflanzungen hatte. Er hat mich zur Hand genommen und die kleinen Feinheiten beigebracht. Er hat mir viel aus seinem Nähkästchen aus alten Zeiten erzählt, als er in seiner Tätigkeit als leitende Person in der Tabakindustrie auf Kuba tätig war.

Sein Traum war immer eine eigene Marke zu haben und zu Dritt (Armando Pereda Robaina, Juan Gomez und ich) wurde dies verwirklicht. Juan Gomez mit jahrzehntelangen Erfahrungen als privater Torcedor von Alejandro Robaina, bringt seine unschätzbare Erfahrung in jeder Zigarre ein.

 

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Bleiben wir noch etwas beim Thema „Kuba“ und lass uns gemeinsam ein heisses Eisen anfassen. Von Kuba ist bekannt, dass sie zu wenig Tabak haben, um den Markt weltweit zu befriedigen. Die Cohiba Behike ist derzeit weltweit praktisch nicht erhältlich, weil die Kubaner zu wenig Deckblätter haben (Stand April 2016). Angenommen, die Kubaner bitten dich darum, bei dir Tabak für Deckblätter zu kaufen, würdest du es tun?

Kuba hatte schon immer zu wenig Tabak. Weitere Kommentare möchte ich nicht dazu nicht abgeben. Ich mag es heiss, aber heisse Eisen fasse ich nicht mehr an.

In der Branche hilft man sich gegenseitig, Warum hilfst du nicht den Kubanern? 😉

,,Kubaner,, ist ein bisschen generalisiert, nicht alle Kubaner sind mit dem Tabak gross geworden und kennen sich wirklich aus. Der wirkliche kubanischen Tabaquero, welchen man an einer Hand abzählen kann, braucht bestimmt nicht meine Hilfe in der Beschaffung von Deckblättern für die Behike. Ich helfe den Kubanern bei Reparatur und Beschaffung von Ersatzteilen aus Deutschland.

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Gibt es eine lustige oder spannende Story, die du mit den Zigarren.Zone Lesern gerne teilen möchtest?

Tja, da muss ich ganz zum Anfang gehen, ins Jahr 2000, als ich mich in den Verkauf stürzte. Mit einem Alukoffer, den ich heute noch besitze, begab ich mich auf Kundenbesuche, vor allem in Süddeutschland. Ich versuchte es natürlich bei den bekannten Fachgeschäften, unter anderem beim Tabacum in Stuttgart. Dies stellte sich aber als grosse Herausforderung heraus, da Herr Schäuble sehr schwer zu erreichen war und mir zuerst keinen Termin gab. Bei weiteren Versuchen sagte er mir, er hätte tagsüber keine Zeit, aber am Folgeabend hätte er kurz Zeit während einer Jazz Musikpause beim Buch Julius in Stuttgart Charlottenstrasse.

Nun denn, ich packte für diesen Abend meine Musterkisten und ein paar Rauchproben ein und machte mich von Kirchheim Teck, mein damaliger Wohnort, nach Stuttgart auf. Da ich keinen Parkplatz fand, parkte ich etwas entfernt im damaligen Rotlichtviertel in der Nähe des Schellenturms, der Strassenname fällt mir nicht mehr ein. Es war eine Lücke frei, genau vor einer kleinen Weinstube, und ich marschierte mit meinen Rauchproben zum Buch Julius, um Herrn Schäuble zu treffen, den ich nur aus Telefongesprächen kannte. Er sagte mir damals: „Sie werden mich schon erkennen“. Na ja, dann mal los!

Entlang der Neonbeleuchtungen im Glimmerlicht des Viertels kam ich dann zum Laden wo noch die Jazzmusik zu hören war. Ich trat ein, schaute mich in der Menge um und erkannte tatsächlich Herrn Schäuble mit seinen markanten Augenbrauen. Diese Augenbrauen liessen mich zuerst mal erschüttern. Ich stellte mich vor und gab ihm eine kleine Purito 29 x 5,5, als Longfiller verarbeitet, zum Proberauchen. Damals durfte man ja noch in Lokalen rauchen und er zündete sich die kleine Zigarre an. Ich war natürlich sehr gespannt und nervös, einen Mann vor mir zu haben, den man als Fachmann im Tabak und Zigarren weit über Stuttgart hinaus kennt. Dann, nach einigen Zügen, sagte er nur: ,,Schmeckt mir. Gibt es noch was anderes zu sehen?“ Ich sagte ihm, ich hätte Muster im Auto, wir müssten nur kurz hinlaufen.

In der Musikpause machten wir uns auf den Weg in die Zone, im dunkeln, neonbeleuchteten Viertel und ein paar leicht bekleidete Damen auf der Strasse versuchten uns in ein Gespräch zu verwickeln. Am Auto angekommen, ich glaube es war so gegen 22:00 Uhr, öffnete ich den Kofferraum und legte den Alukoffer auf die Motorhaube, öffnete ihn um ihm die Flor Real Zigarren (in der damals noch naturbelassenen Holzkiste) zu zeigen. Im selbigen Moment fuhr eine Polizeistreife vorbei, die sich natürlich wunderten, was die beiden Männer und ein geöffneter Alukoffer um 10 Uhr Nachts in einem Rotlichtviertel zu dealen hatten. Die beiden Polizisten gesellten sich zu uns wir erklärten die Situation. Sie liessen dann von uns ab und fuhren weiter. Kurz darauf sagte Herr Schäuble: „Kommen sie übermorgen vorbei dann schau ich mal was wir machen“. Daraus entstand seine erste Bestellung der Flor Real. Natürlich hatte er auch einen weiteren Gedanken: Am 18. Februar 2001 besuchte mich Siegfried Schäuble damals in Costa Rica für seinen Pilotblend, der jetzigen Mythos Solitude Zigarre.

 

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Welchen Rat möchtest du den Zigarren.Zone Lesern hinsichtlich Zigarren geben?

Mehr direkt und besser informieren und nicht nur grosse Markennamen bewundern. Es gibt viele kleinen Produzenten, die nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, um ein riesiges Marketing zu betreiben. Aber die können eine hervorragende Tabakqualität vorzeigen und verfügen über gutes, beständiges Personal. Ein wichtiger Punkt in der Qualitätssicherung. Es gibt Interessantes zu erkunden. Es ist wie bei einer Reise. Man sollte nicht nur den bekannten bzw. direkten Weg gehen, sondern auch mal fernab das Hinterland erkunden. Da gibt es viele positiven Überraschungen.

Eines möchte ich auch noch einbringen: Gute Qualität hat immer seinen Preis. Vor allem „hecho a mano“.

 

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Kurt Brandt, vielen herzlichen Dank für deine wertvolle Zeit! Das schätzen die Zigarren.Zone LeserInnen und ich sehr! 🙂

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