Annemarie Schuster war „in geheimer Mission in der Karibik“ unterwegs. Für Zigarren.Zone gab sie ein Interview. „Hola! Ich sitze gerade einem netten Café in Esteli und trinke einen Iced Mocca. Draußen ist es so warm, dass man alle 10 Minuten duschen könnte.  Mein Name ist Annemarie Schuster, 25, seit rund 18 Jahren Vegetarier, und ich habe Anfang des Jahres meine Bachelorarbeit in Philosophie über die Grenzen der Toleranz geschrieben. Nun befinde ich mich für gut 6 Monate in Nicaragua, vielleicht auch etwas länger 😉 Wie man von einem Philosophie Studium zu einem Praktikum in Nicaragua kommt, hängt mit der Familiengeschichte zusammen.“

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Philipp Schuster und Annemarie Schuster von Schuster Cigars, Bünde

Unsere Cigarrenfabrik in Bünde, der Cigarrenstadt Deutschlands, wurde vor über 100 Jahren von meinem Urgroßvater gegründet. Heute sind wir als dritte und vierte Generation immer noch im Geschäft. Im Laufe meines Studiums habe ich immer mehr gefallen an der Branche gefunden, da ich auch während des Studiums schon immer mit zur Messe gefahren bin und mich um Social Media Angelegenheiten gekümmert habe. Mittlerweile kann ich mir kaum vorstellen in einer anderen Branche zu arbeiten, davon ist manch einer überrascht, wenn er mich sieht. Aber ich liebe unser Produkt und würde mich freuen, auch noch mehr junge Menschen in diesen Bann ziehen zu können. Anm.d.Red.: Zigarren.Zone Interview mit ihrem Vater, Philipp Schuster.

 

 

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Du warst etwa Anfang 2015 in der Karibik unterwegs. Wo genau und in geheimer Mission?

Wie bereits erwähnt befinde ich immer noch in Nicaragua, in Esteli, der Zigarrenstadt Nicaraguas. Voraussichtlich werde ich bis Juli hier sein. Was ich hier mache? Nun ja, im Endeffekt versuche ich alles über Tabak und Cigarren zu lernen. Und Spanisch. Den Großteil der Zeit verbringe ich in einer Fabrik, mit der wir seit über 20 Jahren zusammen arbeiten. Ich war bereits letztes Jahr im März mit meinem Vater in Esteli und es hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt wieder kommen wollte. Natürlich arbeite ich nebenher auch an neuen Projekten für das Haus Schuster. Wer Schustercigars oder mir auf Facebook folgt, hat bereits den ein oder anderen Einblick bekommen.

 

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Das Thema „Blending“ interessiert viele Leser von Zigarren.Zone. Wie geht man da vor, wenn man eine neue Zigarre komponiert?

Eine neue Cigarre zu kreieren ist längerer Prozess, der durchaus Jahre dauern kann. Ich habe zunächst jeden Tabak einzeln probiert, und das hat schon einige Wochen gedauert. Nachdem ich eine Idee der einzelnen Eigenschaften hatte, habe ich angefangen zu kombinieren. Welche und wie viele Tabake benutze ich für die Einlage, welches Mengenverhältnis ist passend? Dabei geht man in Prozenten vor, allerdings meist nicht weniger als 20% eines Tabaks. Dann muss man sich für ein Umblatt und Deckblatt entscheiden. Diese haben durchaus einen großen Einfluss auf den Geschmack der Cigarre. Habe ich nun ein Blend im Kopf, wird es direkt gerollt und probiert. Wenn es mir gefällt, werden mehr Muster gerollt und für 3-4 Wochen in den Aging Room gelegt und danach noch einmal probiert. Hat der Blend auch diesen Test überstanden, werden Muster nach Deutschland geschickt und dort noch einmal probiert. Aufgrund des Klimas weicht der Geschmack des Blends in Deutschland von dem in Nicaragua ab.

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Bei einem klassischen Blend besteht die Einlage meist aus einer Mischung von Seco, Viso und Ligero Blättern, als Umblatt wird gerne Seco verwendet, da Seco das beste Brennverhalten aufweist. Auch das Deckblatt besteht meist aus Seco oder Viso. Alles in Allem ist man aber recht frei bei der Auswahl der Tabake. Wenn ich eine kräftigere Cigarre blenden möchte, benutze ich unter Umständen gar keine Seco Blätter und beschränke mich auf Viso und Ligero. Welche Tabaksorten ich benutze, ist letztlich eine Frage des Geschmacks. Tabake aus Jalapa und Condega haben zum Beispiel süßliche Eigenschaften.

 

 

 

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Wie entscheidet man sich bei Schuster Cigars, welche Zigarre nun in die Produktion kommt und welche nicht?

Findet ein Blend nun den Weg nach Deutschland ist neben Geschmack auch Geruch und Aussehen wichtig. Die Geschmäcker in unserer Familie gehen teilweise durchaus in verschiedene Richtungen. Bei 5-7 Testpersonen kann das Urteil demnach schon sehr verschiedene ausfallen. Da muss man dann schon mal Kompromisse eingehen. Als mein Vater für 2 Wochen nach Nicaragua kam, habe ich ihm 5 Blends präsentiert, von denen hat ihm einer gefallen, glücklicherweise war es auch mein persönlicher Favorit 😉

 

Wenn nun eine deiner Kompositionen nicht in die Produktion kommt, du aber über den Verkaufserfolg überzeugt bist, wie gehst du damit um? Flippst du aus und schlägst mit der Faust auf den Tisch, bis zu deinen Willen doch noch durchgesetzt hast? 🙂

Soweit ist es bisher noch nicht gekommen. Ich befinde mich ja noch in der Ausprobierphase. Und der Blend, von dem ich wirklich überzeugt bin, hat auch die Gnade meines Vaters gefunden.

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Wie hast du gelernt, die unterschiedlichen Geschmacksnuancen einer Zigarre heraus zu schmecken?

Puh… Im Endeffekt ist das eine Frage der Zeit. Immer wieder testen und vergleichen. Wobei ich gestehen muss, dass ich mich da auch eher auf das Wesentliche beschränke. Ich fange nicht an, zwischen unterschiedlichen Frucht-, Nuss- oder Schokoladensorten zu unterscheiden.

 

 

 

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Wie läuft ein Tasting mit den unterschiedlichen Kompositionen ab?

Ich trinke beim Tasting nur Wasser. Teilweise rauche ich dann 3-4 Cigarren gleichzeitig, da ich sie immer wieder vergleiche. Sinnvoll ist es natürlich mit den leichteren Cigarren zu beginnen und sich dann langsam zu steigern. Aufgrund der Anzahl der Cigarren, rauche ich nicht alle bis zum Schluss. Jedoch muss man schon einige Zentimeter rauchen, um einen guten Überblick über den Geschmack zu bekommen. Irgendwann ist dann aber auch Schicht im Schacht, dann schmecken alle Cigarren irgendwie gleich. An dem Punkt höre ich auf und verschiebe die weiteren Tests auf einen anderen Tag. Und auch wenn es einem viele nicht abnehmen, ein Tasting kann schon harte Arbeit sein 😉

Wer entwirft das Design der Anillas?

Sie entstehen meist in Eigenarbeit meines Vaters.

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Kommen wir mal zu drei Macho-Fragen 😉 Magst du als Frau Zigarren mit hübschen, romantischen und rosaroten Anillas? 😉

Uff – Nein. Ich stehe aber im Allgemeinen wenig auf romantisch und rosarot 😀 Schön darf ein Ring natürlich trotzdem sein. Der Ring der Drew Estate Undercrown gefällt mir z.B. sehr gut. Aber letzten Endes rauche ich eine Cigarre selten aufgrund ihres Kleides…

 

 

 

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Wenn dich Männer eine Zigarre rauchen sehen, welche Sprüche musst du dir da anhören?

Eigentlich wenig bis gar keine… Und wenn, dann kümmert es mich herzlich wenig. Meistens fallen die Reaktionen aber positiv aus. Ich kann mich nur an eine Situation erinnern, in der mir ein Mann sagte, Frauen, die Cigarre rauchen, seien „unsexy“. Naja… Pech für ihn 🙂 Und den ein oder anderen schrägen Blick ignoriere ich einfach und ziehe genüsslich an meiner Cigarre! Mich gibt’s nicht ohne Cigarre 😉

 

 

 

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Wie konterst du dann und wie reagieren die Männer darauf?

Ich bin damit aufgewachsen, Cigarren sind für mich etwas ganz normales. Viele finden das sehr interessant. Wenn es sich um Menschen handelt, die selber keine Cigarre rauchen, dann versuche ich eher sie dazu zu ermutigen, es einmal ausprobieren. Eine Leidenschaft für Cigarren ist im Grunde ähnlich einer Leidenschaft für Weine, Whisky oder gutes Essen.

 

 

 

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So, das sollte reichen 🙂 Welche Art von Zigarren magst du am liebsten?

Ich rauche gerne Cigarren mit einer gewissen süße und greife z.B. entsprechend häufig zu Maduros. Beim Format bewege ich meist im mittleren Bereich – ein Ringmaß von 48-52 ist perfekt. Und ob die Länge eine Rolle spielt, wird wohl immer eine ungeklärte Frage bleiben 😉

 

Wenn es eine einzige Sache gäbe, die du mit den Lesern von Zigarren.Zone gerne teilen würdest, welche wäre das und warum?

Frauen brauchen keine extra Cigarre für Frauen! Geschmacklich sollte für jeden, ob jung oder alt, männlich oder weiblich, hetero- oder homosexuell, eine Cigarre auf dem Markt zu finden sein. Und wenn es um’s Design geht… Ich habe auch noch keinen Käse in extra femininer Verpackung gesehen und trotzdem kaufen Frauen ihn ein.

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Wenn nun der ein oder andere Leser näheres Interesse an unseren Produkten oder unserer Geschichte hat, dann sei Er/Sie herzlich eingeladen uns im Social Web zu folgen und/oder zu kontaktieren. Gerne auch persönlich oder per Mail. In Deutschland sind unsere Produkte in über 200 Fachgeschäften erhältlich. Und auch in Österreich und der Schweiz sind wir vertreten. Außerdem ist es nach Absprache auch möglich, eine Führung durch das Firmengebäude zu organisieren.

 

 

 

 

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Annemarie Schuster
Cigarrenfabrik August Schuster GmbH & Co KG
Blumenstraße 2-8
D-32257 Bünde
aschuster(at)schustercigars.de

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Fotos: Z.V.g. von Annemarie Schuster

Annemarie, vielen Dank für deine Zeit, das schätze ich sehr 🙂 Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viele genussreiche Momente!