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Liebe ZigarrenZone-Freunde, heute begrüsse ich im beliebten ZigarrenZone-Interview Frank Hidien. Er sagt heute im Interview, warum am Gerücht nichts dran ist, dass Kuba Deckblätter importiert. Frank Hidien begleitet als Journalist seit 1997 die Tabakbranche. Damals wurde er Chefredakteur des neuen Magazins PIPE & CIGAR, das bis 2005 am Markt war. Der Verlag stellte das Magazin ein, weil der Gesetzgeber ein komplettes Verbot von Tabakwerbung anstrebte. Als das geschah, arbeitete Frank Hidien bereits als selbständiger Journalist. Im ZigarrenZone-Interview sprechen wir heute über drei Themen: Kubanische Zigarren / Ferien auf Kuba / Die Tabak Gesetzeslage.

HAVE A GOOD SMOKE 😁

Vasilij Ratej, Herausgeber ZigarrenZone

Fotos: Frank Hidien / Pixabay

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Foto oben: Frank Hidien

Thema kubanische Zigarren

Auf Kuba herrscht Tabakmangel. Es gibt Gerüchte, dass diverse kubanische Marken ausserhalb Kubas produziert werden. Welche Marken sind das?

Dieses konkrete Gerücht kenne ich nicht.

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Foto oben: Neben Zigarren schreibt Frank Hidien auch Kritiken über Restaurants, die im Falstaff Magazin erscheinen.

 

Es gibt auch ein anderes Gerücht: Kuba importiert Tabak, um die Nachfrage zu befriedigen. Hauptsächlich soll es sich um Deckblätter handeln. Seit wann wird das gemacht?

Als ich 1997 begann, über Zigarren zu schreiben, existierte dieses Gerücht bereits. Gerne kolportiert von konkurrierenden Herstellern. Beweise dafür wurden mir nie präsentiert. Insbesondere Deckblätter sind natürlich ein heikler Punkt. Man hat dies in den letzten Monaten bemerkt, als Cohibas in Deutschland schwer erhältlich waren. Habanos S.A., die Havannas weltweit vermarktet, begründete den Mangel an Cohibas mit schlechten Deckblatt-Ernten. Glaubte man dem Gerücht, so hätte Kuba sicherlich Deckblätter importiert. Grundsätzlich besteht daran kein Mangel in der Welt. Aber es geschah nicht, Cohibas blieben Mangelware.

Jeder Havanna-Raucher hat sich schon einmal über schlechte Deckblätter beklagt. Schaut dann in der Regel darüber hinweg, wenn der Geschmack stimmt. Bei anderen Herstellerländern ist er sonderbarerweise nicht so tolerant. Der Mangel an guten Deckblättern liegt sicherlich auch daran, dass die Kubaner aufgrund der verhältnismäßig kleinen Anbaugebiete und der Produktionsmenge an Zigarren kein Lager für Notfälle aufbauen können. Ob dies an der außerhalb Kubas vielfach kritisierten schlecht arbeitenden sozialistischen Planwirtschaft liegt, könnte zutreffen.

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Foto oeben: Die Bolívar Tesero Edicion Regionales Alemania 2016 ist ein Beispiel für eine hervorragende Havanna mit Lagerungspotenzial.

 

Das Fleckchen Erde auf Kuba, auf dem Tabak angebaut wird, ist sehr klein. Schauen wir uns deshalb noch ein Gerücht an: Die Zig-Millionen von Zigarren können gar nicht von Kuba stammen. Im karibischen Raum würden nahezu perfekte Fälschungen kubanischer Zigarren produziert. Auf dem Weltmarkt gäbe es mehr perfekte Fälschungen als Originale. Was hältst du von diesem Gerücht?

Das Fleckchen ist Vuelta Abajo bzw. das Vinales Tal im Westen, wo der beste Tabak für kubanische Premiumzigarren wächst. Demgegenüber steht im Osten die Provinz Oriente, wo Tabake für Zigaretten und Zigarren für den nationalen Gebrauch angebaut werden. Heinrich Villiger, der wohl beste lebende Kenner von kubanischen Tabaken außerhalb Kubas, hat mir in vielen Interviews versichert, dass Klima und Boden in Oriente keine ausreichenden Bedingungen liefern für Premiumzigarren. Die Kubaner würden stückmäßig sicherlich so viele eigene Zigarren rauchen wie Premiumzigarren exportieren. Aber Geschmack und Qualität der Zigarren aus den Tabaken des Oriente-Gebietes seien eben auch nicht für den Export geeignet. Ob US-amerikanische Fachleute irgendwann einmal auf die Insel kommen und zumindest den Boden in Oriente verbessern können, vielleicht sogar neue Tabak-Klone entwickeln, die dort erfolgreich wachsen, ist Zukunftsmusik.

Perfekte Fälschungen außerhalb Kubas? Da möchte ich auf die vielen außerhalb von Kuba legal produzierten Zigarren hinweisen, die mit Kuba in ihren Markennamen werben und auf Kuba-Saaten verweisen. In den USA werden sie erfolgreich verkauft. Viele Amerikaner setzen Kraft und Power, die diese Zigarren besitzen, mit dem Charakter einer Havanna gleich. Die sie entweder noch nie oder selten Havannas geraucht haben. Nach Deutschland und in die Schweiz sind diese Marken auch schon vorgedrungen. Ich muss aber sagen, dass sie so gut wie nie geschmacklich nur in die Nähe einer wirklich guten Havanna kommen. Wobei ich auch anmerken muss, dass unter den in Deutschland über 200 verfügbaren Formaten viele Zigarren sind, die meines Erachtens nicht den hohen Anspruch erfüllen.
Was sollen also gewollte Fälschungen geschmacklich erreichen, wenn es die legalen Marken nicht schaffen?

Ein paar Worte noch zu den Zig-Millionen Zigarren, die gar nicht aus Kuba stammen können. Um die Jahrtausendwende verkündete Habanos S.A., dass man die 100 Millionen Stück an Premiumzigarren (danach wurden nie wieder Zahlen publiziert) auf 120 Millionen steigern möchte! Parallel kam damals das Deckblatt Habanos 2000 auf den Markt, das zum Flop wurde. Es sah hässlich aus, brannte miserabel ab, war aber resistent gegen Blauschimmel. Außerhalb Kubas wurde dieses Deckblatt mit gleichen Folgen übrigens auch eingesetzt. Es dauerte Jahre, bis man den Fehler erkannt hatte und wieder alte Tabaksorten kultivierte. Das wäre DIE Gelegenheit gewesen, auf nicht-kubanische Tabake umzuschwenken, was aber nicht geschah.

Und nun noch eine kleine Geschichte, wie eine Havanna wirklich schmecken kann. Mehrfach durfte ich den Torcedor Reynaldo in der Casa del Habano des Hotels Villa Condenueva in Havanna erleben. Um 2006 herum hat er herausragende Zigarren gerollt. Ich habe mit meinem FB-Freund Wolfgang Gottbrath vor drei Wochen eine dieser Havannas geraucht. Sie stammte aus dem Jahr 2006. Reynaldo hatte damals glänzende Rohtabake, woher auch immer in diesem sozialistischen Staat. Für mich nahezu das Beste, was ich je geraucht habe. Und das immer noch nach 11 Jahren. Wolfgang war geneigt, mir zuzustimmen, dass es eine sehr gute Zigarre sei. Kuba ist in der Lage, solche Zigarren herzustellen. Als einziges Land der Welt. Und wenn denn der große Weltmarkt an Rohtabaken zur Verfügung stände, würde man in Kuba darauf sicherlich zurückgreifen, wenn man wollte.

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Foto oben: Meister-Torcedor Reynaldo in seiner Casa del Habano in Havanna.

 

Wie entlarvt man eine nahezu perfekte Fälschung? Ich meine nicht die Strassenware aus Kuba…

Letztendlich kann das nur ein Labor leisten. Visuell ist es unmöglich. Ich habe schon Deckblätter auf nicht-kubanischen Zigarren gesehen, die kubanische Manufakturen vor Neid hätten erblassen lassen sollen. Geschmack ist eine andere Ebene. Er ist natürlich subjektiv geprägt, dann aber auch durch Erfahrung. Du kennst in der Schweiz vielleicht auch den Spruch „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“. Hendrik Thoma, ein über Deutschlands Grenzen hinaus bekannter Sommelier und begeisterter Havanna-Raucher, sagte mir einmal, über Geschmack lässt sich sehr wohl streiten, sofern man einen besitzt. Dazu gehört die erwähnte Erfahrung und ein sensibler Gaumen. Auch hier muss ich sagen, dass ich schon einige wenige nicht-kubanische, legal vermarktete Zigarren geraucht haben, die kubanische Manufakturen vor Neid hätten erblassen lassen sollen.

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Foto oben: Sein Kommentar bei Facebook: „Die Romeo y Julieta Capuletos Edición Limitada 2016 stellt mit 19,90 Euro Preis/Leistung auf eine harte Probe. Dafür gibt es im regulären Programm sehr gute Zigarren oder gleich fast zwei Stück. Reifung? Die Zigarre präsentiert sich jetzt schon sehr ausgereift, harmonisch und elegant. Fans der Marke werden sie mögen. Einschätzung: Ein angenehmer, nicht auffallender Smoke. Kein Bordeaux, mehr ein frischer Terrassen-Wein. Bösartig könnte man auch sagen, gepflegte Langweile. Meine Frau, die immer mitraucht, meinte sogar „Heiße Luft“, und da war die Zigarre schon bei der Hälfte.“

 

Am 1. Januar 1959 wurde der kubanische Diktator Fulgencio Batista von Fidel Castro und seinen Truppen gestürzt. In den nächsten Jahren fanden auch in der Tabakindustrie Enteignungen der der Tabakproduzenten statt. Die meisten Markeneigner verliessen Kuba und liessen sich im karibischen Raum nieder. Sie nahmen den Markennamen damals einfach mit. So findet man z.B. auch heute noch eine Cohiba aus der Dominikanischen Republik. Falls sich der amerikanische Markt öffnen sollte, und die kubanischen Marken mit gleichem Namen auf den amerikanischen Markt kommen, wird es markenrechtliche Probleme geben.

Wie schätzt du diese Situation ein?

Diese markenrechtlichen Probleme sind gigantisch. Rechtlich sowieso, weil Exil-Kubaner ihre alten Markenrechte ausgraben werden und einklagen wollen. Dann die Verwirrung der Konsumenten, wenn es am selben Markt beispielsweise die kubanische und dominikanische Cohiba gibt. Und dann natürlich für die Konzerne, die nicht-kubanische Marken mit kubanischem Namen vertreiben. Die Altadis (entstanden aus dem Zusammenschluss der spanischen Tabacalera und der französischen Seita) ist zu 50 % an Habanos S.A. beteiligt. 2008 wurde sie von Imperial Tobacco übernommen. Jetzt kommt der heikle Punkt. Imperial lässt über eine ihrer Tochterfirmen zum Beispiel die dominikanische Montecristo herstellen. Was wird Imperial tun, wenn die kubanische Montecristo auf den US-Markt kommt und dort gegen die dominikanische, übrigens sehr milde Montecristo antritt? Das wird spannend!

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Foto oben: Don Alejandro Robaina (li.) war eine kubanische Legende. Antonio de Dias (heute Repräsentant der Habanos S.A. in Deutschland) gab einer deutschen Händlergruppe und Frank Hidien die Gelegenheit, ihn auf seiner Finca zu besuchen.

 

Es heisst, dass kubanische Marken immer ähnlicher schmecken. Die typischen Unterschiede der Marken gehen verloren. Warum ist das so?

Ich habe Gerüchte gehört, dass die Kubaner eine Vereinheitlichung anstreben. Man darf das wohl vor dem Hintergrund sehen, dass sie momentan über 20 Marken, diese dann wie bei Cohiba beispielsweise mit mehreren Linien, mit dem raren Tabak versorgen müssen. Dieses Gerücht klingt nach nur wenigen Marken, die übrigbleiben, denn ich hoffe doch, dass der Konsument die Doubletten erkennen wird. Und das wiederum erinnert an ein Gerücht, das in einem deutschen Zigarrenbuch kolportiert wird, wonach Castro nach der Machtübernahme die Einheitszigarre anstrebte, sogar begann sie einzuführen. Nach sozialistischem Glauben wohl der richtige Ansatz, aber marktwirtschaftlich ein Desaster. Angeblich soll er dann Zino Davidoff eingeladen haben, der ihm das erklärte und mit seinen kubanischen Davidoffs wieder für Vielfalt sorgte. Zino schreibt Ähnliches übrigens in seinem „Zigarrenbrevier“. Castro hat dies in einem Interview mit dem Cigar Aficionado dementiert.

Um auf die Frage zurückzukommen. Für Konsumenten wie auch Habanos S.A. wäre die Vereinheitlichung der falsche Schritt. Vielfalt sorgt für Nachfrage! Wenn schon Begrenzung, dann lieber das Einstellen von Formaten oder gar ganzen Marken. Das ist natürlich sehr schmerzhaft für den Konsumenten, der gerade diese liebt. Ich habe noch ein paar Ramon Allones 8-9-8 aus der alten Produktion. Es war eine geniale Zigarre. Aber wenn deren Tabake dann für die RA Specially Selected eingesetzt werden, ebenfalls eine hervorragende Zigarre, dann kann bzw. muss ich das akzeptieren.

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Foto oben: Die Torcedores der Upmann Manufaktur.

 

Thema Ferien auf Kuba

Wenn jemand zum ersten Mal Urlaub auf Kuba machen möchte: Was rätst du ihm soll er sich unbedingt anschauen?

Havanna natürlich. Eine der schönsten Städte der Karibik, vielleicht kann man den Radius sogar noch weiterziehen. Es ist zum einen der morbide Charme, den die Stadt ausstrahlt, weil Ruinen (häufig leben dort noch Menschen) neben bestens renovierten Stadtpalais stehen. Zum anderen kann man nur dort noch derart geballt den spanischen Kolonialstil bewundern, der in anderen Städten gesichtslosen Neubauten gewichen ist. Der Grund liegt auf der Hand. Castros Leuten fehlte immer das Geld für Neubauten!

Sofern man sich für Zigarren interessiert ist, sollte man einen Ausflug in das Vinales-Tal unternehmen.

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Foto oben: Das Vinales Tal auf Kuba, Heimat des Tabakanbaus für kubanische Premiumzigarren.

 

Was denkst du über die All-Inclusive-Hotels?

Für mich persönlich sind die grundsätzlich etwas abschreckend. Wer Strandurlaub sucht, ist am Varadero richtig. Das ist von Havanna aber ein gutes Stück entfernt. Ich neige zum Vorurteil, dass man für ähnliches Geld, sofern man auf Havanna keinen Wert liegt, auf anderen Inseln der Karibik bessere Hotels findet. Denn die Versorgung mit Lebensmitteln, insbesondere, was der deutsche verwöhnte Gast so liebt, ist auf Kuba etwas schwierig.

In den Hotels von Havanna haben die Preise übrigens heftig angezogen, als das Embargo gelockert wurde. Voraussichtlich verbesserte sich aber nicht der Standard von Service und Einrichtung, den man als West-Europäer gewohnt ist. Kostenbewussten Menschen seien Appartements empfohlen, die im Internet vielfach angeboten werden.

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Foto oben: Das Hotel Nacional ist Frank Hidiens Lieblingshotel in Havanna. Die Zimmer haben nach deutschen Maßstäben eher nur drei Sterne. Dafür eine wunderschöne Terrasse, ein beeindruckendes Foyer und mit seinen früheren US-Mafia-Gästen und US-Prominenten ein Haus mit Flair.

 

Was glaubst du, wie sich Kuba in den nächsten 10 Jahren entwickeln wird?

Das hängt davon ab, ob das US-Embargo fällt. Sollte dies der Fall sein, wird Kuba ein ähnliches Schicksal ereilen wie die DDR nach dem Mauerfall. Investoren, aber auch Glücksritter und vor allem Exil-Kubaner werden das Land „überfallen“. Die Hotelpreise werden noch mehr steigen als dies in letzter Zeit der Fall war.

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Internet auf Kuba: Welche mobilen Geräte soll man mitnehmen (Handy, Tablets) und wie ist der Internetempfang?

Hotspots und Ähnliches sind Mangelware. Die Kosten vergleichsweise immens.

 

Wo kauft man auf Kuba Original Habanos – beim Strassenhändler?

Es gibt in Havanna mehrere Casa del Habanos-Läden, wo man beruhigt einkaufen kann. Die Preise sind aber nicht bemerkenswert tiefer als in Deutschland oder in der Schweiz. Ich würde daher dort nur Zigarren/Marken kaufen, die in meiner Heimat nicht erhältlich sind. Der berühmte Straßenverkäufer bietet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gefälschte Ware an. Man kann sich dann damit trösten, dass kubanischer Tabak enthalten ist. Im Zweifelsfall wie Gerüchte behaupten aber auch schon einmal Palmblätter.

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Thema Gesetzeslage

Was ist deine persönliche Meinung zu den Gesetzen gegen Zigarren?

Die Politik kann mit Ausnahmen bei Gesetzen schlecht umgehen. Also gibt es auch bei der Gesetzgebung für Zigarren bzw. vor allem bei der öffentlichen Diskussion den großen Topf, in den alles geworfen wird. Dabei ist in der Regel in erster Linie die Zigarette gemeint. Die großflächig angebrachten Bildwarnhinweise auf Zigaretten und Feinschnitt sind Zigarren und Zigarillos erspart geblieben. Ich fürchte aber, dass dies nicht endgültig sein wird. Politik und weite Teile der Gesellschaft verstehen nicht, dass es sich um komplett andere Tabakprodukte und auch Zielgruppen handelt. Und ich glaube nicht, dass sie es jemals verstehen werden.

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Du hast als Journalist Kontakt zu Herstellern. Wo drückt der Stein im Schuh bei den deutschen Zigarrenherstellern?

Ich spreche mal erst mal für Hersteller UND Importeure. Das Anbringen der Warnhinweise, vorheriges Drucken, andere Regelungen in Exportländer etc. hat große Kosten zur Folge. Diese wiederum werden zur Konsequenz haben, dass man gewisse Nischenprodukte, die ohnehin keinen bedeutenden Umsatz gebracht haben, einstellen wird. Oder man spart sich gewisse Formate, für die größere oder kleinere Aufkleber mit Warnhinweis nötig wären als für die Standardware.

Deutsche Hersteller, sprich von deutschen Shortfillern, also Sumatra und Brasils, leiden seit Jahren unter Rückgängen, sofern sie keine aromatisierten Produkte anbieten. Es ist mir zwar ein Rätsel, wie man so etwas rauchen kann, aber sie verkaufen sich auf hohem Niveau. Longfiller-Raucher haben im Hinterkopf häufig karibische, romantische Gefühle bzw. pochen auf die Handarbeit. Dabei kann eine gute Sumatra, für mich mehr noch eine Brasil, ein großer Genuss sein. Verarbeitet werden natürlich andere Tabake. Aber wer an seinem Bordeaux den Anteil an Merlot und Cabernet Sauvignon schätzt, trinkt bestimmt auch mal gern einen Toskaner oder einen Spanier mit ganz anderen Reben. Wird dieses Vorurteil nicht verschwinden, werden die Raucher von Sumatras und Brasils zunehmend aussterben und Deutschland ein Stück Kultur verlieren.

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Die Kosten für die Produzenten sind sehr hoch. Kannst du uns ein Beispiel nennen?

Auf die Kosten wegen der Bildwarnhinweise bin ich bereits eingegangen. Dann gibt es da noch den unschönen Begriff Track-and-Trace. Wir Konsumenten kennen ihn, wenn wir an Hand einer Trackingnummer alle Schritte eines Pakets verfolgen und dann schlussendlich sehen, dass es beim Empfänger angekommen ist. Der Gesetzgeber möchte dies für Tabakprodukte haben und will damit den Zigaretten-Schmuggel unterdrücken. Ob das Schmuggler bzw. die Hersteller von illegalen Zigaretten wirklich beindruckt, sei dahingestellt. Die Zigarettenindustrie kann damit wohl ganz gut umgehen. Es handelt sich vergleichsweise um wenig Produkte und finanzielle Mittel sind ja da. Aber man stelle sich einen Zigarrenhersteller in der Karibik vor. Strenggenommen, der Gesetzgeber hat sich noch nicht klar geäußert, müsste jeder Roller seine Zigarren dokumentieren. Dies wären im schlimmsten Fall 25 Dokumente pro Kiste. Dann läuft diese Kiste dokumentiert über die Grenze. Kommt in Deutschland beim Importeur an, der sie dokumentieren muss. Dann landet sie beim Händler. Gibt dieser sie zurück, beschädigte Zigarren oder was auch immer, geht die Dokumentation von vorne los. Natürlich gibt es dafür sicherlich Softwares, aber die kosten. Und ein deutscher Mittelständler hat hunderte verschiedene Produkte! Die Gesamtkosten mag sich niemand vorstellen, auch sie werden wieder zu einer Ausdünnung des Sortiments führen. Und unklar bleibt mal wieder, warum auch Zigarren und Zigarillos in dem großen Topf liegen, will man doch die Zigarette treffen. Havannas werden gefälscht. Aber wann landen die schon mal im deutschen Fachhandel. Und was wird sonst noch gefälscht?!

 

Deine persönliche Einschätzung: Wie wird sich der Markt in Europa wegen den Gesetzen entwickeln?

Wie schon erwähnt wird es über kurz oder lang eine Verschärfung der Gesetze hinsichtlich der Warnhinweise geben. Denkbar bis zum kompletten Plain Packaging, die Bildwarnhinweise sind eine Vorstufe. Oder aber das Präsentationsverbot für Tabakprodukte, sie dürfen dann im Handel nur noch in einem geschlossenen Schrank lagern. Eine Beratung findet nicht mehr statt, weil der Kunde ganz konkret seinen Wunsch äußern muss. Irland hat dies als erstes EU-Land bereits 2009 eingeführt. Wenn die Gesetze stärker greifen, Kosten erzeugen (s.o.) werden die Hersteller ihr Angebot straffen, Konsumenten ihre Lieblingsprodukte verlieren. Die Zigarettenindustrie hat es bei der Einführung der Bildwarnhinweise vorgemacht, viele Marken sind verschwunden!

 

Zum Schluss

Welche lustige, spannende oder interessante Story, die du mit Zigarren erlebst hast, kannst du mit uns teilen?

Heinrich Villiger habe ich in den letzten Jahren viele Male getroffen und auch mehrfach interviewt. Ich schätze ihn als äußerst sympathischen und kenntnisreichen Gesprächspartner, immer humorvoll, gelassen und vor allem bescheiden.

Zu Ehren von Villigers 50. Firmenjubiläums in Waldshut-Tiengen im Jahr 2008 hielt u.a. der Präsident der Industrie- und Handelskammer eine Rede und berichtete, dass sie 25 gemeinsame Motorrad-Touren durch ganz Europa absolviert hätten: „Bei einer unserer ersten Ausfahrten, damals noch ohne Begleitfahrzeug, überraschte uns Heinrich mit winzigem Gepäck. Ein paar Jeans, Polo-Hemd und Kulturbeutel. Aber das Wichtigste hatte er dabei, eine Packung „Rei in der Tube“. Während wir vollgepackt waren, hat er abends sein Hemd gereinigt und hatte morgens wieder ein sauberes.“
Ich darf eine eigene Geschichte anknüpfen. Nach einem unserer Interviews stand eine große Reise mit seinem neuen Rohtabak-Einkäufer durch die Karibik, Mittelamerika und Brasilien bevor. Auf meine Frage hin, wie man sich darauf vorbereitet, meinte Villiger, er habe seinem Begleiter eingeschärft, nur mit Handgepäck zu reisen. Bei Anschlussflügen möchte er nicht auf sein Gepäck zu warten.

Ich wünsche Heinrich Villiger noch viele gesunde Jahre, begleitet von einer guten Zigarre und einem Glas Wein, was er beides mit seinen 87 Jahren immer noch zu schätzen weiß.

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Foto oben: Heinrich Villiger ist einer der besten noch lebenden Kenner kubanischer Zigarren.

 

Frank Hidien, herzlichen Dank für deine Zeit, das schätzen die Leser von ZigarrenZone sehr 🙂

 

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www.frankhidien.de Frank Hidien begleitet als Journalist seit 1997 die Tabakbranche. Damals wurde er Chefredakteur des neuen Magazins PIPE & CIGAR, das bis 2005 am Markt war. Der Verlag stellte das Magazin ein, weil der Gesetzgeber ein komplettes Verbot von Tabakwerbung anstrebte. Printmedien ohne Anzeigen, das heißt ausschließlich mit Einnahmen durch Verkauf des Magazins oder der Zeitung zu verlegen, ist nahezu unmöglich. Es sei angemerkt, dass der deutsche Gesetzgeber dann doch einen wichtigen Nebensatz im Gesetz platzierte, wonach Tabakwerbung in Special Interest-Publikationen erlaubt sei. Als das geschah, arbeitete Frank Hidien bereits als selbständiger Journalist.

Bei PIPE & CIGAR erschienen unter seiner Leitung 4 Mal jährlich Zigarren-Tastings, wo bis zu neun Zigarren getestet wurden. Seit 2007 leitet Frank Hidien im Smokers Club Magazin das Zigarren-Tasting mit der gleichen Frequenz und Menge. Addiert man die vielen Zigarren dazu, die die Aufnahme in die Tastings nicht geschafft haben, kommt da eine ganze Menge zusammen. Die wichtigen Anbauländer wie Kuba und Dominikanische Republik hat er mehrmals bereist.

Frank Hidien schreibt heute nicht nur über Tabakthemen, speziell Zigarren, sondern auch über andere Genussthemen wie Restaurants, Wein und Spirituosen.