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Liebe ZigarrenZone-Freunde, dumme Sprüche gegen Neulinge sind nicht hilfreich – Klaus Hruby’s Klartexte. Kennt ihr Klaus Hruby? Nein? Das ist aber eine grosse Bildungslücke! So, genug der Beleidigungen 😉 Ihr solltet Klaus Hruby unbedingt kennenlernen. Seine Texte sind bemerkenswert schön zum lesen. Auch seine Fotos strahlen etwas ganz Besonderes aus. Man merkt bei jeder Zeile und bei jedem Foto: Da steckt ein Mensch dahinter, der den Genuss zelebriert. ZigarrenZone macht’s möglich – lernt Klaus jetzt im ZigarrenZone Interview kennen. Viel Vergnügen!

HAVE A GOOD SMOKE 😁

Vasilij Ratej, Herausgeber ZigarrenZone

Deine Texte in deinem Blog http://derblauedunst.com machen ab und zu den Eindruck, dass du viele Zigarrengeniesser für Deppen und Loser hältst. Hältst du sie für Deppen und Loser?

Nein, ich halte sie weder für Deppen, noch für Loser. Es sind bestimmte Dinge oder geistige Haltungen mit denen ich manchmal ein Problem habe. Natürlich ist manches etwas provokant oder überspitzt formuliert, aber nicht immer ist die feine Klinge das richtige Werkzeug.

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Was nervt dich an solchen Leuten?

Ganz besonders hadere ich damit, wenn Einsteigern Tipps gegeben werden, die weder hilfreich noch korrekt sind. In einem Forum wurde einmal gefragt, ob das normal ist, dass bei einem Xikar Xi2 die Klingen nicht synchron schneiden. Der junge Mann, der die Frage in die Runde gestellt hat, erwähnte noch, dass das sein erster Cutter sei und dass ihm dieser vom Händler empfohlen wurde. So, die korrekte Antwort wäre: „Ja, das ist vollkommen normal.“ Stattdessen kamen Tiraden darüber, warum er sich nicht gleich einen XO gekauft hat, der schneidet absolut synchron und alles andere ist sowieso nur rausgeworfenes Geld. Wieder einmal wurde der Mythos genährt, dass man für den Genuss einer Zigarre tief in die Tasche greifen muss. Und sowas ist für mich ein No-Go!

 

Ja, solche Antworten spielen sich wirklich oft ab. Man schaukelt sich gegenseitig hoch – völlig unnötig. Warum glaubst du ist das so?

Das ist eine Frage für einen Psychologen 😉 Ich glaube, viele Menschen wollen einfach nicht zugeben, wenn sie keine Ahnung haben. In einigen Gruppen sind tatsächlich Spitzenexperten – so wie Du – unterwegs und ich denke diese wollen dazugehören. Ein paar Schmocks sind aber sicher auch darunter 😉

 

…Ich – ein Spitzenexperte? Ach, da gibt’s aber noch spitzere als mich… lass mich nachdenken: Da wäre der… nein… oder der… nein auch nicht…. Klaus, vielleicht hast du Recht.

Foto unten: Pixabay

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Du lebst in Österreich. Deine Tastings machst du gerne in einem Kaffeehaus. Wie geht das denn in Österreich? In Österreich ist es sogar verboten Tabakwaren per Post zu verschicken. Wie kommt es, dass man in einem Kaffeehaus Zigarren schmauchen darf?

Ja, „dank“ uralten Gesetzen und dem Verkauf eines Tabakmonopols, ist der Versand von Tabakwaren von außerhalb, aber auch innerhalb der Grenzen Österreichs verboten. Da ich meine Zigarren ins Kaffeehaus selber mitnehme, ist das für mich allerdings kein Problem. Bis Mai 2018 darf in der Gastronomie, wenn eine entsprechende räumliche Trennung besteht (Raucher/Nichtraucher), weiterhin geraucht werden. Genau wie in Hotels.

Foto unten: Klaus Hruby

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Ja, ab 2018 wird das Rauchen in Österreich in Lokalen verboten sein. Wirst du eine „Hinterzimmer-Spelunke“ eröffnen und dich dort mit Freunden zum Zigarrengenuss treffen?

Nein, ich werde keinen Speak-Easy auf die Beine stellen, wobei ich eigentlich schon daran gedacht hatte 😉 Auch wenn ich mir bei meinen Landsleuten vielleicht keine Freunde mache, aber wir Österreicher sind die Könige der Gesetzeslücken und Grauzonen. Beispielsweise darf es in Hotels weiterhin Raucher-Lounges geben, allerdings darf darin nicht konsumiert werden, es werden also keine Getränke serviert. In Tabak-Trafiken (Tabakfachhandlungen) darf ebenfalls weiterhin geraucht werden. Daraus lässt sich schon etwas drehen.

Foto unten: Klaus Hruby

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Trafiken sind in der Schweiz und in Deutschland nicht so bekannt. Was ist das eigentlich?

Trafik nennt man in Österreich Geschäfte, die Tabakerzeugnisse verkaufen dürfen. Selbstverständlich bekommt man auch Zeitschriften, Zeitungen, Papierwaren usw. Seit dem Erlass 1748 des Tabakmonopols dürfen nur „Trafiken“ (eigentlich Tabaktrafiken) Tabakwaren verkaufen. Seit Beginn werden Lizenzen eigentlich nur an Kriegsinvaliden, Soldatenwitwen vergeben. Heute sind es beeinträchtigte Menschen. Vererbt darf meines Wissens nur werden, wenn der Erbe fünf Jahre in eben dem vererbten Betrieb gearbeitet hat. Ansonsten wird die Lizenz neu vergeben.Trafik leitet sich vom italienischen traffico, für Handel, ab. In ehemaligen Staaten der Monarchie, wie Tschechien gibt es den Begriff ebenfalls noch, dort heißt es trafika.

 

Warte mal… diese „Spelunke“ geht mir nicht mehr aus dem Sinn! Ach komm schon – denk doch mal: „Hinterzimmer-Spelunke“… , ein halbdunkler Gang, Guckloch in der Türe, man klopft an, das Guckloch öffnet sich knarrend, ein mürrischer Blick mustert mich, das Passwort muss genannt werden, die Türe öffnet sich knirschend… Man tritt ein… Loungesessel, eine herrliche Bar, Zigarrenduft… Musik… fröhliche Menschen… Cool, oder?

In Wien gibt es solche Orte bereits, es ist aber besser, wenn ich jetzt still bin 😉

Foto unten: Pixabay

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Du liebst es Zigarren zum Kaffee zu verkosten. Wie erlebst du so eine Kombination?

Also prinzipiell verkoste ich von keiner Zigarre nur ein Exemplar. Ich rauche schon bis zu fünf Zigarren von einem „Modell“. Meistens probiere ich eine Zigarre bei Freunden, oder zu Hause. Die zweite Zigarre wird dann auf Herz und Nieren geprüft, begleitet von einer Scheibe Weißbrot und einem Glas Wasser. Dieser Tick ist mir von meiner Sommelier-Ausbildung geblieben. Danach geht es dann ins Kaffeehaus. In meinem Blog bekommt man das Endergebnis, wenn sich die Eindrücke verbinden. Zigarren probieren ist Arbeit – Arbeit die Spaß macht 😉

 

Ah – Weissbrot… der ultimative Trick. Magst du uns erzählen, was Weissbrot bewirkt und wie man ihn „einsetzt“ bei einem Tasting?

So ultimativ ist der Trick gar nicht. Weißbrot sorgt dafür, dass sich der Geschmack im Mundraum neutralisiert. Schwarzbrot funktioniert im Prinzip auch. Bei Weinverkostungen sollte eigentlich immer Brot vorhanden sein. Ich nehme immer ca. nach einem Drittel eine kleine „Brot-Pause“ und ein paar Schluck Wasser. Definitiv kein „Muss“, aber es ist Routine geworden.

Foto unten: Pixabay

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Welche Art von Zigarren schmecken dir zu welcher Art Kaffee?

Schwere Frage. Kommt auf die Stimmung an. Macanudo Maduro, oder Joya Black hab ich gerne zu Espresso. Joya Red passt hervorragend zu einer Melange, oder einem Flat-White. Die Trinidad Vigia harmoniert auch eher mit der milchigen Sorte.

Foto unten: Klaus Hruby

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Was sollte man sich also anschaffen? Eine professionelle Espressomaschine?

Das kommt ganz auf den persönlichen Geschmack an. Das Wichtigste beim Kaffee ist zunächst das Wasser, das keinesfalls heißer als 92 Grad sein sollte, sonst wird es eine bittere Angelegenheit.

Foto unten: Pixabay

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Kleiner Tipp: die Wasserkocher zur Herstellung von Babynahrung sind wesentlich billiger, als Wasserkocher für Kaffee und erfüllen absolut den selben Zweck. Exakte Temperatureinstellung und Warmhaltefunktion.

Ich persönlich schwöre auf Pressstempel-Kannen zu Hause, im Kaffeehaus oder dem Speciality-Coffeeshop eher Espresso.

Foto unten: Klaus Hruby

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Wie schaut’s aus mit Rum oder Whisky zur Zigarre? Welche Kombinationen magst du?

Ich bin ein absoluter Whisky Liebhaber, vernachlässige aber das Thema auf meinem Blog, da über das schon sehr viel geschrieben wurde. Meine Favorites sind die Destillers Edition von Talisker, oder auch der Talisker Skye, der jetzt den Talisker 10 years abgelöst hat. Ich mag aber auch Oban und Dalmore recht gerne. Bei Dalmore sollte er aber älter als 15 Jahre sein. Rum hat erst Anfang des Jahres Einzug in meine Bar gehalten, das war komplettes Neuland für mich. Zur Zeit habe ich eine Flasche Don Pappa und Plantation XO offen. Ich bin ein großer Fan von beiden.

Talisker passt hervorragend zu einer Gurkha Ghost.

Foto unten: Klaus Hruby

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Rum – herrlich. Äh – hier ein kleiner Tipp von mir: Nach dem Einschenken ins Glas etwa 20 Minuten „ziehen“ lassen. Dann wird das Aroma noch runder. Beim Havana Club Tributo 2017 sogar fast eine Stunde… aber dann ist dieser Rum der Hammer. Machst du in deinen Whisky auch mit der Pipette Wasser rein? Und was bringt das genau?

Danke für den Tipp mit dem Rum, werde ich bei den nächster Gelegenheit so machen.

Bei Whisky bin ich Purist, ich brauche keinen Tropfen Wasser. Meine schottischen Freunde würden mich nicht mehr ernst nehmen. Bei ihnen gilt: „Never mix the scotish water of life with water.“ Es ist zwar sicher nur ein Scherz auf Kosten eines Österreichers, aber ich halte mich daran. Ich denke der Tropfen Wasser – oder die Taufe, wie es manche nennen – nimmt die Schärfe etwas und rundet den Geschmack ab. Ich schätze allerdings ein paar Ecken und Kannten 😉

Foto unten: Pixabay

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Du bist ganz bestimmt ein Genuss-Mensch. Unter http://derblauedunst.com/der-besondere-moment-fuer-eine-zigarre/ beschreibst du, wie du nach einem anstrengenden und mühsamen Tag Nachts um halb Eins eine Zigarre verkostest. Ohne Fotokamera. Ohne sich Notizen zu machen. Erlebst du die Gefangenschaft in der „Online-Welt“ immer online sein zu müssen/wollen?

Ehrlich gesagt gar nicht. Ich bin unterwegs so gut wie nie online, merke aber, dass es für die Arbeit immer wichtiger wird. Ich bekomme oft Fragen, ob ich auch auf Instagram bin. Prinzipiell sind die Momente, die ich festhalte bewusst gewählt, oder die Fotos entstehen im Nachhinein.

 

Um beim oben genannten Beitrag von dir zu bleiben, Zitat: „Der Tabak ist potenzierte Zeit. Die Zeit die man der Zigarre gegeben hat um letzten Endes zur Ruhe zu kommen. Die Ruhe holt man sich dann beim Genuss zurück.“ Das ist doch herrlich. Kannst du solche Momente in unserer heutigen, technisiert-stressigen Zeit oft erleben?

Ja, ich habe solche Momente mehrmals in der Woche. Ich habe bis vor Kurzem noch Zigaretten geraucht. Das waren die Mini-Pausen zwischendurch. Da ich jetzt nur noch Zigarren, oder Pfeife rauche potenzieren sich diese kleinen Pausen auf eine große. Und ehrlich gesagt, ich freue mich auf jede einzelne, die ich dann auch bewusst genieße.

Foto unten: Klaus Hruby

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Welche lustige, spannende oder interessante Story hast du mit Zigarren erlebt?

Vor etwa drei Jahren habe ich mir eine Kiste Cuesta Rey aus der Centenario Coleccion gekauft, die Maduro-Version der Aristocrat, in den wunderschönen Glas-Tuben. Ich habe mich immer wieder aus der Kiste bedient. Als ich dachte, sie wäre leer, hab ich sie in eines meiner Bücherregale gestellt. Dieses Jahr im Februar öffne ich die vermeintlich leere Zigarrenkiste und siehe da, es waren noch zwei Exemplare darin. Gut, ich hatte den Tubus beider Zigarren nie geöffnet, dennoch war ich erstaunt, dass das Raucherlebnis gleich – wenn nicht sogar noch schmackhafter war. Ich nehme also das zweite Exemplar, ebenfalls ungeöffnet mit zu einer meiner Zigarrenrunden und gebe die Zigarre zur Begutachtung einem meiner Freunde. Er entnimmt die Zigarre dem Tubus, besieht sich das Deckblatt und meinte im Brustton der Überzeugung: „Hast du die im Badezimmer gelagert, so feucht wie die ist.“ Diese Zigarre lag mindestens zwei Jahre in einem Bücherregal bei direkter Sonneneinstrahlung. „Zu feucht“ konnte da also gar nicht sein. Dieser Freund hat selbst ein Tabakfachgeschäft und ist wirklich ein Experte, aber diese Geschichte zeigt, dass auch Experten mal daneben liegen, das ist bei mir nicht anders.

 

Jep, erstaunlich nicht? Oder auch nicht erstaunlich: In den Glastubos entsteht ein Mikro-Klima – perfekt für Zigarren. Ich hatte mal eine Zigarre in meiner Tasche vergessen (in Cellophan verpackt – die Zigarre, nicht die Tasche). Ich glaube, die lag da ein paar Monate drin. Als ich sie entdeckte, dachte ich: „Das war’s!“ Aber nein, die hat ganz ausgezeichnet geschmeckt und zu trocken war sie auch nicht.

Klaus, vielen Dank für das Interview, ich habe mich sehr über deine Antworten gefreut 🙂

Ich bin es der zu danken hat. Es war mir eine große Freude und eine Ehre. Wenn Du in Österreich bist, zeige ich Dir ein paar Zigarren-Orte die du nicht so schnell vergessen wirst….

Huiiii, da freue ich mich aber!!!

Foto unten: Pixabay

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