Liebe Zigarren.Zone Freunde, bei diesem Interview heisst es: Zigarre anzünden (natürlich eine Habanos, was sonst…), ein schönes Getränk auswählen, TV ausschalten, Musik einschalten (natürlich kubanische Rhythmen, was sonst…), zurücklehnen und das Interview geniessen. Christoph A. Puszkar, Leiter Marketing/PR, 5th Avenue, dem Offiziellen Alleinimporteur von Habanos für Deutschland, Österreich und Polen, stellt sich den Fragen von Zigarren.Zone.

© Fotos: Zigarren.Zone, 5TH AVENUE und Dritte mit freundlicher Genehmigung.

Vasilij Ratej

Herausgeber, Zigarren.Zone

Christoph Puszkar, Danke für deine Zeit! Die LeserInnen von Zigarren.Zone sind gespannt, welche indiskreten Fragen ich dir stellen werde und wie deine Antworten ausfallen werden 🙂

Wie sieht es mit der Tabakverfügbarkeit aus: Wird es eine Verknappung an Habanos geben in Hinsicht auf die Marktöffnung der USA?

Christoph Puszkar, Marketingleiter 5TH Avenue Deutschland
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Christoph Puszkar, Marketingleiter/PR 5TH Avenue Deutschland

Das mit den USA ist weitgehend noch Spekulation. Man kann derzeit nicht abschätzen, wie sich das Geschäft mit den USA entwickeln wird. Die USA ist bekanntlich der grösste Longfiller-Markt der Welt. Die Zahlen sind eindrucksvoll – gegen 300 Millionen Stück jährlich. Kuba produziert derzeit gegen 100 Millionen Stück pro Jahr für den Export. Die Zigarren, die wir hier als Habanos kennen, haben eine sehr hohe Qualität. Also, diese 100 Millionen Stück passen in die USA rund drei Mal rein und da weiss nun jeder, dass das mit einer höheren Produktion nicht aufgehen kann. Das heisst: Die heutige kubanische Zigarrenproduktion ist zu klein, um den USA-Markt abzudecken. 

Eine Frage sollte man sich stellen: Wie gross ist der Markt in den USA überhaupt für Habanos? Über die Jahre hat sich in den USA ein gewisser Geschmack gebildet. Auch die Preise spielen in den USA eine grosse Rolle. Der amerikanische Käufer ist sehr Preis sensibilisiert. Das heisst, eine Zigarre über 10 US-Dollar zu verkaufen wird relativ schwierig. Die Habanos spielen in dieser Liga. Von daher also die Frage, wie gross ist der USA Markt für Habanos? Es gibt da Schätzungen der Habanos S.A., aber die bringen uns nicht weiter. 

Natürlich, Fakt ist eines: Die Produktion auf Kuba ist mit Sicherheit zu gering, um den USA-Markt mit abzudecken. Man muss eines wissen: In historischen Zeiten wurden auf Kuba schon deutlich mehr Zigarren gefertigt. Der Piek war Mitte des 19. Jahrhunderts (1850/1855) mit rund 360 Millionen Stück. Die Formate waren damals auch etwas kleiner und die dafür benötigte Tabakmenge war auch geringer.

Ein weiterer Fakt ist: Auf Kuba kann man wesentlich mehr Zigarren für den Export produzieren, als das in den letzten Jahren der Fall war. Aber die Nachfrage war in dem Mass nicht da. Ein weiterer Faktor spielt eine grosse Rolle: Missernten. Das war in den letzten Jahren ein ganz grosses Problem. Die Deckblatt Verfügbarkeit war sehr gering. Was dazu führte, dass wir im letzten Jahr (2015) sehr wenig Cohibas verkaufen konnten. Vor allem die grossen Deckblätter mit der höheren Qualität war ein grosses Problem. Zum Beispiel die Cohiba Behikes waren weltweit kaum erhältlich.

Die 5th Avenue war allerdings noch gut aufgestellt aufgrund unserer Einkaufsstrategie. Wir konnten den Markt recht gut beliefern im Vergleich zu anderen Ländern.

Foto unten: Cohiba Maduro Magicos, Nahaufnahme des schlechten Deckblattes. Zigarren.Zone’s Beitrag exklusiv auf zigarrennewsblog.ch

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Es gibt immer wieder das Gerücht, dass Cuba aus dem Ausland Tabak einkauft, weil ihre eigenen Ressourcen die Nachfrage nicht abdecken können. Stimmt das und gibt es Beweise dafür?

Für mich ist das völliger Blödsinn. Ich weiss nicht, warum dieses Gerücht in die Welt gesetzt wurde. Wettbewerb ist gut und schön, aber ich finde, man sollte sauber bleiben und fair spielen. Ich kenne Wettbewerber, die solche Storys gezielt streuen. Nochmal: Das ist völliger Blödsinn. Kuba ist ein tabakproduzierendes Land. Kuba hat eigentlich auch genug Tabak, von den Missernten mal abgesehen. Aber selbst mit dieser Situation kann man umgehen. Wenn es so wäre, dass Kuba Tabak importieren würde, dann hätte Kuba ja keine Engpässe! Die Kubaner sind ja nicht blöd! Die wissen, die könnten Zehntausende Behike verkaufen – ja, gut – dann würden sie Tabak importieren, so einfach ist das.

Deshalb, damit es unmissverständlich ist: Ich habe absolut keine Anhaltspunkte dafür, dass Kuba Tabak importiert. Ich verweise das ganz klar in den Bereich der Legende.

Foto unten: Cohiba Behike 54

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Zigarren.Zone wurde aus einer Quelle dargelegt, dass einige Tabakbauern aus Protest, und insgeheim, einen Teil ihrer Ernte ins Ausland VERKAUFT haben, weil sie mit der Zentralwirtschaft nicht einverstanden sind. Hast du auch schon davon gehört und gibt es Beweise dafür?

Also, dass sich die Tabakbauern oft beschweren ist bekannt und kein Geheimnis. Die Preise werden von der Zentralwirtschaft festgelegt. Was ich weiss, ist, dass sie maximal 10% der Ernte behalten und verkaufen dürfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es überhaupt möglich ist, komplette Ernten ins Ausland zu verkaufen. Auf Kuba wird alles so gute überwacht, da kann so etwas unmöglich passieren.

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OETTINGER DAVIDOFF hat gegen Ende 2015 die CONTADIS an die LEKKERLAND verkauft und gesinnt sich gemäss ihrer Strategie auf das Kerngeschäft „Zigarren, Raucheraccessoires, Generalvertretungen und Retail“. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Dieser Verkauf spült viel Geld in die Kasse von OETTINGER DAVIDOFF. Da könnte man auf die Idee kommen, dass sie die ALTADIS bei HABANOS auskauft und mit ihrem starken und weltweiten Vertrieb auch gleich den Import in den Ländern organisiert. Das passt zur linearen Strategie, alles komplett zu kontrollieren (vom Tabakanbau, über die Produktion bis hin zum Vertrieb). Wie schätzt die 5TH AVENUE diese Möglichkeit ein?

Mir ist unklar, was IMPERIAL BRANDS mit dem Habanos Anteil vorhat. Schon vor Jahren, als ALTADIS übernommen wurde, gab es das Gerücht, dass IMPERIAL gar nichts mit dem Zigarren-Tabak-Geschäft anfangen kann, weil sie sich auch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollen (nämlich Zigaretten). Für mich deutet es derzeit eher darauf hin, dass sich IMPERIAL BRANDS durchaus der Stärke der Habanos-Zigarren bewusst ist. Mir ist eine Verkaufsabsicht aktuell nicht bekannt. Theoretisch ist es möglich, aber ich glaube nicht, dass OETTINGER DAVIDOFF da einsteigen wird. Ich glaube aber, dass DAVIDOFF wieder eine kubanische Marke herstellen will, das ist bekannt. 

Foto unten: Ein kleiner Teil des Lagers bei 5TH AVENUE.

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Welches ist deine Lieblingszigarre?

Diese Frage kann ich nicht beantworten. Dafür sind zu viele Faktoren abhängig: Für jede Tageszeit, Stimmung und Zeitfenster gibt es die passende Zigarre. Lass mich dennoch kurz nachdenken: Eine Zigarre für die einsame Insel? Ja, das wäre derzeit die Ramon Allones Specially Selected.

Foto unten: Ramon Allones Specially Selected

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Warum ist es wichtig, dass man Habanos erst ein paar Jahre lagern sollte, oder ist das unwichtig?

Es ist ein gewisser Luxus, den man sich da erlaubt, die Zigarren erst mal 3 – 5 Jahre zu lagern. Aber wenn man die Möglichkeit hat, dann würde ich das unbedingt tun.

Warum?

Für mich ist der Geschmack unvergleichlich viel grösser. Gestern Abend habe ich zwei Habanos geraucht. Bei der einen dachte ich: „Eigentlich schade um die Zigarre“, sie war einfach noch zu frisch. Die andere war eine Montecristo C Limitada 2003 – eine ganz hervorragende Zigarre. Das ist ein völlig anderes Rauchverhalten, völlig anderer Abbrand und ein ganz anderes sensorisches Geschmackserlebnis und ein Vergnügen.

Warum ist das speziell bei Habanos so?

Es ist ganz klar, dass die Kubaner hier nichts falsch machen. Eine gut gerollte Zigarre schmeckt sicherlich frisch auch ganz gut. Wenn diese Zigarren im Humidor eng beieinander in Kistchen liegen, dann findet mit der Zeit ein Reifeprozess seinen Weg durch die ganzen Schichten des Tabaks. Bei Wein gibt es zum Beispiel so ein Gerät, das man ins Glas hält, um den Alterungsprozess zu simulieren. Für Zigarren gibt es so etwas (noch) nicht (lacht). Oder man kauft von vornherein gealterte Habanos. Das Konzept der „Anejados“ ist ganz hervorragend. Man muss ja nicht so lange warten. Einfach ausprobieren: Schmecken mir junge Habanos auch? Und wie schmecken mir reifegelagerte Habanos? Einfach ausprobieren.

Foto unten: Romeo Y Julieta Anejados

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Was gibt es Neues zum Tabakgesetz?

Das Allerneueste ist so erschreckend, dass ich es gar nicht sagen möchte. Der aktuelle Stand ist: Es soll zum 20. Mai 2016 in Kraft treten. Vom Parlament wurde das Gesetz per heutigem Stand (Mitte Februar 2016) noch gar nicht verabschiedet. Zum Glück ist es uns gelungen, die Politik davon zu überzeugen, dass man beim Gesetz bei Zigarren und Zigarillos eine Ausnahme macht. Das heisst, es werden nicht die xy% Flächenabdeckung durch Schockbilder eingeführt, so wie sie bei Zigaretten der Fall sein wird, sondern es wird Textwarnhinweise geben. Man hat einfach verstanden, dass sich Zigarren und Zigarillos an deutlich erwachsene Personen richtet und nicht an Minderjährige. Man hat auch eingesehen, dass die gesamte Industrie vom Mittelstand geprägt ist. Und man hat eingesehen, dass man dem Mittelstand das Handling mit den ganzen Warnhinweisen finanziell gar nicht aufhalsen kann. 

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Für uns bedeutet das: Wir müssen jede Kiste öffnen und auch den Deckel von innen mit textlichen Warnhinweisen versehen. Das ist für uns schon mit erheblichen Kosten und logistischem Aufwand verbunden, das darf man nicht unterschätzen. Bis heute ist noch unklar, wie diese Warnhinweise für Österreich aussehen sollen. Deshalb können wir nichts produzieren lassen. Aber am 20. Mai 2016 soll das Gesetz in Kraft treten, das ist mehr als „tough“! 

Für Zigarillos braucht es Maschinen, welche die Warnhinweise aufkleben. Kein Mensch kann in dieser kurzen Zeit Maschinen dafür bestellen. Deshalb wird jetzt über eine Verschiebung diskutiert. 

Bei den Zigarren: Das sind ja Zehntausende von Kisten, die ihr von Hand öffnen und von innen bekleben müsst. Eine Maschine kann das ja gar nicht machen, richtig?

So ist es.

Das heisst, ihr müsst mehr Personal einstellen und ihr müsst die neuen Warnhinweise drucken lassen. Werden die Zigarren teurer?

Mit Sicherheit, na klar. Wir hoffen, dass wir mit einer moderaten Preissteigerung davon kommen werden. Preissteigerungen gab es jedes Jahr. Nur um mal zu verdeutlichen: Per 01.01.2015 ist der Importzoll kubanischer Zigarren nach Deutschland von 9.1% auf 26% hochgeschnellt! Das muss man sich mal vorstellen! Diese Kosten sind bis heute noch gar nicht kompensiert. Hinzu kommt auch, dass Kuba früher in EURO abgerechnet hat und neuerdings mit US-Dollar. Ja, der EURO ist relativ schwach und der US-Dollar relativ stark und das hat uns auch Marge gekostet.

Aus allen diesen Gründen kann man davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren Preissteigerungen notwendig sind. Im Schnitt können es 2% sein. Beim einen Format kann es 0% sein und bei einem anderen Format kann es 5% sein.

Und noch etwas: Es wird sicherlich eine Reduzierung im Portfolio geben, wenn der Konsument aufgrund der grossen Warnhinweise auf den Packungen das eine oder andere Format weniger kaufen wird. Derzeit ist natürlich noch nichts auf der Streichliste bekannt.

Gäbe es kreative Lösungen? Z.B. mit einem Umkarton oder einer Folie die Kistchen verpacken und dort die Warnhinweise zu bekleben?

Das sind sehr schnell Grauzonen. Das ist sicherlich nicht im Sinne des Gesetzgebers. Wir werden solche Tricks nicht machen.

Foto unten: Solche Schockbilder wird es für Zigarren und Zigarillos doch nicht geben.

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Welchen Rat kannst du den Zigarren.Zone LeserInnen noch geben?

Geduld lohnt sich bei der Reifelagerung von Habanos. Und: Die richtige Lagerung. Das kann in Plastikboxen aus dem Baumarkt sein oder ein Profi-Humidor. Was die Befeuchtung angeht rate ich auf aktive Befeuchter zu setzen, also mit integriertem Ventilator. Solche Systeme sind die besten für eine professionelle Langzeitlagerung. Die Qualität einer Zigarre steht und fällt mit der guten Lagerung. Deshalb macht es kaum Sinn, sich über das Anschneiden und Anzünden einer Zigarre in Glaubenskriegen zu verzetteln. Lagerung ist das viel wichtigere Thema.

Wenn wir Kisten als Reklamation zurück erhalten, dann ist es immer auf falsche Lagerung zurückzuführen. Zu feucht oder zu trocken. Das ist einfach schade. Denn in einer Zigarre steckt so viel Mühe und so viel Liebe! Mit der Vorbereitung des Bodens, mit der Aufzucht der Sämlinge, das Setzen der Pflanzen auf dem Feld, die Ernte, die Fermentation, das Rollen der Zigarren, das Anbringen der Anilla, das Ausschmücken der Kistchen, das Verpacken der Zigarren… so viele von Hand gemachte Arbeitsschritte. In jeder Phase der Produktion kann das Produkt zerstört werden. Und wenn man die Zigarre kurz vor dem Zigarrengenuss zerstört, nämlich durch falsche Lagerung, dann ist es besonders bitter.

Viele legen einfach zu wenig Augenmerk darauf. Sie werden zu trocken oder zu feucht gelagert. Oder man schmeisst alle Zigarren offen in den Humidor, was für das Aroma bei Langzeitlagerung eine Katastrophe ist. Am besten ist es, die Zigarren in der Originalkiste zu lassen und die ganze Kiste in den Humidor zu legen. Wer nicht kistenweise einkaufen kann, der sollte seine Einzelexemplare in Alutubos legen und diese in den Humidor.

Foto unten: Eine H. Upmann Perfectos aus dem Jahr 1973 oder 1974. Das Cellophan ist ganz gelb. Zum Review.

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Christoph, nochmal herzlichen Dank für deine wertvolle Zeit! Deine Antworten waren sehr interessant und spannend!