Liebe Zigarren.Zone Freunde, heute kommst du zu einem ganz besonderen Genuss: Wir Zigarren Geniesser sprechen oft vom sogenannten „Connecticut Deckblatt“, ohne jedoch genau zu wissen, was das ist. Hast du gewusst, dass diese Art der Deckblätter vom Anbau und Verarbeitung drei Jahre in Anspruch nehmen, bevor sie eine Premium-Zigarre umhüllen dürfen? Das und andere „Geheimnisse“ lüftet dieser Beitrag.

Gut, dann lass uns jetzt also die Wahrheit hinter dem Connecticut Deckblatt lüften!

© Fotos: Zigarren.Zone und Dritte.

Vasilij Ratej

Herausgeber, Zigarren.Zone

Folgender Text erscheint vollständig mit freundlicher Genehmigung für Zigarren.Zone von „Randomhouse“ Heyne Verlag, Seite 32 und Seite 33 aus dem Buch Der Zigarren Connaisseur

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, ISBN 3-453-12903-2, 4. Auflage, 1997. Dieses Buch ist vergriffen, aber ab und zu gibt es noch welche zu kaufen. Falls du das Buch bei amazon kaufst, erhält Zigarren.Zone eine kleine Werbeprovision, vielen Dank 🙂

Die Connecticut-Connection: Austin McNamara

Austin T. McNamara ist Präsident und Geschäftsführer der „General Cigar Company“, dem einzigen Zigarrenproduzenten, der sein eigenes Connecticut-Shade-Deckblatt kultiviert, trocknet und reifen lässt.

Befährt man an einem Sommertag die Interstate 91 hinter Hartford in nördlicher Richtung, so erblickt man endlose Tabakfelder, die unter einem geheimnisvollen Meer weisser Schleier zu verschwinden scheinen. So soll es sein.

Obwohl die Tabakfarmer im Connecticut des achtzehnten Jahrhunderts innerhalb der Vereinigten Staaten kaum Konkurrenz zu fürchten hatten, mussten sie doch ein Deckblatt entwickeln, das sich mit denjenigen aus Kuba und Sumatra messen konnte. In Connecticut fehlten allerdings einige wichtige klimatische Voraussetzungen zur Kultivierung feiner Deckblätter – wie die tropische Feuchtigkeit und die tiefhängenden Wolken, die zum Beispiel in Sumatra als natürlicher Sonnenschutz dienen. Ausserdem besassen die Farmer Connecticuts kein Saatgut für Deckblätter, die auch nur annähernd die Qualität derer aus Kuba und Sumatra versprachen. Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurde dann doch der Versuch unternommen, in Connecticut Deckblätter der Spitzenklasse zu ziehen. Das Saatgut für das grosse Experiment wurde aus Sumatra importiert. Um in etwa das dampfige Klima der Insel nachzuahmen, wurden die Felder mit kilometerlangen Abdeckungen versehen, die den heutigen Kunststoffabdeckungen glichen, mit denen die Feuchtigkeit im Lebensraum unserer Tabakpflanzen um mindestens zwanzig Grad gesteigert werden kann. Leider fühlten sich die Sumatra-Saaten in der Erde Connecticuts nicht wohl, und die Blätter, die sie hervorbrachten, waren viel zu dünn, um als Deckblätter verwendet werden zu können.

Bald traf jedoch wunderbare Rettung in Form aus Kuba importierter Saaten ein (nicht geschmuggelt, wie einige Leute dachten). Der Importeur var niemand Geringeres als das US-Landwirtschaftsministerium, und dieses Saatgut, das seit damals erheblich verfeinert wurde, ist nach wie vor das einzige, welches sich für den Anbau von Deckblättern in Connecticut als brauchbar erweist. Ebenso seltsam ist folgender Umstand: In keiner anderen Region der Vereinigten Staaten konnte Connecticut Shade jemals erfolgreich angebaut werden.

Die ungewöhnliche Fruchtbarkeit der sandigen Lehmböden im Tal des Connecticut River erklären manche mit den regelmässigen Überflutungen des Flusses. Andere glauben, Ablagerungen aus den Eiszeiten seien für den Reichtum der vorhandenen Nährstoffe verantwortlich. Wieder andere sind der Überzeugung, allein die natürliche Beschaffenheit und die geographische Lage des Tales böten gute Voraussetzungen, wobei sich die hohen Sommertemperaturen hervorragend zum Anbau eigneten, während die niedrigen Wintertemperaturen die Trocknung begünstigten. Eines steht jedoch fest: Der Anbau von Connecticut-Shade-Deckblättern ist mit Sicherheit eine der arbeitsintensivsten Formen der Landwirtschaft. Kostet der Anbau vom Gemüse wie etwa Mais im Durchschnitt 300 US-Dollar auf einer Fläche von circa 50 Ar, so kostet der Anbau und die Verarbeitung von Connecticut Shade auf der gleichen Fläche mittlerweile 26 000 US-Dollar.

Ein einzelnes Saatkorn für unseren Tabak ist verschwindend klein – und mit blossen Auge nicht auszumachen (weshalb die Körner mit grünlichem Lehm umhüllt werden). Diese „Tonkügelchen“ werden in den Treibhäusern ausgesät, wo sie denn so lange verbleiben, bis sie als Setzlinge eine Höhe von etwa 100 bis 150 Millimeter erericht haben. Danach gelangen die kleinen Pflanzen in sorgfältig umgepflügte Felder, wo sie in Abständen von 16 Zoll (etwa 41 Zentimetern) in Beete gesetzt werden, die ihrerseits im Abstand von jeweils 34 Zoll (etwa 86 Zentimetern) lange Reihen bilden. Unter ständigen Vorsichtsmassnahmen gegen Schädlingsbefall wachsen die Pflanzen in etwa zwei Monaten zu einer Höhe von 240 bis 300 Zentimetern heran. Dann beginnt die Ernte, das „Priming“: Im Abstand von jeweils sieben bis zehn Tagen werden sechs oder sieben „Primings“ durchgeführt, bis von jeder Pflanze achtzehn bis einundzwanzig Blätter geerntet worden sind. Am wertvollsten ist die Ernte der dritten und vierten Pflückung, und hier wählen unsere Anbauer nur die längsten und feinkörnigsten Blätter aus.

In den Trockenschuppen werden die hellgrünen Blätter an ihren Stielen zusammengenäht und an Latten gehängt, die ihrerseits auf Stangen ruhen, welche sich bis zu zwölf Meter über dem Boden befinden. Hier bleiben die Blätter, bis sie trocken und goldbraun geworden sind. Die getrockneten Blätter werden nun verpackt und in die Dominikanische Republik verschickt, wo sie einem langsamen Fermentationsprozess ausgesetzt werden, um Brennfähigkeit, Geschmack und Farbe des Tabaks zu intensivieren. Bei diesem Vorgang steigt die Temperatur in jedem Haufen von Deckblättern jeden Tag ein wenig. Hat sie etwa 44 Grad Celsius erreicht, was in der Regel nach zwölf Tagen der Fall ist, werden die „Hands“ – so werden die Blattbündel ihres Aussehens wegen genannt – belüftet. Zu diesem Zweck wird jede „Hand“ einzeln eine Stunde lang in einem Raum mit 23,8 Grad Celsius Raumtemperatur ausgeschüttelt. Der Fermentationsprozess wird dreimal wiederholt, jeweils im Abstand von acht bis zehn Tagen, wobei sich die Temperatur im Haufen immer weiter verringert, bis die gesamte Fermentation abgeschlossen ist. In jeder Fermentationsphase muss die äussere Schicht von Blättern immer wieder gewendet werden.

Im Frühherbst schnürt man die Blätter zu Ballen und schickt sie in ihr kühles Heimatklima zurück. Hier in Connecticut beginnt nun die Phase des „Winterschwitzens“ – ein zusätzlicher Fernmentationsprozess, der sieben Monate dauert und den charakteristischen Eigenschaften der Blätter zu besserer Entfaltung verhilft. Im Frühling werden die Blätter wiederum in die Dominikanische Republik verschifft, wo man sie für weitere zwölf Monate lagert, bevor die Ballen aufgerollt und die Blätter mit feinem Nebel besprüht werden. Der Sprühnebel bewirkt, dass die Blätter die notwendige Biegsamkeit für die Weiterverarbeitung erhalten. Alles in allem nehmen Anbau und Verarbeitung der Connecticut-Shade-Deckblätter drei Jahre in Anspruch. Ausserdem haben die Blätter mehrere tausend Meilen auf See hinter sich, bevor sie endlich eine handgerollte Premium-Zigarre umhüllen dürfen.

„General Cigar“ ist die einzige Gesellschaft, die ihre Connecticut Shades zwei Reifephasen unterzieht – eine Gewohnheit, die kubanische Zigarrenmacher vor Jahrzehnten pflegten, um ihren Zigarren einen weicheren Charakter zu geben. Damals gab es in Havanna einen Zigarrenmacher, für den diese Vorgehensweise oberstes Gebot war: Benjamin Menéndez, der seit 1984 unsere „Macanudo“-Produktion überwacht.

Hinweis von Zigarren.Zone: Auf den letzten Abschnitt „Austin McNamaras Top Ten“ verzichtet Zigarren.Zone.

Foto unten: Eine Flor de Selva mit einem Connecticut Deckblatt.

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