Sie schlug kräftig zu und seine Nase brach. Sein weisser Hut flog in hohem Bogen aus dem offenen Fenster und das Blut spritzte aus seinen Nasenlöchern auf das schneeweisse Hemd. Er fasste sich an seine Nase, benommen vom Schlag taumelte er und fiel rücklings geradewegs auf den grossen Kolonialsessel. Er blieb benommen halb liegend und halb sitzend. Sein Kopf dröhnte, seine Ohren pfiffen und wie durch Watte hörte er sie schreien: „Hijo de puta! Hijo de puta!“ Langsam wurde sein Kopf wieder frei vom Pfeifen seiner Ohren und er schmeckte das Blut auf den Lippen. Er verzog schmerzerfüllt sein Gesicht und hielt sich ein Taschentuch vor die Nase, um das Blut aufzuhalten. Ganz mit sich selbst und seinem Schmerz beschäftigt, nahm er keine weitere Notiz von ihr. Er wollte bloss, dass der Schmerz aufhörte. Dadurch, dass er sie offenbar ignorierte, wurde sie nur noch wütender. Jetzt ging alles ganz schnell. Sie stürmte auf ihn zu, packte ihn am Kragen, zog ihn aus dem Kolonialsessel hoch und trat ihm mit voller Wucht mit ihrem Knie in seine Kronjuwelen.

Dieser Schmerz war mehr, als er ertragen konnte und er schrie sie an: „Hör auf, du Schlampe! Du hast meine Eier zerquetscht, was fällt dir ein!“ Sie schlug noch einmal zu, dieses Mal mit ihrem anderen Knie. Er schrie erbärmlich, sie hielt ihn immer noch am Kragen, drückte ihn fest zu sich und presste ihre Lippen an seine Ohren. „Kannst du meine Titten fühlen, wie sich sich an deine Brust drücken?“, flüsterte sie ihm ins Ohr. Er stöhnte bloss und war von so ungeheuerem Schmerz erfüllt, dass er am liebsten gestorben wäre. „Ich sterbe lieber, als dass ich dich Schlampe noch einmal fühle!“ schrie er mit seiner letzten Kraftreserve, die er noch hatte. „Du Hurensohn, das kannst du haben!“ flüsterte sie, schob ihn zum offenen Fenster und stiess ihn einfach hinaus.

Er bemerkte kaum, dass er sieben Meter durch die Luft flog. Ein paar Sekunden später schlug er auf der Strasse auf. Sein Kopf platzte und das Gehirn ergoss sich auf den Asphalt. Es war noch sehr früh am Morgen, die Sonne ist noch nicht aufgegangen und es war noch niemand in diesem Stadtviertel unterwegs.

Ihr Herz schlug wie wild, sie blickte durch das Fenster und sie spuckte raus. Ein paar Sekunden verharrte sie am Fenster. Sie blickte geradeaus und sie sah den nahen Hafen und die Lichter der Kräne und Schiffe. Ihr Blick war leer. Als sie sich beruhigt hatte, ging sie zum Schreibtisch an den Laptop. Sie loggte sich ein, startete eine Überwachungssoftware und schrieb eine Mitteilung an Milo55: ‚Der Falkner verlor die Augen‘. Sie drückte auf die „Senden“-Taste und loggte sich aus. Sie schloss den Laptopdeckel und ging ins kleine Badezimmer. Sie zog sich aus und ging unter die Dusche. Als sie fertig war, trocknete sie sich ab und zog sich frische Kleider an. Die alten und Blutverschmierten stopfte sie in einen Plastiktüte. Sie ging zum Schreibtisch und öffnete eine kleine Kiste. Sie nahm ein paar Zigarren heraus und steckte sie ein. Ihren Laptop packte sie in eine Tasche, blickte sich noch einmal im kleinen, stickigen und warmem Raum um und wollte soeben durch die Tür nach unten gehen.

Sie sah die Gestalt nicht kommen und sie hörte nur ein kurzes „Plopp“. Instinktiv wich sie blitzschnell aus und die Kugel zischte knapp an ihrer Nase vorbei und schlug in der Wand ein. Sie zog ihr Messer, wirbelte um ihre eigene Achse und packte den zuvor unsichtbaren Schützen an der Schulter. Während ihrer Drehung stach sie einmal in den Bauch, sie drehte sich erneut und stach ein weiteres Mal zu, direkt in seinen Mund. Die Klinge zerschnitt die Zunge und den Gaumen. Er röchelte und spürte einen weiteren Stich in sein linkes Ohr und noch noch einen in sein rechtes Ohr. Dann wurde alles schwarz und er fiel leblos zu Boden. Sie war wütend, denn jetzt war sie wieder blutverschmiert. „Verdammt!“ Sie musste sich erneut waschen. Die blutverschmierten Kleider würde um diese Stunde niemand bemerken. Ihr Auto parkte unten und sie könnte unerkannt verschwinden.

Lautlos verliess sie den Raum.

Young woman posing in city park and various locations in dress of pink shirt, hat, etc.
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Zigarrina, die Bloggerin.

Fortsetzung folgt…

Vorschau: „Danke, dass du ZIGARRINA nutzt!“ tippte sie flink in ihren Laptop und schickte die Antwort auf einen der unzähligen Kommentare ihres Blogs ab. Sie klappte den Deckel zu, es war schon kurz vor Mitternacht, und sie rieb sich die Augen. Sie merkte, dass sie scharf war. „Scheisse“, dachte sie, „und kein Mann in Griffnähe!“ Sie ging ins Schlafzimmer, legte sich aufs Bett und versank in ihre Gelüste. Danach schlief sie ein. Irgendwann in der Nacht erwachte sie. Sie dachte, sie hätte Schritte in ihrer Wohnung gehört…