Bio Zigarren – gibt es das überhaupt? Pestizide und Fungizide schützen die Pflanzen. Bio Anbau kennt man in weiten Teilen der  Nahrungsproduktion bereits. Und wie ist das mit Zigarren? Dieser Blog Beitrag soll Licht ins Dunkel bringen.

Zigarren.Zone hat mit fünf Fachleuten gesprochen.

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Günther Schichl

Günther Schichl, Inhaber von Tabacalera Altagracia sagt: „Letztes Jahr (2014) hat der Befall von Trips in Villa Gonzalez über 50 % des Tabaks zerstört. Ich denke, heuer ist es nicht sehr viel weniger. Falls es die Preise zulassen wird über kurz oder lang nichts anderes übrigbleiben als in geschlossenen Gewächshäusern Tabak zu pflanzen. 10 Hektar kosten jedoch in etwa 2,3 Millionen US Dollar.

Da die gesamte Branche enormen Wachstum durch Asien, sprich China gerade erlebt ist der Umstieg und somit die Einbusse von Ertrag und Uniformität nicht rentabel und somit nur kleinste Mengen möglich. Ausserdem hat Tabak nicht gerade den gesundesten Ruf und somit ist Tabak auch nicht unbedingt in der Öko, Permacultur Bewegung gefragt. Bzw. haben wir seit Jahren mit Insektenbefall und Krankheiten wie Schimmel zu tun. Was unser Leben in den letzten paar Jahre auch nicht gerade erleichert ist die Tatsache, dass immer mehr Lebensmittel wie Gemüse als Zwischenpflanzungen im Sommer gesetzt werden und somit noch ein höheres Risiko des Insektenbefall ist. zB haben wir seit 2 Jahren einen Befall des Tabaks in der Dom Rep von Trips.“

 

 

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Benjamin Patock

Benjamin Patock, Inhaber von noblego.de: „Zunächst mal darf man es ja nicht „öko“ nennen. Das ist wie mit Marlboro Light… da würde suggeriert, dass es gesünder sei als klassischer Tabak. Man kann es aber mit der Weinbrache vergleichen: Bio-Wein ist im Trend. Aber eine Zertifiziereung ist a) aufwendig und b) teuer. Tabakfarmer wie Weinbauern versuchen sowieso so natürlich wie möglich zu arbeiten, weil dann der Rohstoff einfach am besten ist. Aber bevor ein Schädling die Ernte zerstört, wird eben gespritzt.

Das Projekt von Nestor Plasencia jr. ist meines Wissens das einzige in der Branche, aber ich finde sehr interessant und zeitgemäß. Sie wollen es natürlich nicht zu hoch hängen, weil sie immer noch 99,9% klassisch arbeiten. Immerhin produziert Plasencia über 200 verschiedene Marken, auch für teils sehr renommierte Namen. Bei der Reserve Organica eben nichtinsofern ist es ein ambitioniertes Projekt für einen so kleinen Nischenmarkt, aber wie ich finde, unterstützenswert.“

 

Vorne rechts: Nestor Plasencia jr / Dahinter Sergio Tores, Europamanager / Ganz oben Herr Nückles, von Zigarren Baumert in Kehl. Vorne links der Präsident des Elsässer Zigarrenclubs / Mitte links: Thomas Geissler
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Vorne rechts: Nestor Plasencia jr / Dahinter Sergio Tores, Europamanager / Ganz oben Herr Nückles, von Zigarren Baumert in Kehl. Vorne links der Präsident des Elsässer Zigarrenclubs / Mitte links: Thomas Geissler

 Thomas Geissler von Charles Fairmorn Vertrieb Deutschland: „Es gibt eine Orgánica Zigarre von Plasencia. Die vertreiben wir. Das Konzept ist genial. Der Samen wurde 6 mal ausgesäht, bis er rein war, also frei von Rückständen. Das Feld wurde über Jahre ohne Dünger und Spritzmittel bearbeitetet, bis auch dieses clean war. Nun wird in Mischkultur gepflanzt, und für die Arbeit werden keine Traktoren benutzt, sondern Rinder und Pferde. Auf dem Markt hat die Zigarre durchaus ihre Liebhaber. Ich persönlich liebe diese Zigarre, denke aber, der Kunde sollte dafür einen etwas höheren Preis akzeptieren, der den Mehraufwand und den geringeren Ertrag wiederspiegelt.

Über 1000 Jahre ernteten die Ureinwohner Amerikas Tabak und nutzen ihn in gerollter Form mit viel Genuss im Rahmen ihrer Feste. Als die Europäer vor Jahrhunderten die Neue Welt entdeckten, waren sie beeindruckt von dem Aroma, das nur Zigarren hervorbringen können. Deshalb wurde diese einmalige und limitierte Zigarre kreiert. Hergestellt wird die Plasencia Reserva Organica mit dem reinstem Tabak aus 100% organischem Anbau. Durch ihren eigenen Charakter und unvergleichbaren Aromen von Anfang bis zum Ende ist es eine beeindruckende, seltene Zigarre. Die

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Foto zur Verfügung gestellt: cigarcompany.ch

Plasencia Reserva Organica ist die erste Premium Zigarre, die zu 100% mit Tabaken aus zertifiziertem, organischen Anbau hergestellt wird. Die Plasencia Familie, mit fünf Generationen Erfahrung im Tabakanbau, ist sehr stolz diese exklusivste Kreation vorzustellen. Die Bio-Serie der Firma Plasencia Reserva Organica ist ein echter Premium Smoke. Mit einer Basis von holzig-erdigen Grundtönen, ergänzt durch Nuancen von Kaffee und Schokolade ist sie eine schmackhafte und biologisch vertretbare Alternative zu pestizidbehandelten Tabakerzeugnissen. Dabei verfügt sie auch bei ihrer cremigen Milde über eine schöne Geschmackskomplexität. Diese perfekt verarbeitete Zigarre ist optimal für ein leichtes, gut einstündiges Rauchvergnügen geeignet.“ Zum Zigarren.Zone Interview mit Thomas Geissler.

 

 

 

 

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Michael Emrich, Inhaber von CASTRO Cigars

Michael Emrich, Inhaber von CASTRO Cigars: „Ich finde es gut, dass sich diese Philosphie auch in der Zigarrenherstellung zeigt. Es sind heute nur sehr begrenzt Tabakvoluminas verfügbar, sodass es sich heute nicht in einem breiten Angebot niederschlägt. Ich denke ebenfalls daran, eine „Öko-Linie“ vorzustellen. Ich bin in Gesprächen mit meinem Tabak-Produzenten. Als „kleiner aber feiner“ Hersteller bin ich aber auf Verfügbarkeit von Blättern angewiesen. Fazit für mich: Kann eine schöne Nische werden.“ Zum Zigarren.Zone Interview mit Michael Emrich.

 

 

 

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V.l.n.r.: Hendrik (Henke) Kelner auf der DAVIDOFF Plantage in Jicome (DR) und Uwe Mueller

Uwe Mueller, Aussendienstmitarbeiter bei Arnold André: „Im Zusammenhang mit Tabak darf in Deutschland bzw. der EU nicht von „Öko“ gesprochen werden. Es ist fast unmöglich Zigarrentabak ohne jegliche Hilfsmittel wie Fungizide, Pestizide und Kunstdünger zu ziehen, darauf verzichten selbst die Kubaner nicht. Unsere Lieferanten bzw. Tabakbauern achten aber sehr darauf, den Tabak möglichst umweltschonend und mit einem Minimum an Schutzmitteln auszukommen, so werden beispielsweise zur Schädlingsbekämpfung aus Tabakresten nikotinhaltige Flüssigkeiten zum Besprühen der Tabakpflanzen eingesetzt. Gegen Pilzerkrankungen (die in der Karibik häufig auftreten) helfen jedoch meist nur Fungizide, allerdings hat man auch schon große Erfolge in der Züchtung widerstandsfähigerer Pflanzen gemacht. Zum Zigarren.Zone Interview mit Uwe Mueller.